Historiker Hans-Walter Keweloh widmet sich bei „Wissen um 11“ dem traditionellen Handwerk des Holztransports

Kulturerbe Flößerei

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Der Historiker Hans-Walter Keweloh.

Bremen - Holz ohne Schiff auf dem Wasser zu transportieren, das ist das Handwerk der Flößerei. Egal, ob Rhein, Donau oder Main, die Flöße fuhren durch fast ganz Deutschland. Inzwischen ist der ehemalige Lehrberuf ausgestorben. Geflößt wird nur noch zum Spaß und zum Aufrechterhalten der Tradition, wie der Historiker Hans-Walter Keweloh am Sonnabend in der Reihe „Wissen um 11“ erzählte.

Die Riesen unter den Flößen waren bis zu 360 Meter lang, 38 Meter breit und bis zu sieben Lagen Holz hoch. Bei solch großen Flößen reichte die Besatzung bis an die 500 Mann. Die Flößer verbrachten zum Teil Wochen oder gar Monate auf dem Wasser. Kleine Hütten dienten ihnen als Unterkunft. Zwar gab es auch Kochhütten auf den Flößen, aber keine Waschmöglichkeiten. Für die täglichen Bedürfnisse wurde der Allerwerteste einfach über den Floßrand gehalten. Die Füße der Flößer waren viel im Wasser, da die Holzstämme beim Betreten etwas untertauchen. Das konnte auch ganz schön eisig werden, denn oft fanden die Fahrten bei Schneeschmelze statt. Rheumatische Erkrankungen waren deshalb keine Seltenheit bei Flößern, wie Keweloh weiß. War das Ziel erreicht, mussten die Flößer zu Fuß nach Hause zurück – zum Teil Hunderte von Kilometern, ein harter Job.

Die Eisenbahn und Lastwagen bedeuteten für die Flößerei schließlich das Ende. Die Deutsche Flößerei Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Brauchtum zu pflegen und die Forschung der Flößerei zu unterstützen. Deshalb bewarb sie sich für das erste „Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen Unesco-Kommission“. Als immaterielles Kulturerbe gelten mündlich überlieferte Ausdrucksformen und Traditionen, gesellschaftliche Rituale, Feste sowie Bräuche, darstellende Künste und traditionelle Handwerkstechniken. Der Vorsitzende der Deutschen Flößerei Vereinigung, Hans-Walter Keweloh, erzählte, dass die Bewerbung viel Zeit in Anspruch nahm. Im Frühjahr 2013 gingen die Planungen los. Eine Kurzbeschreibung von 600 Wörtern musste her. Darin musste erklärt werden, warum die Flößerei immaterielles Kulturerbe ist. Zehn Bilder von der Flößerei damals und heute waren ebenfalls erforderlich. Hinzu kamen zwei unabhängige Gutachten. Kurz vor Weihnachten 2014 erhielten Keweloh und seine Vereinigung dann tatsächlich die Anerkennung der Flößerei als immaterielles Kulturerbe.

ag

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