„Blackout Technologies“ schreibt Persönlichkeitsprofile für Roboter

Start-up-Technik aus Bremen: Hightech mit Kulleraugen

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Das Persönlichkeitsprofil „Bobby“ lässt die Roboterdame „Pepper“ eine Pose für Selfies machen. Dahinter: Marc Fiedler, einer der Gründer von „Blackout Technologies“.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Nicht nur Menschen haben unterschiedliche Charaktere. Auch Roboter – dank „Blackout Technologies“. Das junge Bremer Start-Up schreibt Persönlichkeitsprofile für Roboter. Vier Männer und zwei Frauen arbeiten in dem Unternehmen an der Hermann-Köhl-Straße 7 in der Airportstadt (Neustadt).

Gesteuert vom Persönlichkeitsprofil „Bobby“, wirkt die in Frankreich gebaute Roboterdame „Pepper“ oft niedlich. Immer wieder hebt sie den Kopf und schaut mit ihren künstlichen Kulleraugen die Menschen an. Wenn jemand vor ihr steht und sie ansieht, richtet sie ihren Kopf aus. Die Farbe der Augen wechselt von einem hellen Blau auf Weiß. Jetzt schaut sie zurück. Ingenieur Marc Fiedler (31), der zusammen mit Gheorghe Lisca (31) vor knapp einem Jahr „Blackout Technologies“ gründete, hebt seine Hand und streichelt der Roboterdame über den Kopf. Die reagiert freundlich: „Ich mag es, gestreichelt zu werden.“

Das Persönlichkeitsprofil „Bobby“ wurde von der Bremer Firma für einen großen Konzern geschrieben. Mit Hilfe des Programms beantworten Roboter Standardfragen von Job-Interessenten auf Messen. „Das machen sie 20 000-mal am Tag und sind am Schluss immer noch so freundlich wie am Anfang“, sagt Fiedler.

Europaweit ohne Konkurrenz

Lernende, menschlich wirkende Persönlichkeiten für Roboter außerhalb der Industrie: Mit seinen Produkten habe das Bremer Unternehmen keine Konkurrenz in ganz Europa, so der Firmengründer. So habe man Kontakt auch mit den ganz großen Firmen. „Unsere Roboter-Persönlichkeiten richten sich an Leute, die erstmals mit Robotern interagieren. Die wollen sie erkunden“, sagt die Ökonomin Lisa Fischer (28). Aus diesem Grund bieten die Roboter-Persönlichkeiten auch einige Spiele an. Fiedler drückt auf ein Display an der Brust von „Pepper“. Die Roboterdame startet das Spiel „Gedankenlesen“ und verlangt vom Besucher, dass er sich eine Persönlichkeit ausdenkt. Sie beginnt zu fragen. Als Antworten sind „Ja“, „Nein“, „Wahrscheinlich“ und „Wahrscheinlich nicht“ möglich. Kommt die Maschine auf den verstorbenen Schauspieler Bud Spencer, den sich der Besucher ausgedacht hat?

„Ist die Person ein Mann?“, fragt „Pepper“. „Ja.“ „Wurde sie in Deutschland geboren?“ „Nein.“ „Ist die Person real?“

Der Besucher denkt nach, immerhin war Bud Spencer eine echte Person, entscheidet sich aber für: „Nein!“ „Ist die Person ein Manga?“ „Nein.“ „Hat die Person übernatürliche Kräfte?“ „Nein.“

Der Roboter gibt nach einer Reihe weiterer Fragen auf. Mit Bud Spencer hat es nicht geklappt. Vielleicht war die Antwort des Besuchers auch falsch und „Pepper“ sieht Bud Spencer als reale Person, war er schließlich auch. Oder schreibt sie ihm doch übernatürliche Fähigkeiten zu? Eine andere Übung kann „Pepper“ in Sekunden. Sie bietet verschiedene Posen an, für Leute, die mit ihr ein Selfie machen wollen.

Roboter sind immer online

Ein kleiner Roboter vom Typ „Nao“ kann dank der Persönlichkeit „Pluto“ Tai-Chi. Er spielt eine asiatische Musik, neigt sich zur Seite und streckt seine Arme und Beine in alle möglichen Richtungen. „Das Programm zeigt, wie beweglich die Roboter sind“, sagt Fiedler. Die Roboter beziehungsweise ihre Persönlichkeiten sehen sich als Geschwister: „Obwohl er so klein ist, hat er ein ganz schön großes Ego“, sagt „Bobby“ über „Pluto“.

Die Roboter müssen immer online sein. Sie brauchen Internet-Dienste, die ihnen helfen, Dialoge mit Menschen zu führen und weitere Informationen liefern. Sie verhalten sich proaktiv. Das bedeutet, sie winken auch mal unaufgefordert oder sprechen Menschen an.

„Nach einiger Zeit wird den Persönlichkeiten langweilig. Dann tun sie etwas, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen“, sagt Fiedler. Die Persönlichkeiten lernen, womit sie Erfolg haben. „Die Persönlichkeiten sind natürlich für Einsatzzwecke geschrieben. So eine Persönlichkeit wäre auch gut geeignet, um Demente zu animieren“, sagt Fischer. Roboter würden bereits Patienten bei physiotherapeutischen Übungen begleiten und Fehler korrigieren. „Bobby“ fährt über Messen, spricht Leute an und holt sie an Stände.

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