Haus der Bürgerschaft für elf Millionen Euro saniert

Bremer „Herz der Demokratie“ schlägt mit neuer Technik

Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff am Präsidententisch im Plenarsaal. Im Januar tagt die Bürgerschaft allerdings vorsichtshalber noch einmal in der Stadthalle – dort gibt es deutlich mehr Möglichkeiten, Abstand zu halten.
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Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff am Präsidententisch im Plenarsaal. Im Januar tagt die Bürgerschaft allerdings vorsichtshalber noch einmal in der Stadthalle – dort gibt es deutlich mehr Möglichkeiten, Abstand zu halten.

Licht, Technik, Sicherheit: Bremens Haus der Bürgerschaft ist gründlich saniert worden. Offen ist nur noch, wann die Parlamentarier dort wieder tagen.

  • Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff bekommt Schlüssel zurück.
  • Haus der Bürgerschaft: Viele Veränderungen im Verborgenen.
  • Beleuchtung wie in den 60ern - nur mit moderner LED-Technik.

Bremen - „Die Uhr steht.“ Von einem Moment auf den anderen fällt es Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff auf – mitten im Trubel. Die Uhr mag stehen, ansonsten aber ist nämlich sehr viel Bewegung im Haus der Bürgerschaft. Das Parlament zieht wieder ein! Das Landtagsgebäude ist in den vergangenen 18 Monaten unter der Leitung von Immobilien Bremen saniert worden. Am Freitag hat Imhoff den Schlüssel zurückbekommen – ein symbolischer Akt.

Und ein buchstäblich aufschlussreiches Erlebnis. Auf den ersten Blick sieht ja fast alles so aus wie vor der Sanierung. Die Veränderung, sie liegt mal im Detail, mal im Verborgenen. Ein wichtiges Detail etwa ist der neu eingefügte Empfangstresen, der das Betreten des Foyers zu einem viel freundlicheren Erlebnis macht. Und viel näher liegt an der ursprünglichen Gestaltung des Hauses.

In der Zeit von 1962 bis 1966 war es nach Plänen des Architekten Wassili Luckhardt (1889 bis 1972) gebaut worden. Der damalige Bürgerschaftspräsident August Hagedorn (1888 bis 1969) hatte manchen Kampf auszustehen, bis es so weit war. Kritiker empfanden das moderne Gebäude als Fremdkörper am historischen Marktplatz.

Präsident Imhoff wünscht sich ein offenes Haus

Dabei symbolisiert das lichtdurchflutete, helle und längst denkmalgeschützte Gebäude auf geradezu metaphorische Weise Transparenz, eine Grundbedingung der Demokratie. Auch Präsident Imhoff kennt die skeptischen Blicke mancher, die vor dem Gebäude stehen. „Kommt rein ins Haus, sage ich dann immer.“ Wer durch das Gebäude geht, erlebe Qualität und Wirkung der Architektur. „Dann gehen die Herzen auf“ – so beschreibt es der Christdemokrat.

Ein „offenes Haus“ solle es wieder werden, Bremens Parlament. „Das ist ein Muss“, sagt Imhoff. „Hier schlägt das Herz der Demokratie, das löst richtig Emotionen aus.“

Weitere Acrylglaswände sollen im Januar angeliefert werden.

Die Pandemieauflagen aber setzen der gewünschten Offenheit gegenwärtig gewisse Grenzen. Das gilt auch für das Parlament selbst. Auch im Januar wird es noch in der Stadthalle auf der Bürgerweide tagen. Wann es wieder Plenarsitzungen im Haus der Bürgerschaft gibt, kann niemand voraussagen. Für Tische im Plenarsaal werden denkmalschutz- und coronakonforme Acrylglaswände eingeführt. Doch die Abstände zwischen den Sitzreihen sind so eng, dass es zu einer Nähe kommt, die im politischen Leben nicht immer und in einer Pandemie überhaupt nicht erwünscht ist.

Die Lichtfarbe der 60er ist wieder da

Aber irgendwann wird Bremens Parlament eben an jenen Ort zurückkommen, an dem sein Herz schlägt. Und dann kommen auch all die Dinge so richtig zum Tragen, die sich im Verborgenen verändert haben. So wurden der Brandschutz und die Haustechnik auf den neuesten Stand gebracht, sagt Bürgerschaftssprecherin Dorothee Krumpipe. Brandschutz bedeutet: Totalerneuerung der Decken- und Raumzwischenräume, Brandschutzklappen und so fort – sowie Einbau beziehungsweise Austausch von Brandschutztüren und Fahrstühlen.

Zur Technik gehören neue Steuerelemente für die Heizungsanlage, neue LED-Beleuchtung, neue Elektroinstallationen. Das künstliche Licht wirkt jetzt deutlich wärmer als zuletzt, denn bei der LED-Auswahl galt die Lichtfarbe von in den 60er Jahren gebräuchlichen Glühlampen als Orientierungsmarke.

Plenarsaal und Präsidentenzimmer jetzt zeitgleich warm

Die Heizungssteuerung gilt als segensreich. Krumpipe: „Früher war es entweder im Präsidentenzimmer warm oder im Plenarsaal.“ Jetzt soll beides gehen. Zudem wurde eine digitale Infrastruktur geschaffen – Technik und Bildschirme, Funk und W-Lan-Verbindung im ganzen Haus.

In der Glasfassade des Parlamentsgebäudes spiegelt sich dessen Nachbarschaft.

Im Erdgeschoss wurden neue Sicherheitsfenster eingebaut. „Besonders aufwendig war der Ausbau der alten, asbesthaltigen Fenster, für die extra eine Asbestschleuse installiert werden musste“, so Krumpipe.

Alles zusammen hat knapp zehn Millionen Euro gekostet. Eine anfangs nicht geplante weitere Million kam hinzu, denn: Während der Sanierung hat Immobilien Bremen beschlossen, auch die Instandhaltung des Glasdachs über dem Plenarsaal sowie die Schaffung der technischen Voraussetzungen zum Betreiben der Gebäudefunkanlage anzugehen. Wenn schon, denn schon.

Nur die Uhr steht. Warum? Nun, auch die Uhren werden zentral gesteuert. Muss wohl noch mal nachgesteuert werden. Ist ja noch nicht zu spät.

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