50 Jahre Klinikum Links der Weser

Herzzentrum für die Region

+
Eben noch grüne Wiese, jetzt Krankenhausstandort – das Klinikum Links der Weser in Kattenturm auf einer Fotografie aus dem Jahr 1968. Jetzt ist das Klinikum 50 Jahre alt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Es war die Zeit, als Bremens Stadtplaner davon ausgingen, die Hansestadt würde zu einer Millionenstadt wachsen. Mehr Straßen, eine U-Bahn, mehr Wohnungen – all das wurde in den 60er Jahren in Bremen diskutiert und geplant. Anfang der 70er Jahre gipfelte all das in den Protesten gegen die gigantische „Mozarttrasse“, die das Viertel zerschnitten hätte.

Doch es wurde in jenen Jahren nicht nur gigantisch gedacht, sondern auch praktisch und realitätsbezogen. Ein Beispiel dafür ist das – wie es anfangs hieß – Zentralkrankenhaus Links der Weser, kurz LdW. 1968 wurde die kommunale Klinik in Kattenturm eingeweiht. Und so wird sie in diesem Jahr 50 Jahre alt.

Bremen ist keine Millionenstadt geworden. Stattdessen sind viele Bremer ins Umland gezogen. Oberzentrum ist Bremen geblieben. Und so dient das LdW heute auch der gesundheitlichen Versorgung von Menschen aus dem Bremer Umland. Bremen schafft Infrastruktur, von der auch die Gemeinden des „Speckgürtels“ profitieren.

Eines von etlichen Beispielen ist der Rettungshubschrauber „Christoph 6“, der seit Ende 1973 am Klinikum Links der Weser stationiert ist. Er fliegt Einsätze in der Stadtgemeinde und – eben – im Umland Bremens. Ein anderes Beispiel ist die Geburtshilfe.

Aus der Luft betrachtet – das Klinikum Links der Weser heute. Jährlich kommen etwa 27 000 Patienten. 

Viele Umland-Babys kommen in Bremer Kliniken zur Welt – unter anderem Links der Weser. „Auch 2017 war das Klinikum Links der Weser mit mehr als 3.000 Geburten wieder die Klinik in Bremen, in der die meisten Kinder das Licht der Welt erblickten“, sagt ein Klinik-Sprecher denn auch.

Noch mehr Statistisches: „Bei uns werden heute pro Jahr etwa 27.000 Patienten stationär und teilstationär behandelt“, sagt Krankenhausdirektorin Angela Peter. Etwa 1.200 Mitarbeiter kümmern sich um die Patienten. Das Klinikum Links der Weser ist auf die Behandlung von Menschen mit Herzerkrankungen spezialisiert – vom Frühchen mit angeborenem Herzfehler bis zum älteren Herzschrittmacherpatienten. Im Infarktzentrum des Klinikums werden Patienten aus Bremen und der Region versorgt, die einen Herzinfarkt erleiden – 24 Stunden am Tag, wie ein Sprecher betont.

Ambitioniertes Ziel

All das war die sprichwörtliche Zukunftsmusik, als der damalige Bremer Gesundheitssenator Karl Weßling (SPD, 1911 bis 1968) im Jahr 1964 fragte: „Ist Bremen in der Lage, bis Ende 1967 ein voll funktionsfähiges Krankenhaus mit 600 bis 700 Betten für 32 Millionen DM zu bauen?“ Den Bedarf dafür sahen Stadtplaner und Gesundheitsfachleute gerade auf der linken Weserseite – Bedarf an Krankenhausbetten in der Inneren Medizin, in der Chirurgie, in der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie in der Pädiatrie. 

In Kattenturm, vor 1960 noch dörflich geprägt, baute die (wenn auch nicht zur Millionenstadt, so doch) wachsende Stadt Bremen in den 60ern eine Großwohnsiedlung mit Hochhäusern. Nun kam noch das Zentralkrankenhaus hinzu.

Baukosten niedriger als geplant

Denn die von Bremen beauftragte „Neue Heimat Kommunal“ sah sich in der Lage, die von Senator Weßling gestellte Frage mit einem deutlichen „Ja!“ zu beantworten. Ein Vierteljahr vor der vertraglich vereinbarten Zeit – und in den Kosten, heute kaum zu glauben, etwa 2,6 Millionen DM niedriger als vorgesehen – wurde das Krankenhaus im September 1967 fertiggestellt. 

Es folgte die Ausrüstung mit Geräten und Medizintechnik. Die neuen Chefärzte – Dr. Werner Cramer, Dr. Heinrich Maring, Dr. Alfred Beck, der spätere Werder-Präsident Dr. Franz Böhmert, Dr. Ernst Klemm und Dr. Otto Buschmann – waren an den Planungen für Bau, Einrichtung und Ausstattung beteiligt. Die ersten Patienten nahm die Klinik im Januar 1968 auf – vor genau 50 Jahren also.

Seit 1977 Lehrkrankenhaus

In den folgenden Jahren ging es in großen Schritten weiter voran. Das Haus galt in der elektronischen Datenverarbeitung als richtungsweisend. Links der Weser war deutschlandweit das erste Krankenhaus mit einer zentralen Schwesternrufanlage. 1970 wurde hier Bremens erste interdisziplinäre Intensivstation in Betrieb genommen. 

Seit 1977 ist das Klinikum akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen. 1981 folgte die Inbetriebnahme des ersten Herzkatheterlabors, 1983 die Eröffnung der Herzchirurgie. 2003 wurde im LdW das erste Kunstherz in Bremen implantiert, Anfang 2015 für 18,7 Millionen Euro der neue zentrale OP-Trakt eingeweiht. Das LdW gehört zum Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno). Leiter ist Chefarzt Dr. Arnd Böhle.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Kreis-Melkwettbewerb auf dem Hof Wichern

Kreis-Melkwettbewerb auf dem Hof Wichern

Auf diese Autos können Sie sich 2019 freuen

Auf diese Autos können Sie sich 2019 freuen

Drei Frauen in Nürnberg niedergestochen

Drei Frauen in Nürnberg niedergestochen

Weihnachtskonzert des Domgymnasiums im Verdener Dom

Weihnachtskonzert des Domgymnasiums im Verdener Dom

Meistgelesene Artikel

Auffahrunfall auf der A27: Sperrung bis in die Nacht

Auffahrunfall auf der A27: Sperrung bis in die Nacht

100 Paar Schuhe gestohlen: Polizei ermittelt notorische Diebin

100 Paar Schuhe gestohlen: Polizei ermittelt notorische Diebin

Trauer im Zoo am Meer: Eisbärenjunge kurz nach Geburt tot 

Trauer im Zoo am Meer: Eisbärenjunge kurz nach Geburt tot 

Arbeitsunfall: 61-Jähriger gerät unter Gabelstapler, mehrere schwere Knochenbrüche

Arbeitsunfall: 61-Jähriger gerät unter Gabelstapler, mehrere schwere Knochenbrüche

Kommentare