Infokampagne und Jacken-Spende

Zehn Jahre Bremer Nachtwanderer

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Im neuen Outfit vor Bremens „guter Stube“: Lasse Berger (Nachtwanderer Bremen-Nord, v.l.) Ingrid Osterhorn (Nachtwanderer Osterholz), Hans Schüler und Sigrid Rother (beide Nachtwanderer Stuhr). ·

Bremen - Von Ralf Sussek. Seit zehn Jahren engagieren sich die ersten Bremer Nachtwanderer für ein besseres soziales Klima im Bremer Norden. Anlass genug, alle Nachtwanderer-Gruppen in Bremen und Stuhr mit neuen Jacken auszustatten.

Das tat gestern der gemeinnützige Verein „Bremen kommt“. Aus dem ursprünglichen Anliegen, die neue Gruppe im Bremer Westen (Findorff, Walle, Gröpelingen und Oslebshausen) zu unterstützen, machte der einen Rundumschlag im positiven Sinne. Sämtliche Nachtwanderer-Gruppen (Bremen-Nord, Huchting, Osterholz, Bremer Westen und Stuhr) erhalten einheitliche wetterfeste Jacken – insgesamt 100 Stück. Auf Farbe und Design einigten sich die eigenständigen Nachtwanderer-Gruppen vorher. Uwe Gro te vom Polizeirevier Findorff und Mitglied im Präventionsrat, hatte die für die Wasserschutzpolizei konzipierte Jacke eines dänischen Herstellers ausgemacht und zu diesem Kontakt hergestellt. Gestern, zwei Stunden vor der Übergabe, trafen die roten Jacken in Bremen ein.

Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), Schirmherr der Initiative, lobte das ehrenamtliche Engagement der Nachtwanderer. Böhrnsen zeigte sich erfreut über die „positive und begeisternde Entwicklung“ der Idee, die ursprünglich eine Nachbarschaftshilfe im schwedischen Halmstad war. „Bleiben Sie so ansteckend“, wünschte er den gestern anwesenden Mitgliedern der Nachtwanderer-Gruppen im Rathaus.

Die Männer und Frauen der Nachtwanderer sind Freitag- und Sonnabendnacht unterwegs und setzen sich nach dem Prinzip „hinschauen statt wegschauen“ für ein friedlicheres Miteinander im Bremer Nachtleben ein. Sie wollen Ansprechpartner und Ratgeber für Jugendliche sein und so für sichere Nächte aller Nachtschwärmer sorgen. In kritischen Situationen oder bei Konflikten soll die Präsenz der Nachtwanderer deeskalierend wirken und so Streitigkeiten schlichten.

„Den erhobenen Zeigefinger kennen wir nicht“, sagte Ulla Ulland. „Als in Paris 2005 die Autos brannten, ging das auch in Huchting los“, beschrieb sie die dortigen Anfänge, „wir sind seitdem auf der Straße.“ Regelmäßig holen sie auch Jugendliche vom Bremer Hauptbahnhof ab und begleiten sie nach Huchting. „Die Jugendlichen kommen auf uns zu und kennen uns zum Teil mit Namen; die finden toll, dass wir nachts auf der Straße sind und immer zuhören.“

Ein erfolgreiches Projekt also – das dennoch Verstärkung braucht. Die Bremer Straßenbahn AG wirbt in den nächsten Wochen mit Flyern für eine ehrenamtliche Mitarbeit bei den Nachtwanderern. „Die BSAG hat uns von Anfang unterstützt“, lobte Lasse Berger, Nachtwanderer der ersten Stunde. Der gebürtige Schwede brachte die Idee aus seiner Heimat mit. „Nicht wir haben die Nachtwanderer unterstützt, sondern sie uns“, widersprach BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer. „Das funktioniert klasse – es herrscht immer eine super Atmosphäre, wenn die Nachtwanderer auftauchen“, gab er das Lob zurück.

http://www.nachtwanderer.net

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