Heute soll der SPD-Linke Carsten Sieling neuer Bremer Bürgermeister werden

„Einer, der Leute anstrahlt“

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Der designierte Bremer Bürgermeister Carsten Sieling.

Bremen - Von Vera Jansen. Eben noch SPD-Bundestagsabgeordneter in Berlin und schon designierter Bremer Regierungschef: Carsten Sieling muss in den nächsten vier Jahren das Ruder im hochverschuldeten kleinsten Bundesland fest in die Hand nehmen, um das schlingernde Schiff sicher in die Zukunft zu führen.

Zusammen mit seinem Wunschpartner Grüne hat sich der 56-Jährige viel vorgenommen. Heute sollen er und der neue rot-grüne Senat im Landesparlament gewählt werden.

Sieling ist kontaktfreudig, geht auf Menschen zu und hat stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bürger. Wie Bürgermeister a.D. Henning Scherf (SPD), der in der Stadt oft mit dem Fahrrad unterwegs war und dann gern mit den Bürgern plauschte, ist auch Sieling ein begeisterter Radler. Fast immer hat er ein Lächeln im Gesicht. „Er ist einer, der die Leute anstrahlt. Er ist ein Strahlemann“, sagt Scherf, der viele Jahre mit Sieling in der Bremer Politik zusammengearbeitet hat.

Sieling war 2009 für Bremen in den Bundestag eingezogen und hatte sich dort rasch bekannt gemacht. Er ist im SPD-Bundesvorstand und war bis vor kurzem Sprecher der Parlamentarischen Linken der SPD-Bundestagsfraktion. Jetzt kommt er zurück zu seinen politischen Wurzeln.

Der promovierte Volkswirt kam über die Gewerkschaft zur Politik. „Am Anfang mussten wir ihn eher noch integrieren“, sagt Scherf rückblickend. Vor 20 Jahren zog Sieling erstmals in den Bremer Landtag ein. Schnell stieg er die Karriereleiter hoch. „Das hat er mit Bravour gemacht.“

Geschätzt wird vor allem sein fundiertes Fachwissen als Volkswirt. Sieling reflektiere als Politiker seine Positionen wissenschaftlich, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel von der Bremer Universität, an der Sieling vor Jahren promovierte. „Er ist ein ehrlicher Typ und hat die Fähigkeit zum Dialog, was viele Politiker heute nicht mehr haben.“

Die Eigenschaften wird Sieling in den nächsten vier Jahren brauchen, denn die nächste Legislaturperiode wird hart. Bremen muss sein Defizit jährlich um 120 Millionen Euro runterfahren, um bis 2020 die Schuldenbremse einzuhalten. Dafür gibt es von Bund und Ländern im Jahr 300 Millionen Euro Stabilisierungshilfe. 500 Millionen sollten es zukünftig sein, fordert Sieling. Sonst werde es schwierig. Ein Spagat zwischen Sparen und Investieren wird nötig sein. Denn trotz der Sparanstrengungen soll es beispielsweise mehr Lehrer geben. Und in Bremerhaven ist ein Offshore-Hafen geplant.

Sieling ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von 20, 13 und sieben Jahren. Ob er einmal die Popularität von Henning Scherf oder Bürgermeister a.D. Hans Koschnick (SPD) erreichen wird, muss sich zeigen.

Koschnick legte sein Bremer Bürgermeisteramt 1985 nieder. Sielings unmittelbarer Vorgänger Jens Böhrnsen (SPD), der nach den Stimmenverlusten bei der Bürgerschaftswahl im Mai auf eine erneute Kandidatur verzichtete, hat in den zehn Jahren seiner Amtszeit eher geräuschlos regiert.

Nicht nur in den eigenen Reihen wurde öfter mehr Durchschlagskraft angemahnt. Unter Sieling dürfte zukünftig ein anderer Wind im Bremer Rathaus wehen.

dpa

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