Hospiz betreut Menschen bis zum Tod

Leben mit dem Sterben

+
Diese Villa in Walle ist seit 2002 ein Hospiz mit acht Plätzen für todkranke Menschen.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Wenn Monika Foppe morgens die schöne Villa mit dem großen Garten betritt, fällt ihr Blick als erstes auf das Tischchen im Flur. Brennt dort eine Kerze und ist das Gedenkbuch aufgeschlagen, dann weiß sie: Ein Gast ist gestorben. Momentan steht keine Kerze auf dem Tisch, denn Wasser hat einen großen Schaden im Hospiz „Brücke“ verursacht und die Versorgung von todkranken Menschen in Walle vorübergehend unmöglich gemacht. „Eine richtige Zäsur für uns“, sagt Leiterin Monika Foppe.

Im Aufenthaltsraum unten hielt sich der Schaden in Grenzen, hier müssen lediglich die Maler ran.

Die 59 Jahre alte gelernte Krankenschwester mit Leitungsqualifikation ist von Beginn an dabei. 2002 wurde das Hospiz mit dem großen Garten in Walle eröffnet. Träger ist der Verein „Zentrale private Fürsorge“, der 1897 in Bremen gegründet wurde. Schwerpunkt des Vereins sind ambulante Pflege und palliative Versorgung. Mehr als 2 000 todkranke Menschen haben Monika Foppe und ihr Team (15 hauptamtliche und 15 ehrenamtliche Kräfte) seit 2002 betreut. Der Tod gehört für sie zu ihrem Leben. „Jede Woche sterben zwei bis drei Gäste, im Jahr etwa 140 Menschen“, sagt Foppe.

Wie hält man das aus? Mit hoher Professionalität, sagt Foppe, es sei eine Gratwanderung. „Das Thema ist mir wichtig, man braucht aber auch Stärke. Und eine Portion Humor und Leichtigkeit.“ Ihr Ausgleich: Lesen, Reisen, Sport.

Die Wartelisten fürs Hospiz sind lang, schließlich gibt es in Bremen nur 16 Hospizplätze – acht in Walle und acht im Lilge-Simon-Stift der Johanniter in Schönebeck. Etliche Kranke schaffen den Weg ins Hospiz nicht mehr, sie sterben vorher. „Der Bedarf ist sehr groß. Ein drittes Hospiz wäre gut“, so Foppe.

Böden und zum Teil auch Wände im Hospiz „Brücke“ mussten nach dem Wasserschaden herausgerissen werden. Erst jetzt ist alles so weit getrocknet, dass die Renovierungsarbeiten beginnen können. Hospiz-Leiterin Monika Foppe (Foto) hofft, dass der Betrieb in einigen Wochen wieder aufgenommen werden kann.

Die meisten Gäste sind Krebspatienten. Das Hospiz steht in engem Kontakt mit Kliniken, insbesondere mit dem Klinikum Links der Weser (LdW) und dem Diako in Gröpelingen. Aber auch aus dem Umland gibt es immer wieder Anfragen nach Plätzen. Ein paar Tage, ein paar Wochen – so lange verbringen todkranke Menschen in der Villa, werden gepflegt und schmerztherapeutisch betreut. Kostenträger sind Kranken- und Pflegekassen. Die medizinische Betreuung übernehmen LdW und Diako. Manchmal stabilisiert sich ein Schwerstkranker vorübergehend und zieht wieder aus. Doch das ist die Ausnahme.

Während des Aufenthaltes steht der Wunsch der Gäste, die meist Mitte 50 bis Mitte 60 sind, im Mittelpunkt, sagt Foppe: „Es gibt keine festen Essenszeiten, keine Weckzeiten. Die Menschen möchten viel Ruhe haben.“ Angehörige können rund um die Uhr da sein. Die Leiterin: „Wir helfen Menschen, den Weg, den sie gehen müssen, entlastend und würdevoll zu gestalten.“ Genauso wichtig seien aber auch „viele, viele Gespräche“ mit den Angehörigen.

Jäh gestoppt wurde die engagierte Arbeit über Weihnachten. Der Druckausgleichsbehälter unter dem Dach platzte, 1 500 Liter Wasser sickerten von oben durch die Wände. Foppe erinnert sich: „Wasser lief uns entgegen, lief aus den Steckdosen, sammelte sich in Lampen, zog die Elektrik in Mitleidenschaft.“ Nachts um 2 Uhr mussten sechs Gäste evakuiert werden. Um halb acht war es geschafft. Diako und LdW hatten die Todkranken aufgenommen. Dank des Diako, das vorübergehend vier Plätze zur Verfügung stellt, kann die Arbeit des Hospizes weiterlaufen, wenn auch eingeschränkt.

In der Villa ist die wochenlange Trockung der Wände gerade abgeschlossen. Die Holzböden im ersten und zweiten Stockwerk mussten zum großen Teil herausgerissen werden, liegen offen, ebenso einige Wände. Der Schaden wird auf rund 200 000 Euro geschätzt und ist von der Versicherung abgedeckt. Jetzt beginnen die Renovierungsarbeiten. Ende März/Anfang April soll die Hilfe im runderneuerten Hospiz „Brücke“ wieder aufgenommen werden. Die Gäste, die Weihnachten da waren, erleben das Ende der Renovierung nicht mehr. Sie alle sind tot.

Bald wird in der schönen Villa wieder eine Kerze brennen, wenn Monika Foppe morgens zur Arbeit kommt.

www.hospiz-bruecke.de

Merkel, Trump und Co. beim G7-Gipfel auf Sizilien: Die Bilder

Merkel, Trump und Co. beim G7-Gipfel auf Sizilien: Die Bilder

Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Edel, sexy, elegant: So präsentierten sich die Stars bei der amfAR-Gala 

Edel, sexy, elegant: So präsentierten sich die Stars bei der amfAR-Gala 

Mehr als 90 Tote infolge von Unwettern in Sri Lanka

Mehr als 90 Tote infolge von Unwettern in Sri Lanka

Meistgelesene Artikel

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Uwe und Nadine Kloska sind „Bremer Unternehmer“ 2017

Uwe und Nadine Kloska sind „Bremer Unternehmer“ 2017

„Die Ware sucht sich den Weg“

„Die Ware sucht sich den Weg“

Wachsende Überstundenzahl bei der Polizei: Mäurer verweist auf Zukunft

Wachsende Überstundenzahl bei der Polizei: Mäurer verweist auf Zukunft

Kommentare