Für drei Millionen Euro vor

Rot-Kreuz-Krankenhaus stellt neues „Herzstück“ vor

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Dr. Carsten Brummerloh, Chefarzt der Klinik für Anästhesie (v.l.), Dr. Frank Marquardt, Chefarzt für Gefäßmedizin, Dr. Walter Klingelhöfer, kaufmännischer Geschäftsführer, und OP-Techniker Sascha Schwarze sind stolz auf den neuen Hybrid-OP im RKK.

Bremen - Von Steffen Koller. Technik, die Leben rettet: Das Rot-Kreuz-Krankenhaus (RKK) in der Bremer Neustadt hat am Donnerstag seinen neuen Hybrid-Operationssaal vorgestellt, mit dem es in Zukunft möglich sein soll, auch Schwerstkranke durch minimalinvasive Eingriffe so schonend wie möglich zu behandeln.

Geschäftsführung und Ärzte zeigten sich mächtig stolz auf das „Herzstück des Zentral-OPs“, das mit Kosten von rund drei Millionen Euro verbunden ist.

Kernelement des 66  Quadratmeter großen Saals ist eine roboterbasierte Angiografie-Anlage, die es den Ärzten während einer Operation ermöglicht, detaillierte Darstellungen von Blutgefäßen zu machen. Mussten Patienten vor einer OP oft zu verschiedenen bildgebenden Verfahren wie Computertomografie, Röntgen oder Ultraschallkönnen diese Untersuchungen alle im neuen Saal durchgeführt werden – und das während einer laufenden Operation.

„Mit großem Stolz“ präsentierte Dr. Walter Klingelhöfer, kaufmännischer Geschäftsführer des RKK, deshalb auch die neue Technik, die das Krankenhaus etwa drei Millionen Euro und eine Planungsphase von rund einem Jahr gekostet hat. „Das war richtig teuer“, so Klingelhöfer, „aber es bringt uns auch richtig nach vorne.“

Verschiedene Anwendungsbereiche

Doch nicht nur bei Gefäßoperationen, auch bei der Behandlung von Tumoren, in der Unfallchirurgie oder bei orthopädischen Eingriffenspeziell im Becken-, Knie-, Wirbelsäulen und Fußgelenksbereich könne die Technik angewandt werden, sagte Dr. Frank Marquardt, Chefarzt der Klinik für Gefäßmedizin. 

Zudem bringe der neue Hybrid-OP weitere Vorteile mit sich: „Die neue Anlage arbeitet mit wesentlich weniger Strahlung und ist schneller. Zudem sind alle Flächen antimikrobiell beschichtet, Keime haben es richtig schwer“, so Marquardt. So würde nicht nur der Patient schneller genesen, auch die Strahlenbelastung für Mitarbeiter sei wesentlich geringer. Zudem sei bei Komplikationen während einer OP eine Verlegung des Patienten nun nicht mehr notwendig.

Mittels Joystick justierbar

Die neue Angiografie-Anlage lässt sich mittels eines Joysticks in alle Richtungen rotieren und liefert innerhalb kürzester Zeit auch 3D-Bilder auf den im OP-Saal befindlichen Monitor. „Wir können innerhalb weniger Sekunden den Patienten von Hacken bis Nacken untersuchen“, sagte medizinisch-technischer Radiologieassistent Sascha Schwarze. Besonders wichtig sei diese Neuerung bei Notfallpatienten, die nun nicht mehr aufgrund von diagnostischen Maßnahmen unnötig von Untersuchung zu Untersuchung gebracht werden müssten, ergänzte Klingelhöfer. In vielen Fällen könne dies nun direkt im Hybrid-OP durchgeführt werden.

„Gerade Ältere und Patienten mit Mehrfacherkrankungen profitieren hiervon.“ Auch für Patienten, die aufgrund ihrer Körperfülle bisher nicht mit der verfügbaren medizinischen Geräteausstattung operiert werden konnten, sei der Hybrid-OP geeignet. So sei der Roboterarm mit der Röntgenanlage außerhalb des OP-Tisches und nicht wie früher an der Decke installiert. 

Der Arzt kann den Bogen der Röntgenanlage mit einem Durchmesser von knapp einem Meter per Joystick flexibel und präzise für jeden Patienten und für jede Körperregion über dem Operationsfeld einsetzen, ohne dass der Patient umgelagert werden muss. Der OP-Tisch ist fast beliebig elektronisch kippbar und auf ein maximales Patientengewicht von bis zu 280 Kilogramm ausgelegt.

Weltweit arbeiten nach Herstellerangaben bislang nur drei weitere Kliniken mit dieser Technik – eine in Marburg, eine in Gießen sowie ein Krankenhaus in Japan.

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