Hilfe für die Pumpe

Beim Herztag im Stadionbad dreht sich alles um Rettung und Prävention

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Bei der Herzdruckmassage legt sich Murat Güven aus Bremen kräftig ins Zeug. Tineke Wettwer ist zufrieden.

Bremen - Zwei Oberkörper aus Kunststoff liegen bereit auf dem Boden. Murat Güven (43) macht sich bereit, eine Herzmassage zu proben. Tineke Wettwer, wissenschaftliche Hilfskraft bei der Stiftung „Bremer Herzen“, erklärt alles. Das Herz ist das große Thema beim zweiten Herztag im Stadionbad, veranstaltet von den Bremer Bädern, der Stiftung und dem Reha-Zentrum Bremen.

Zuerst den Kopf überstrecken. „Bei Bewusstlosen erschlafft die Zunge und fällt nach hinten“, sagt Wettwer. Sie kann dann die Luftröhre blockieren. „Wenn die Person nicht mehr atmet, dann hat sie auch keinen Puls mehr. Wir hören, ob sie atmet, wir sehen, ob der Brustkorb sich hebt, und wir können den Atem auch spüren“, sagt Wettwer. Keine Atmung. Jetzt wäre im Ernstfall der Notruf 112 dran. Zeit für die Herzdruckmassage. Güven ist sicher und drückt ordentlich. 100-mal soll er das pro Minute tun. „Den Takt findet man bei dem Lied ,Atemlos‘“, sagt Wettwer. Altbekannte, vom Takt geeignete und vom Titel passende Varianten sind „Stayin’ alive“ von den Bee Gees und „Highway to hell“ von AC/DC. „Das war eine gute Auffrischung meines Wissens“, sagt Güven nach der Übung.

Leistungssportler Werner Knobloch (78) ist überrascht, als er hört, dass zur Not auch Rippen brechen dürfen. Er meistert die Übung ebenfalls mit Bravour und ist auch nicht aus der Puste. Er habe am Vortag noch zweieinhalb Stunden lang Tennis gespielt, erzählt er. Er geht zu einer Beratung und einem Quiz zum Thema gesunde Ernährung. In einer Gruppe mit drei weiteren Senioren erfährt er von den versteckten Gesundheitsfallen. Nicht weniger als 25 Gramm Fett stecken in einem Croissant, 3,4 Gramm in einem Vollkornbrötchen. Knobloch tippt gut: Zwölf Würfel Zucker stecken in einer Cola-Dose. Eine Überraschung lauert in einem halben Liter Frucht-Buttermilch: 22 Würfel Zucker.

Am Stand des Reha-Zentrums geht es um Sturz- und Unfallprävention. Helfen soll Gleichgewichtstraining. Auf einem Bein zu balancieren, ist eh nicht jedermanns Sache. Noch etwas schwieriger wird es mit der Slashpipe, einem PVC-Rohr, gefüllt mit Flüssigkeit, die munter hin und her schwappt. Sportwissenschaftler Robin Neumann (35) hat ein ganzes Set von Übungsgeräten dabei, darunter den halbrunden Togu-Jumper. Er gibt in alle Richtungen nach. Knobloch stellt sich drauf und balanciert. Ein leichtes Zittern geht durch seinen Körper. Neumann schaut hin: „Ich sehe die Stabilisatoren arbeiten.“ Dabei handelt es sich um Muskeln, die Gelenke stabilisieren, erklärt er. „Das sind tiefliegende Muskeln, zum Beispiel an der Wirbelsäule“, sagt Neumann. Für deren Training böten sich Übungen zur Sensomotorik an.

Schließlich bekommt Knobloch Befreiungsgriffe gezeigt, mit denen er sich aus der Umklammerung Ertrinkender retten kann, um diese dann abzuschleppen. „Das war alles interessant. Ich werde mir einen Togu-Jumper holen, um meine Tiefenmuskulatur zu trainieren“, sagt er.

„Bremer Herzen“

Die gemeinnützige Stiftung „Bremer Herzen“ widmet sich seit der Gründung 2010 der Verhinderung von Herzinfarkten und der Verbesserung der Versorgung von Patienten mit Herz- und Kreislaufkrankheiten in Bremen und Umgebung. Das stiftungseigene Institut für Herz- und Kreislaufforschung führt eigene und externe Studien durch. Durch Öffentlichkeitsarbeit informiert die Stiftung über Risiken. Infos im Internet auf www.bremer-herzen.de

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