Forscher untersuchen Korallen-Ökosysteme in 46 Ländern

Hoffnung für bedrohte Riffe

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Ein Fischer in Manus, Papua Neuguinea – einer von 2 500 untersuchten Standorten der Studie, an der auch der Bremer Riffökologe Sebastian Ferse mitgearbeitet hat.

Bremen - Korallenriffe ernähren Millionen von Menschen in den Tropen, doch einige Faktoren führen zur Überfischung der marinen Ökosysteme. Dass manche Riffe unter diesen Bedingungen dennoch unerwartet hohen Fischreichtum haben können, ist Forschern – darunter Dr. Sebastian Ferse vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) – zufolge ein Hoffnungsschimmer für bedrohte Riffe.

Was beeinflusst den Fischreichtum in den Riffen? Das wollten internationale Forscher wissen und untersuchten mehr als 2 500 Riffe in 46 Ländern. So sammelten sie viele Daten, die sie in einer Studie zusammenfassten und in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichten. Ferse ist Mitautor der Studie. Die Ergebnisse könnten dem Institut zufolge Grundlage für neue Lösungen zum Schutz von Korallenriffen sein.

Eine hohe Bevölkerungsdichte und ein guter Zugang zu Fischmärkten sind allgemein wesentliche Faktoren, die zur Überfischung führen. Dass einige Riffe hier aber ausscheren, zeigt die Studie auf. Für ihre Forschungen rund um den Äquator wurden „Riffabschnitte mit einer Leine abgesteckt und Anzahl und Art der Fische in dem Bereich unter Wasser dokumentiert“, so Ferse. Er zählte in Nord-Sulawesi, Indonesien, wo die Riffe nach Angaben des ZMT zu den artenreichsten der Welt gehören. Gezählt wurden unter anderem ökonomisch wertvolle Arten wie Lippfische, große Riffbarsche und Papageienfische. Zusätzlich erhoben die Forscher Daten über Bedingungen vor Ort. Ergebnis: Die Fischbiomasse der meisten Riffe lässt sich laut ZMT anhand der Größe und Erreichbarkeit des nächsten Fischmarktes, der Transportinfrastruktur und der wirkungsvollen Durchsetzung von Managementregeln erklären.

„Etwa sechs Prozent der Riffe haben jedoch eine deutlich höhere oder niedrigere Fischbiomasse als erwartet. Dabei schneiden einige Riffe in nahezu unberührten Meeresregionen schlechter ab, während positive Beispiele auch von Standorten mit hoher Bevölkerungsdichte und Fischerei stammen. Das fanden wir sehr spannend und machten uns auf die Suche nach den Gründen“, so Ferse. Vor allem Riffe in den Salomonen, Teile von Indonesien, von Papua Neuguinea und dem Inselstaat Kiribati gehören zu den „Lichtblicken“: Dort gab es mehr Fisch, als die Forscher angesichts der Bevölkerungsdichte vor Ort, der dort herrschenden Armut und schlechten Umweltbedingungen erwartet hatten.

Die Standorte zeichneten sich unter anderem dadurch aus, dass die Küstenbewohner in das Fischereimanagement eingebunden werden oder sich jahrhundertealte Fischereitraditionen mit Regeln und Tabus etabliert haben, heißt es. Positive Standorte fielen auch dadurch auf, dass die Menschen stark von marinen Ressourcen abhängig sind und es kaum alternative Einkommensquellen gibt – hier sei die Notwendigkeit zu einem nachhaltigen Umgang mit den Riffressourcen sehr groß. Orte, an denen die Fischbiomasse deutlich niedriger war als erwartet, zeichneten sich hingegen durch Stürme und Korallenbleichen, vor allem aber durch technologische Entwicklungen wie die Verbesserung von Fischerei-, Transport- und Kühltechnologie aus.

„Die klassischen technischen Maßnahmen des Fischereimanagements entpuppen sich also als Fallen, die zur Übernutzung führen“, so Ferse. Er plädiert dafür, die lokale Bevölkerung in das Fischereimanagement einzubeziehen. „Wenn Menschen vor Ort beispielsweise Besitzrechte an den Riffen hätten, könnten sie selbst kreative Ansätze entwickeln, um einem zu erwartenden Fischschwund entgegenzuwirken“, so der Erstautor der Studie, Prof. Josh Cinner.

vr

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