Gegen den Pflegenotstand

„Bremer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus“ gründet sich

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Mehr Personal im Krankenhaus fordert das gleichnamige Bremer Bündnis. Die Initiative von Pflegekräften hat sich gestern der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bremen - Von Ralf Sussek. Es gibt zu wenig Personal im Krankenhaus, und die Mitarbeiter, die das schwächelnde Gesundheitssystem am Laufen halten, sind oft am Ende ihrer Kräfte – oder darüber hinaus.

Die einen halten das für ein Schreckensszenario, die anderen für eine Zustandsbeschreibung. Gegen den Pflegenotstand in Krankenhäusern hat sich jetzt ein Bündnis gegründet.

Das „Bremer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus“ ist – trotz des Namens – keine rein bremische Aktion. Zur Mitarbeit aufgerufen sind alle Pflegekräfte in Krankenhäusern, die sich für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einsetzen wollen. Oder auch andere solidarische Menschen, so ist es auf der Internetseite zu lesen.

Wie Lukas Fuhrmann, selbst examinierter Kranken- und Gesundheitspfleger. Der nun aber – wegen der Arbeitsbedingungen und hoher Belastungen – lieber in Bremen Politikwissenschaften studiert. Und der sich „auf anderem Wege für die Pflege einsetzen“ will als dort tätig zu sein, wie er am Mittwoch sagte. Im Übrigen ist er kein Einzelfall: Jeder Zweite, der mit ihm vor drei Jahren sein Examen ablegte, arbeitet nicht mehr in dem Beruf.

Mehr Attraktivität gefordert

Ariane Müller (v.l.), Roman Fabian und Lukas Fuhrmann stellten gestern das „Bremer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus“ vor.

Mehr Attraktivität für das Berufsbild – das ist eine der Forderungen des Bündnisses. Das kann mehr Geld bedeuten oder früherer Renteneintritt wegen der hohen Belastung. Auf jeden Fall aber insgesamt bessere Arbeitsbedingungen. „Wir müssen uns diese Arbeit machen und die Mindestschichtbesetzung regeln“, sagte zum Beispiel Roman Fabian, Betriebsrat im Krankenhaus Links der Weser (LdW). 

Und: „Das Land muss zu seiner Verantwortung stehen.“ Er beklagt, dass notwendige Investitionen – wie beim Teilersatzneubau in Mitte – den Kliniken aufgebürdet werden. „So werden Gebäude durch einen Stellenabbau gegenfinanziert.“ Hinzu kommt: Die Kliniken der Gesellschaft Gesundheit Nord erfüllen laut Fabian nicht einmal die eigenen Wirtschaftspläne: Stellen sind nicht besetzt, Auszubildende fehlen.

Alle Krankenhäuser erreichen

„Wir wollen alle Krankenhäuser in Bremen erreichen, auch die privaten“, beschrieb Ariane Müller die Suche nach Mitstreitern. Und: „Wir wollen für alle den Vorhang aufziehen“, ergänzte Fabian. Soll heißen: ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen, dass die Pflege im Krankenhaus am Boden liegt und es kein „Weiter so“ geben darf. „Wir müssen jetzt das Ruder herumwerfen“, lautet sein Appell an die Verantwortlichen.

„Auch in den Bremer Krankenhäusern ist die Dauerbelastung der Pflegekräfte unter anderem durch massiven Personalabbau in den vergangenen Jahren unerträglich geworden“, weiß Ariane Müller, die seit 1981 Intensiv-Krankenschwester, zurzeit am Klinikum Mitte. Überlastungsanzeigen „sind Alltag geworden“, sagte Fabian, „die werden nur noch abgeheftet.“

www.mehr-krankenhauspersonal-bremen.de

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