Kammer-Statistik: Wachstum auf Kosten der Arbeitnehmer / Frauen verdienen weniger als Männer

Hochburg prekärer Beschäftigung

Autor Jan Farke hat das Statistische Jahrbuch der Arbeitnehmerkammer auf dem Bildschirm.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Wenig Absicherung, wenig Verlässlichkeit, wenig Geld. Bremen ist eine Hochburg prekärer Beschäftigung und zudem noch ein Land, in dem Frauen durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen. Im Bund liegt der Wert bei 19,3 Prozent.

Zahlen und Erkenntnisse, die die Arbeitnehmerkammer gestern präsentierte – bei der Vorstellung ihres Statistischen Jahrbuchs 2010, das Daten des Finanzmarkt- und Wirtschaftskrisenjahres 2009 versammelt. Der Autor ist Jan Farke, bei der Kammer Referent für Wirtschaftspolitik.

Es ist nicht alles schlecht, wie es so schön heißt. „Bremen ist nicht nur ein Haushaltsnotlageland mit schlechten Pisa-Ergebnissen und kaputten Straßen“, sagt Ingo Schierenbeck, der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. „Bremen kann sich sehen lassen.“ Mit einem unterdurchschnittlichen Arbeitsplatzverlust sei Bremen „robust“ durch die Krise gekommen. Beim Bruttoinlandsprodukt stehe das Land – durchschnittlich betrachtet – besser da als Deutschland insgesamt.

Aber das Statistik-Buch der Kammer legt noch etwas anderes offen – etwas, das Schierenbeck als „Beitrag zur Darstellung der tatsächlichen Lage der Menschen in Bremen“ bezeichnet. Trotz des Wirtschaftswachstums nämlich entwickelt Bremen sich zu einer Hochburg prekärer Beschäftigung.

Minijobs, Leiharbeit und Niedriglöhne markierten das Ende der Krise, heißt es bei der Arbeitnehmerkammer. Anders ausgedrückt, bedeutet dies: Das Wachstum kommt bei den klassischen Angestellten vielfach gar nicht an, weil es sie nicht mehr gibt.

Während in Bremen und Bremerhaven durchschnittlich 3,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Leiharbeit ihr Geld verdienten, waren es nach Angaben der Kammer in Hamburg 3,2 und in Thüringen 2,8 Prozent. Am unteren Ende stehen Baden-Württemberg und Schleswig- Holstein mit jeweils 1,5 Prozent. Mehr „atypische Beschäftigung“ bedeutet auch: weniger Sicherheit – eine unsichere Grundlage für Lebens- und Familienplanung, nicht zuletzt auch durch die große Zahl befristeter Stellen. Auch Minijobs und Niedriglöhne haben in Bremen massiv zugenommen, so die Kammer-Fachleute. Eine dauerhafte Beschäftigung von Arbeitnehmern verliere an Bedeutung. Überdurchschnittliches Wachstum und gleichzeitig überdurchschnittlicher Abbau traditioneller Arbeitsplätze – das führe, so Schierenbeck, zu einer Frage: „Wird das Wirtschaftswachstum mit fehlender Sicherheit von Arbeitsplätzen erkauft?“

Denn die Krise im vergangenen Jahr habe gezeigt, dass Leiharbeitnehmer die ersten seien, die entlassen würden. Auch gebe es für sie keine Einbindung in die sozialen Strukturen eines Betriebes. Der Kammer-Hauptgeschäftsführer fordert, dass „die Politik“ auf die „erheblichen Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt“ reagiert. „Sie muss das Ausufern der Leiharbeit und der Minijobs begrenzen und den Mindestlohn gesetzlich einführen.“ So könne zum Beispiel der Einsatz von Leiharbeitern zeitlich begrenzt werden, um zu verhindern, dass Leiharbeit echte Arbeitsplätze ersetzt.

WWW.

arbeitnehmerkammer.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Polizei Bremen schließt Bars und Discos

Polizei Bremen schließt Bars und Discos

Polizei Bremen schließt Bars und Discos
Bremer zeigt sich mit Sturmgewehr: SEK stürmt Wohnung

Bremer zeigt sich mit Sturmgewehr: SEK stürmt Wohnung

Bremer zeigt sich mit Sturmgewehr: SEK stürmt Wohnung
Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte
Bremen boostert: Brill-Impfzentrum in der City öffnet nächste Woche

Bremen boostert: Brill-Impfzentrum in der City öffnet nächste Woche

Bremen boostert: Brill-Impfzentrum in der City öffnet nächste Woche

Kommentare