Hochzeitspläne, Herzinfarkt, Kaffeesatz

Premiere auf dem Theaterschiff Bremen: „Der Boss“

Gregor von Holdt spielt in „Der Boss“ den Frauenversteher Daniel, seine Braut Aylin und eine türkische Großfamilie.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Daniel schwebt auf Wolke 7, während er auf der Bühne auf einer Art überdimensionierten Hochzeitstorte sitzt. Seine türkische Geliebte Aylin hat „Ja“ zur Hochzeit gesagt. Anfangs fürchtet der Anti-Macho und Frauenversteher, einem Ehrenmord zum Opfer zu fallen. Doch bald macht es ihm eher Sorgen, von 374 türkischen Familienmitgliedern integriert zu werden.

Die Lachmuskeln der Besucher auf dem Theaterschiff müssen am Donnerstagabend harte Arbeit leisten, als Gregor von Holdt die Premiere von „Der Boss“ nach dem gleichnamigen Roman von Moritz Netenjakob bestreitet. Eine starke Darbietung. In Sekundenschnelle wechselt von Holdt zwischen gegensätzlichen Rollen.

Soll Daniel Boss werden? Er selbst will das nicht. Aylin will das schon. Das zeigt sich, als beide das Urlaubsziel für die Flitterwochen wählen, unterstützt von Reisekaufmann und Familienmitglied Kelan. Eine Empfehlung: die Malediven. Oder doch die Seychellen? Daniel will eine Münze werfen. Kelan ist fassungslos. Eine Münze soll entscheiden? Hat die eine Ausbildung? Woher weiß sie, wie es auf den Malediven ist? Von Holdt muss ran. Aufrecht moderieren, dann die Entscheidung weiblich charmant weiterreichen, um schließlich mit breiten Beinen und cool gestrecktem Oberkörper die Fakten auf den Punkt zu bringen. Der Boss ist aber eine zufällig hereinkommende Tante Aylins: Einladung ins Haus der Familie nach Antalya. Das ist billiger und kommt von Herzen. Basta. Keine Widerworte.

„Die Operation dauert immer zwei Stunden“

Einen Tag vor der Vermählung wird die Hochzeit abgeblasen. Ab ins Krankenhaus. Dort sind schon 20 bestürzte Familienmitglieder. Die Tante aus Antalya hat einen Herzinfarkt. Der inzwischen aus der Türkei eingetroffene Onkel Abdullah kennt alle Fakten: „Die Operation dauert immer zwei Stunden.“ Als diese rum sind, bricht dann auch Panik aus. Schluchzen. Verzweiflung. Daniel will beruhigen, bei seiner Oma dauerte es dreieinhalb Stunden. Das hilft nicht. Auch der Kaffeesatz vermeldet nichts Gutes. Nach erfolgreicher Operation traut die Familie dem Chefarzt nicht.

Daniel lernt, dass die Wahrheit im Kreise der Familie sonst nicht so wichtig genommen wird. Auch er willigt ein, für Onkel Abdullah Muslim zu spielen. Das gibt bereits Ärger, als dieser in Daniels Zimmer ein Bild von Miss Piggy entdeckt. Es bleibt spannend. Klappt die Hochzeit noch? Schaffen es Daniels 68er-Eltern, sich mit Muslimen zu verständigen? Hilft oder schadet modernes Theater dabei? Nebenbei wird Daniel im alten Job zur Führungskraft wider Willen und muss den Katastrophen-Hiphopper Bernd Banane zum Erfolg führen.

Wie auch immer: Zuschauen lohnt sich. „Der Boss“ steht zunächst bis zum 11.  November auf dem Spielplan. Karten gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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