Praxisnahe Workshops

Symposium Intensivmedizin und Intensivpflege: Hier üben Profis

Eine wichtige Fertigkeit zum Beatmen von Patienten und auch, um in die Lunge zu schauen: Der Arzt hat eine Fiberoptik in die Nase eines künstlichen Kopfes geschoben. Foto: KOWALEWSKI
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Eine wichtige Fertigkeit zum Beatmen von Patienten und auch, um in die Lunge zu schauen: Der Arzt hat eine Fiberoptik in die Nase eines künstlichen Kopfes geschoben. 

Bremen - Ein Arzt steht konzentriert vor einem künstlichen Kopf. Der 27-Jährige ist Arzt in den Bereichen Intensivmedizin und Anästhesie an der Klinik Lilienthal. Beim 30. Bremer Symposium für Intensivmedizin und Intensivpflege übt er in einem Workshop die Intubation mit der sogenannten Fiber-Optik. Intubationen sind nötig, um Patienten zu beatmen, etwa bei Operationen. Das Symposium in der Messe Bremen und dem Congress Centrum wurde am Mittwoch eröffnet. Es dauert bis Freitag. Rund 5 000 Mediziner, Pflegekräfte und Mitarbeiter von Krankenhausverwaltungen nehmen daran teil.

Der junge Mediziner schiebt eine Fiberoptik, einen Schlauch mit einer Leuchte am Ende, durch die Nase des „Kopfes“. Auf einem Bildschirm nebenan ist die Luftröhre von innen zu sehen. Mit einer Taste lässt sich die Fiberoptik vorne bewegen, so dass sie ihren Weg findet. Oben an der Fiberoptik befindet sich der Tubus, der zur Beatmung nachgeschoben wird. Einige Fransen hängen an der Seite. Sie stellen die Stimmbänder dar. Bei einem Patienten wäre zumindest eine örtliche Betäubung notwendig, damit das erträglich sei, sagt der 27-Jährige.

Ales Stanek, Chefarzt im Josef-Hospital Delmenhorst und unter anderem Anästhesist, unterrichtet in dem Workshop. „Es geht um Patienten, die den Mund schwer aufbekommen. Da zählt jede Sekunde, jeder Handgriff ist wichtig“, sagt er. Solche Probleme können zum Beispiel durch Abszesse am Mund verursacht werden.

Reanimationspuppen liegen auf dem Boden. Mehrere Gruppen üben. Vier Frauen führen eine Herzmassage durch, rufen sich Kommandos zu. Das ist kein normaler Erste-Hilfe-Kursus, sondern ein Workshop zur professionellen Reanimation. Bei den Teilnehmerinnen handelt es sich um medizinisches Fachpersonal, zum Großteil Pflegekräfte. Sie üben Reanimation im Team.

Hilfe für Patienten, die sich nicht bewegen können: Thomas Hoffmann stellt den Reha- und Mobilisationsrollstuhl „Thekla“ vor. 

Ina Eberhardt (42), Notoberärztin an der Uni-Klinik Göttingen, hat zuvor erzählt, was passiert ist. Der Patient hatte vor drei Tagen einen schweren Verkehrsunfall, war zunächst stabil und atmet nun schwer. Der zuständige Arzt ist nicht da. Der Hämoglobinwert ist niedrig, ein Hinweis auf eine Blutung. Eine wichtige Info scheint verlorengegangen zu sein. Der „Patient“ hat Kammerflimmern. Das Herz macht extrem schnelle Kontraktionen, kann aber kein Blut mehr pumpen. Die fehlende Info, sie hat mit der Struktur des willkürlich zusammengesetzten Teams zu tun. Die Teamleiterin hatte es überhört. „Oft trauen sich die anderen im Team in solchen Situationen dann nicht, etwas zu sagen. Auch bei Ärzten trauen sich die Pflegekräfte das oft nicht“, sagt Eberhardt nach der Übung. Angedeutet, wird der Defibrillator eingesetzt. Nach einiger Zeit und mit etwas Hilfe bekommt das Team heraus, was der „Patient“ hat: eine akute Milzblutung und einen Schock aufgrund des mangelnden Blutvolumens.

Zahlreiche Aussteller sind auf dem Symposium vertreten. Die Firma Hanse Medizintechnik aus Ratekau in Schleswig-Holstein zeigt unter anderem den Reha- und Mobilisationsrollstuhl „Thekla“. Eine große Erleichterung für Patienten, die sich nicht selber bewegen können, weil sie zum Beispiel im Koma liegen. Auf „Thekla“ können sie liegen. Und elektrische Motoren bringen sie in Sitzposition und auch in Stehposition, wofür natürlich Halteriemen benötigt werden.

„Thekla“ ist stabil und auch für adipöse Menschen bis 250 Kilo geeignet. „Patienten, die binnen 48 Stunden mobilisiert werden, kommen ein bis drei Tage schneller aus dem Krankenhaus“, sagt Standleiter Thomas Hoffmann. „Durch die Bewegung macht es im Kopf klick. Die Psyche sagt, ich bin aus dem Bett und nicht mehr krank.“

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