67 Jahre nach Kriegsende: Bremer Zeitzeugin erinnert sich an Angriffe

Hochzeit im Bombenhagel

Die Aufnahme zeigt einige alte Aufnahmen des zerbombten Bremen im Staatsarchiv der Hansestadt. Die Bilder wurden vom Fotografen Walter Cüppers nach einem Bombenangriff im Oktober 1944 gemacht und geben einen Eindruck der zerstörten Straßen und Häuser in Findorff wieder. Für Bremen war am 27. April 1945 mit der Kapitulation der Zweite Weltkrieg zu Ende. ·
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Die Aufnahme zeigt einige alte Aufnahmen des zerbombten Bremen im Staatsarchiv der Hansestadt. Die Bilder wurden vom Fotografen Walter Cüppers nach einem Bombenangriff im Oktober 1944 gemacht und geben einen Eindruck der zerstörten Straßen und Häuser in Findorff wieder. Für Bremen war am 27. April 1945 mit der Kapitulation der Zweite Weltkrieg zu Ende. ·

Bremen - Von Jürgen TremperFast sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs finden sich auch in Bremen immer weniger Zeitzeugen, die über die Folgen der Nazi-Diktatur berichten können. Die 81 Jahre alte Ärztin Elisabeth Klatte erinnert sich besonders an den Abend des 18. August 1944 und das dramatische Ende einer Hochzeitsfeier im Bombenhagel.

Als 13-jähriges Mädchen ging Klatte damals mit ihrer Mutter und Schwester zu Verwandten in einem kleinen Altbremer Haus in Findorff. Als das Abendessen mit Kartoffelsalat und Würstchen beginnen sollte, heulten die Sirenen. Die Hochzeitsgesellschaft eilte sofort in den Luftschutzbunker. Nach Mitternacht gab es Entwarnung. „Wir liefen so schnell wie möglich nach Hause in Schwachhausen. Wir wollten wissen, ob unser Haus in diesem Bombenhagel heil geblieben war.“ Von Verwandten erfuhren sie, was Brautvater und Bräutigam erlebt hatten. Das Hochzeitshaus wurde von einer Brandbombe durchschlagen. Sie steckte im Tisch, ohne explodiert zu sein, neben Kartoffelsalat und Würstchen. Der Brautvater warf sie durchs Fenster auf die Straße. Der Hochzeitsgesellschaft war in jener Nacht der Appetit vergangen. Dieser Luftangriff traf vornehmlich die Steffensstadt, das Quartier zwischen Hauptbahnhof und Hafen. Am nächsten Tag waren 49 100 Einwohner obdachlos, mehr als 1 000 Menschen kamen ums Leben.

Etwa drei Stunden historisches Filmmaterial über Bremen im Zweiten Weltkrieg liegen im Landesfilmarchiv. Ein Teil davon entstand unmittelbar nach den Luftangriffen. Beamte der Luftschutzbürokratie, im Volksmund Bombenzähler genannt, dokumentierten vor Ort alle Schäden. Sie fertigten Abwurfskizzen an und schrieben Berichte für das Luft-Gau-Kommando. Der Bremer Fotograf Walter Cüppers bannte zusätzlich als „amtlicher Bildberichterstatter“ im behördlichen Auftrag die Schäden auf Fotos und Filme.

Der Leiter des Landesfilmarchivs, Diethelm Knauf, schätzt den dokumentarischen Wert der Filmaufnahmen hoch ein. „Bilder vermitteln deutlich mehr als geschriebene Texte einen Eindruck von historischen Ereignissen, Prozessen und Örtlichkeiten. So können wir durch die Filmdokumente, auch wenn sie für einen anderen Zweck aufgenommen wurden, nämlich Reparationsforderungen nach dem Sieg gegenüber den Alliierten zu begründen, das Ausmaß der Zerstörungen und auch das menschliche Leid nachempfinden.“ Ihm ist besonders wichtig, dass dieser besondere Archivbestand Teil der Erinnerungskultur ist. Tausende dieser Fotos von Walter Cüppers lagern im Bremer Staatsarchiv. Dessen Leiter, der Historiker an der Universität Bremen, Prof. Konrad Elmshäuser, sieht in der Genauigkeit und Flächendeckung ihre Bedeutung. „Erschreckend an diesem Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung war die ungeheuerliche Eskalation. Es zeigt, wie zivilisatorische Hemmschwellen auf beiden kriegführenden Seiten gefallen sind.“ Was mit Einzelangriffen im Mai 1940 begonnen hatte, steigerte sich zu einer massiven Vernichtung auch für die nordwestlichste Großstadt des Deutschen Reichs im Einflugbereich der Royal Air Force.

Die Alliierten flogen insgesamt 172 Luftangriffe auf Bremen und warfen dabei 5 513 Tonnen an Sprengkörpern ab, wobei mehr als 4 000 Einwohner starben. Etwa 60 Prozent des Wohnraumes in Bremen wurde zerstört. · lni

http://www.landesfilmarchiv.de

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