„Himmelsschaukel“ in der Liebfrauenkirche

Momente der Schwerelosigkeit

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Pastor Stephan Kreutz und Bremens Reformationsbotschafterin Maria Esfandiari hinter und auf der Himmelsschaukel.

Bremen - Von Jörg Esser. Dem Himmel entgegen geht es einen Sommermonat lang im Reformationsjubiläumsjahr in Bremen. In der Innenstadtkirche Unser Lieben Frauen hängt im Chorraum hinter dem Altar eine „Himmelsschaukel“ an 14 Meter langen Seilen. Wer mag, kann im Juli hier seine Seele baumeln lassen – Schaukelzeit ist täglich von 11 bis 17  Uhr. Nur bei Gottesdiensten und Trauungen steht die Schaukel still.

Besucher der Kirche sollen spüren, wie sie „nahezu schwerelos schwingen, gehalten und geborgen wie in Abrahams Schoß“, sagt Stephan Kreutz, Pastor an der Liebfrauenkirche. Der 55-Jährige hat das Projekt „Himmelsschaukel“ ins Leben gerufen. Kreutz sagt: „Die Kirche der Reformation ist eine Kirche des Wortes. Aber sie hat durchaus auch eine Tradition, andere Sinne anzusprechen.“ Das Gotteshaus will Geborgenheit geben –  und diese soll mit allen Sinnen erfahrbar gemacht werden.

Das Auf und Ab der Schaukel - ein Symbol für das Leben

Die Schaukel schenke in dem hohen Raum der Kirche für einen Moment ein Gefühl der Schwerelosigkeit. „Im übertragenen Sinne heißt das auch: Für einen Moment werde ich das Schwere los“, sagt Kreutz, „ich kann es hinter mir lassen und werde wie auf Schwingen ein wenig dem Himmel entgegengetragen.“ Und das sei doch ein großartiges Erlebnis, sagt der Pastor und gibt Maria Esfandiari Anschwung. Bremens Reformationsbotschafterin schaukelt an diesem Vormittag für Fotografen und Kamerateams. Die Schaukel sei doch ein tolles Symbol dafür, dass es im Leben auf und ab gehe, sagt die 24-Jährige: „Ich kann pendeln oder so weit ausholen, wie ich mag und muss mich selbst bewegen, so wie ich im Leben ja auch immer selbst Verantwortung übernehmen muss.“ Esfandiari verbindet auch eine reformatorische Botschaft mit der Schaukel: „Kein Mensch kann mir den Zugang zum Himmelreich verschaffen oder verweigern, egal wie es im Leben kommt. In der befreienden Liebe Gottes bin ich aufgehoben.“

Das Schaukeln wird in der Liebfrauenkirche womöglich zum spirituellen Erlebnis. Zwei Minuten Schaukelzeit werden pro Kopf und pro Aktion eingeräumt, sagt Kreutz. Eine Sanduhr stoppt die Zeit. Die „Himmelsschaukel“ ist TÜV-geprüft und für Kinder und Erwachsene geeignet. Im Chorraum liegt ein Gästebuch aus, in dem die Besucher ihre Eindrücke notieren können. Twittern geht natürlich auch – unter #Himmelsschaukel2017.

Die Kirche Unser Lieben Frauen ist nach dem St.-Petri-Dom der älteste Sakralbau Bremens und die erste reine Gemeindekirche der Stadt. Bis zur Errichtung des benachbarten Rathauses diente sie den Ratsherren als Versammlungsraum.

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