Mit dem Geomagnetik-Quad über die Felder

Hightech für archäologische Blicke unter die Bremer Erde

Am Geomagnetikmessgerät: Grabungstechniker Jens Lühmann und Victoria Collins haben alles im Blick.
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Am Geomagnetikmessgerät: Grabungstechniker Jens Lühmann und Victoria Collins haben alles im Blick.

Bremen – Bevor Gewerbeflächen in der Mahndorfer Marsch aufbereitet werden, werfen die Bremer Landesarchäologie und das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK) in Wilhelmshaven einen Blick unter die Erde. Dabei hilft Hightech: Ein Geomagnetikmessgerät wird von einem Quad über die Felder gezogen.

Das Gerät kommt aus Wilhelmshaven. In dem Quad sitzen Grabungstechniker Jens Lühmann und Victoria Collins, die am Institut ein Freiwilliges Jahr macht. Sie sehen die Aufnahmen auf dem Bildschirm. Graue Bilder. Manche Bereiche sind glatt. Anderswo sind Konturen zu sehen. Eine Vielzahl von Flussläufen lange vergangener Zeiten zeichnet sich ab. „An anderen Stellen lassen sich Bombenkrater erahnen, die mit Schutt gefüllt wurden“, sagt Lühmann. Die Zeitalter überlagern sich. Mit dem Geomagnetikmessgerät auf dem Anhänger lassen sich etwa zehn Hektar pro Tag messen, sagt Lühmann. Elf Messsonden im Abstand von 25 Zentimetern sind angebracht. Das Gerät ist per Satellit mit GPS verbunden, so dass gleich Karten erstellt werden können, sagt Collins. Die Aufnahmen geben Hinweise, wo sich eine nähere Untersuchung lohnen könnte. Die Erkenntnisse sind spannend. Ursprünglich war das Gebiet eine Flusstal-Landschaft. Immer wieder haben die Flüsse sich neue Wege gesucht, sagt Imke Brandt, wissenschaftliche Mitarbeiterin am NIhK. „Es gab hier ein stärker verzweigtes Flusssystem als angenommen.“ Es habe sogar mal einen 30 Meter breiten und fünf Meter tiefen Fluss gegeben, sagt Uta Halle, Leiterin der Landesarchäologie Bremen. Wo der hergekommen sei, ist noch unklar.

Hightech für Archäologie:
Zentnerweise Keramik

„Das Gebiet war wahrscheinlich deutlich stärker besiedelt, als es der Eindruck heute erwarten lässt“, so Halle weiter. Besiedlung habe es hier vermutlich von etwa 200 vor Christus bis einige Jahrhunderte nach Christus gegeben. Halle berichtet von einer großen Untersuchung in den 1930er Jahren, bei der in der Nähe 400 Gräber aus der Zeit von 400 bis 800 nach Christus gefunden wurden. Ebenfalls ein interessanter Fund wurde 2003 nahe der benachbarten Mahndorfer Galopp-Trainingsanlage gemacht. „Wir haben dort zentnerweise Keramik gefunden“, sagt Halle. Sie vermutet dort eine ehemalige Produktionsstätte.

Hightech für Archäologie:
Kosten trägt die Wirtschaftsförderung

Eine Grabungsstelle ist ausgehoben. Auch dort wurden Keramikfunde gemacht, unter anderem ein Teil eines römischen Bronzegefäßes. „Die Leute waren nicht ohne Kontakt zum Römischen Reich“, sagt Halle. Möglicherweise sei der Kontakt auf dem Flussweg gemacht worden. In der Grabungsstelle gab es noch einen anderen Fund: eine Pfeilspitze aus der Steinzeit, ungefähr von 1500 vor Christus. Auf der Grabungsstelle ist auch erkennbar, wo Pfähle von Gebäuden standen. Das ist an Verfärbungen im Erdreich zu erkennen. Die Kosten für die archäologische Betreuung der zukünftigen Gewerbeflächen an der Hansalinie trägt die Wirtschaftsförderung Bremen.

Von Martin Kowalewski

Weite Landschaft: Der Blick auf ein Ausgrabungsfeld in der Mahndorfer Marsch.
Fund: eine Pfeilspitze aus der Steinzeit.

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