Mitarbeiter sorgen für Sicherheit / Schwierige Verjüngungskur im Bürgerpark

Herumlungern verboten

Tim Großmann (rechts), ab morgen neuer Direktor des Bremer Bürgerparks, mit seinem Vorgänger Werner Damke. ·

Bremen - Von Sönke Möhl - Joggen ist erlaubt, Herumlungern nicht: Auf den ersten Blick ist der Bremer Bürgerpark ein Großstadtpark wie viele. Doch er ist bundesweit der einzige privat finanzierte Landschaftspark. Fast 150 Jahre ist er alt, die ganz spezielle Bremer Gediegenheit hat er sich bewahrt.

Der Blick geht über weite Wiesen, zu Baumgruppen und Waldrändern – in der Ferne liegt kaum zu erkennen die Meierei. Wenn Werner Damke, der 65-jährige Direktor, und sein 25 Jahre jüngerer Nachfolger Tim Großmann gemeinsam ihr Revier durchstreifen, erkennen sie, was Generationswechsel wirklich bedeutet. Denn der fast 150 Jahre alte Bremer Bürgerpark steht als Deutschlands einziger rein privat finanzierter Landschaftspark vor einschneidenden Veränderungen.

„Die Verjüngung des Baumbestands ist die größte Aufgabe“, sagt Damke aus seiner 23-jähriger Erfahrung im Park und zeigt auf eine Gruppe eindrucksvoller Buchen. „Diese Bäume sind alle gleich alt und haben ihren Zenit weit überschritten.“ Sie drohen, innerhalb weniger Jahre abzusterben oder umzustürzen und damit den Charakter des Bürgerparks zu verändern. Es gibt bereits erste Lücken. Junge Bäume nachzupflanzen, ist wegen des Schattens der Altbäume schwierig. „Die kommen nicht richtig hoch“, weiß Damke. Hier helfen nur größere Pflanzflächen für eine langfristige Verjüngung.

Den ab 1866 angelegten Park zu erhalten, ist auch deshalb schwer, weil er an einer ungünstigen Stelle im früheren Marschland liegt. Die Bäume können wegen einer dicken Lehmschicht und Mangel an Sauerstoff keine tiefen Wurzeln bilden. Im Winter ist es zu nass, im Sommer oft zu trocken. „Das ist kein idealer Standort“, sagt Damke. Stürme reißen immer wieder unerwartet auch scheinbar gesunde und stabile Bäume um.

Ob sich der Bürgerparkverein aufwendige Neuanlagen leisten kann, hängt am Geld. „Wir sind stolz darauf, dass wir uns in allen Bereichen nur privat finanzieren“, sagt Damke. Bis zu 2,5 Millionen Euro braucht die Parkverwaltung im Jahr – für rund 30 fest angestellte Mitarbeiter vom Gärtner bis zur Sekretärin.

Rund 3 000 Förderer aus der Stadt und der Umgebung sind Mitglieder im Bürgerparkverein und zahlen Beiträge. Seit 2000 gibt es auch eine Stiftung, manchmal wird der Verein in Erbschaften bedacht. Rund zehn Prozent des Etats kommen von Lotto und Toto. Ein entscheidender Pfeiler der Finanzierung ist die jährliche Bürgerparktombola in der Hansestadt, die seit fast 60 Jahren jeweils von März bis Mai läuft. Weitere Einnahmen erzielt die Parkverwaltung aus Mieten und Pachten. Der Verkauf von Holz dagegen bringt wenig.

Die Bremer lieben ihren Bürgerpark, geschätzte 1,5 Millionen Besucher schlendern im Jahr durch die Anlage. Was hebt die Anlage mit Hotel, Biergarten, Café, Restaurant und Wildgehege von anderen Großstadtparks ab? Die Sicherheit zum Beispiel. „Es sind in meiner Zeit keine schweren Verbrechen passiert“, sagt Damke, der morgen Platz für seinen Nachfolger macht.

Es gibt ein nächtliches Aufenthaltsverbot, Spazierengehen oder Joggen ist erlaubt, Herumlungern nicht. Mehrere Mitarbeiter sind speziell für die Sicherheit zuständig. Der Bürgerpark ist stets sauber und gepflegt. „Schmutz und Schäden beseitigen wir sofort. Wir wollen nichts einreißen lassen“, so Damke. Wo ein Graffito ist, kommen andere dazu. Das ist seine Erfahrung. · lni

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