Highspeed in der Stadt: Straßenrennen mit Todesfolge

Der rücksichtslose Tritt aufs Gaspedal

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Blumen und Kerzen an der Unfallstelle in Lüssum.

Bremen - Auf deutschen Straßen wird schnell, oft viel zu schnell gefahren. 100 oder 150 Stundenkilometer in geschlossener Ortschaft – die Polizeiarchive sind voll von derartigen Negativ-Rekorden. Sitzen dann noch Möchtegern-Rennfahrer hinterm Steuer, die sich mit Gleichgesinnten messen wollen, kann es lebensgefährlich werden, auch und gerade für völlig Unbeteiligte. Bielefeld, Köln und jetzt auch Bremen sind traurige Beispiele dafür.

„Das ist eine organisierte Form“, sagt der Frankfurter Verkehrssoziologe Alfred Fuhr, der die Szene der illegalen Straßenrennen eine Weile aus der Nähe beobachtete. Was sind das für Menschen, die oft ohne Rücksicht auf Verluste aufs Gas drücken? „Man hat es nicht mit Asozialen zu tun, sondern mit Spezialisten, die eine gewisse Begeisterung haben für Autos und Motoren, aber auch für das Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei und den Ordnungskräften“, versucht Fuhr eine Erklärung.

Illegales Autorennen: 52-Jährige Frau stirbt in Bremen

Köln hat da einen traurigen Ruf. Drei Unbeteiligte sind in den vergangenen Monaten in der Stadt am Rhein durch illegale Autorennen ums Leben gekommen – das ist beispiellos in Deutschland. Auch Osnabrück war viele Jahre lang Treffpunkt für junge Autotuner und Schauplatz illegaler Autorennen. „Bremen hatte bislang keine Szene für illegale Rennen. Das Phänomen gibt es hier eigentlich nicht“, sagt die Sprecherin des Innensenators, Rose Gerdts-Schiffler. „Ob es (doch) eine gibt, das müssen die Ermittlungen zeigen.“ Die konzentrieren sich im Moment auf den tragischen Unfall in der Nacht zu Sonntag. Wie berichtet, lieferten sich in Lüssum zwei Raser auf der Schwaneweder Straße ein Rennen. Sie sollen mit gut 70 km/h statt 50 erst hintereinander, später mit um die 90 km/h nebeneinander gefahren sein. Zeugenaussagen zufolge ignorierten sie die verzweifelten Lichthupensignale einer 52-Jährigen, die ihnen mit ihrem Auto entgegenkam. Die Frau wich aus, geriet an den Bordstein, prallte gegen einen Baum, der dadurch gefällt wurde, und landete schließlich am Betonpfeiler einer Laterne. Die Frau starb noch am Unfallort. Ihr Beifahrer (51) wurde leicht verletzt.

52-Jährige stirbt bei Unfall

Die Bremer Polizei fahndet unter Hochdruck nach den beiden Rasern, die bei dem Rennen eine unbeteiligte Frau in den Tod gerissen haben. Es seien zahlreiche Hinweise eingegangen, sagte gestern Polizeisprecherin Franka Haedke: „Das ist schon dramatisch. Die sind offensichtlich unbeirrt weitergefahren.“ Ermittelt wird unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Unfallflucht. Erschwert wird die Arbeit der Polizei dadurch, dass am Unfallort weder Lackreste noch Glassplitter gefunden wurden, die eine Identifizierung der Fahrzeuge erleichtern könnten. Eines der flüchtigen Fahrzeuge wird als „bläulich“ beschrieben, das andere soll ein älteres Auto mit einer „speziell schimmernden grünen Farbe“ sein. Gesucht wird außerdem ein silberfarbener Jaguar. Der Fahrer soll die Unfallstelle in Richtung Schwanewede passiert haben – ohne anzuhalten, ohne Erste Hilfe zu leisten und ohne die Polizei zu verständigen.

dpa/gn

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