Mit den Figuren „Honky“ und „Teddy“

„Mein Kunst-Stück“ mit Anette Venzlaff: Ein Herz für Verlierer

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Anette Venzlaff hat ein Herz für Verlierer. Ihre Figuren „Honky“ und „Teddy“ macht sie zu Gewinnern des Monats.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Honky“ und „Teddy“ heißt das Bilderpaar, das Anette Venzlaff in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Im großen Format zeigt jedes eine stofftierähnliche Figur vor einfarbigem Hintergrund. Beide Protagonisten blicken leicht nach oben.

„Ich habe ein Herz für Verlierer, die sich in einem Moment präsentieren, als wären sie Gewinner“, sagt Anette Venzlaff. „Honky“ aus diesem Jahr und „Teddy“ aus dem Jahr 2011 seien für ihre Arbeitsweise typisch. Ihre Bilder und Figuren erzählen Geschichten. Oft sind es kindlich wirkende Wesen oder Tiere, die sie groß im Mittelpunkt des Bildes in Szene setzt. „Ich möchte mit einfachen Figuren maximales Gefühl erzeugen“, sagt die Künstlerin.

Die Ideen der Wahl-Bremerin entstehen oft im Alltag. Beispielsweise wenn sie auf der Straße einen kleinen Hund an einer langen Leine sieht, und sich fragt, wie der Hund sich wohl fühlen mag. So entstehen oft humorige Bilder. „Manchmal schlagen die Gestalten auch ins Unheimliche um“, sagt Venzlaff und deutet auf eine Reihe maskenartiger Köpfe an der Atelierwand. Im Gegensatz zu ihren großen einfachen Motiven, zeigen sich Venzlaffs Landschaftsbilder detailliert und eher klein. Viele befinden sich auf den Innenseiten aufgeklappter Zigarrenkisten oder in Holzkästen. Wenn die Künstlerin in oder vor dem Bild Figuren drapiert, wird die Landschaft zur Kulisse.

Spontane Arbeit

Venzlaff arbeitet spontan und trägt die Farben für gewöhnlich nass in nass auf. Am liebsten malt sie spät, wenn es in der Stadt draußen ruhig wird. „Morgens kann ich höchstens aufräumen“, sagt Venzlaff lachend. An Herbst- und Winterabenden sei es besonders schön im Atelier und sie am produktivsten. 

Neben der Atelierarbeit beteiligt sie sich gern an Projekten, in denen sie mit anderen Künstlern zusammenarbeitet. „Man kommt in neue Themen rein und findet dann überall Dinge, die mit ihnen in Zusammenhang stehen“, erzählt die Künstlerin. „Diese Auseinandersetzung macht, dass man die Welt mit anderen Augen sieht.“

Die Herausforderung im künstlerischen Alltag sieht Venzlaff darin, immer wieder frisch und neu zu sein. Gelinge es ihr, etwas ganz und gar Neues zu schaffen und sich selbst zu überraschen, dann schwebe sie geradezu aus dem Atelier.

Schon immer Interesse an Bildern

Bilder haben die gebürtige Niedersächsin schon immer interessiert. Als Kind sei ihr Kopf nach den vorgelesenen Gute-Nacht-Geschichten geradezu voll mit Bildern gewesen, erzählt sie. Ob wir Kunst brauchen? „Ja“, sagt Venzlaff. „Gerade war ich in Venedig auf der Biennale. Wenn Kunst gut gemacht ist, kann sie ein Thema sehr nahebringen. Nichts ist unmittelbarer als die Kunst. Ich habe Sachen gesehen, die werde ich nie vergessen.“

Zu den Künstlern, die für Venzlaff besonders bedeutend sind, zählen der französische Impressionist Claude Monet (1840 bis 1926) und der deutsche Romantiker Caspar David Friedrich (1774 bis 1840). An Monet schätzt Venzlaff dessen feine Beobachtung und Differenzierung. „Seine Malerei ist berührend, still und einfach.“ Caspar David Friedrich aber ist für sie „der Größte“. Auch weil seine Bilder manchmal fast ins Kitschige reichen. „Diese grenzenlose Stille. Die wahnsinnigen Geschichten, die seine Bilder erzählen und die Kompositionen – unglaublich!“

Wenn Venzlaff jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann gingen ihre etwas gruseligen Maskenköpfe als „Ecce Homo“ (lat. „siehe, der Mensch“) an Alice Weidel von der AfD. Sie sollen daran erinnern, dass Menschen verschieden sind. Sie mögen aus unterschiedlichen Kulturen stammen, aber alle Leid, Glück und Schmerz fühlen. Und dass es sich lohne, jeden einzelnen genau zu betrachten und sich mit seiner Situation auseinanderzusetzen. Das weite den Blick.

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