Schalter für 3700 Haushalte umgelegt

Gasumstellung: „High“ statt „Low“

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Premiere für H-Gas: SWB-Vorstand Timo Poppe (links) und Wesernetz-Geschäftsführer Andreas Fröstl haben am Dienstag die Gasumstellung für Mahndorf gestartet.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Es ist so weit: Wesernetz hat den Schalter umgelegt. Jetzt heißt es für die ersten Bremer Haushalte: „High“ statt „Low“. Erstmals leitet die SWB-Tochter (früher Stadtwerke) H-Gas statt L-Gas ins Bremer Erdgasnetz ein. Bis voraussichtlich 2021 werden alle 170.000 betroffenen Haushalte im Land Bremen darauf umgestellt.

Die Gasübernahmestation befindet sich allerdings nicht auf Bremer Gebiet, sondern bei den Nachbarn im niedersächsischen Achim-Uphusen. Und da gaben SWB-Vorstand Timo Poppe und Wesernetz-Geschäftsführer Andreas Fröstl am Dienstag den Weg für den Wechsel frei.

Das H-Gas (high/hoch) löst das energieärmere L-Gas (low/niedrig) ab. 3700 Haushalte mit knapp 4000 Geräten in Mahndorf nutzen nun H-Gas. „Wir sind die erste große Netzgesellschaft in Deutschland, die diesen extrem komplexen Umstellprozess durchführt“, sagte Poppe. Unterbrechungen sind allerdings nicht ausgeschlossen, räumte er ein. Sobald das erste H-Gas die Haushalte in Mahndorf erreicht, könnten einige der insgesamt 4000 Verbrauchsgeräte in einen Störungsmodus fallen. 

„Bei fast 20.000 verschiedenen Baumustern und Anlagentypen kann eine Versorgungsunterbrechung in einzelnen Häusern nicht ganz ausgeschlossen werden“, sagte Wesernetz-Chef Fröstl. Geräte in 1700 Haushalten sind laut SWB bereits angepasst, bei 2000 sei das erst jetzt möglich. Geschehen soll das in den nächsten drei Wochen. Ohne warmes Wasser müsse derweil niemand auskommen, die Geräte seien H-Gas-fähig. Bei Problem helfe der Entstörungsdienst (Kontakt: 0800/359-4040).

Vorbereitungen seit Mai 2015

Wie berichtet, hat die SWB-Tochter im Mai 2015 mit den Vorbereitungen zur Gasumstellung begonnen. Bremen ist laut SWB-Vorstandschef Torsten Köhne bundesweit Vorreiter beim „Mammutprojekt“. Der Energieversorger hofft, das Know-how weiterverkaufen zu können. Deutschlandweit soll etwa bis 2027 H- statt L-Gas durch die Leitungen fließen.

Für die Umstellung müssen sämtliche Gasverbrauchsgeräte in allen 170.000 Haushalten im Land Bremen einzeln erfasst, überprüft und technisch angepasst werden. Hinzu kommen rund 19.000 Erdgas-Hausanschlüsse in Stuhr/Weyhe/Thedinghausen (Umstellung 2018/2020) und 20.000 in Bremerhaven (2020/2021).

Notwendig wird die Umstellung, weil Holland die Erdgasförderung aufgrund kleinerer Erdbeben stark drosselt. Daher wird bundesweit auf das energiereichere H-Gas aus Norwegen und Russland umgestellt. Es hat einen höheren Brennwert, weshalb die Endgeräte entsprechend ausgerüstet werden müssen. Die Hälfte des Erdgases wird später aus Russland kommen (jetzt 38 Prozent). Die Kosten für die Umstellung trägt die Bundesnetzagentur, die sie letztlich auf alle Gaskunden umlegt.

Umstellung in der Regel kostenlos für Kunden

Die jetzt betroffenen Kunden kostet die Prozedur im Prinzip nichts, es sein denn, ihre Heizung ist nicht umrüstbar. Dann ist eine neue fällig, was ins Geld geht. Wesernetz rechnet mit 2000 bis 3500 Geräten, die sich nicht umstellen lassen. Und dann droht Ungemach für alle Seiten. Denn einige Eigentümer oder Mieter lassen die Techniker schlicht nicht in die Wohnung. Konsequenz: Wesernetz erzwingt sich den Zutritt mit Unterstützung eines Gerichtsvollziehers, wie SWB-Sprecher Alexander Jewtuschenko sagte. Gelingt das auch nicht, wird der Kunde aus Sicherheitsgründen abgeklemmt. In drei Fällen wurde die Leitung in Mahndorf von außen abgetrennt, einmal musste das mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers von innen geschehen, so der Sprecher.

Und so geht es weiter: Am 15. August sollen 4000 Haushalte in Osterholz umgestellt werden, am 10. Oktober 5000 in Hemelingen/Vahr.

www.gasumstellung.de

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