Martin Rütter lässt Hundebesitzer nachsitzen

Herrchen auf die Schulbank

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Martin Rütter – hier mit seinen nicht ganz echten tierischen Schülern – unterhielt das Publikum in der ausverkauften Halle 7 mit Erziehungstipps für Zwei- und Vierbeiner. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Warum bleiben Hunde nicht an ihrem Ort, wenn man es ihnen sagt? Hundeprofi Martin Rütter zeigt es. „Meistens sagen wir nicht einfach, ,bleib‘“. Rütter beendet den Satz ruhig, aber mit fester Stimme. „Wir sagen, ,bleib‘,… ,bleib‘.“ Rütter spricht das letzte Wort weich, fast wie eine Beschwörungsformel. Dabei weicht er etwas zurück, den Oberkörper aber leicht nach vorne gebeugt. Seine Hände kreisen langsam etwas nach vorne und hinten. Will er den imaginären Hund locken? Will er ihn hypnotisieren?

Nachsitzen ist manchmal sinnvoll. Bei dem Programm „Nachsitzen“ des aus dem TV-Programm von „Vox“ bekannten Hundeprofis Rütter stellt sich die Frage: Wer muss nachsitzen? Auf der Bühne ist ein Klassenzimmer eingerichtet, und drei Hunde sitzen brav an den Tischen. Das sind allerdings Puppen. Rütters Nachhilfedoppelstunde richtete sich am Mittwochabend in der ausverkauften Halle 7 an mehr als 3 000 menschliche Schüler.

Es wird noch schlimmer. „Bleib …. hier!“, sagt Rütter langsam und bedächtig. Zum Ende der Anweisung nimmt er die Hände zurück. Die Finger zeigen am Schluss auf seine Oberschenkel. Das erzeugt ein heiteres Gelächter. „Wenn es dann endlich vorbei ist, gibt es eine Belohnung fürs Kommen“, bringt Rütter die Szene zu Ende.

Herrchen und Frauchen sollten ihrem Hund auch mal die Chance geben, sie ernstzunehmen. Das Gegenteil dazu sei der vielleicht dümmste aller Sätze: „Ja wo is' er denn“. Rütters Argumenten kann man kaum etwas entgegensetzen.

Ein weiteres schönes Thema, um etwas lästern zu können: Verliebte Hundebesitzer halten ihre Lieblinge für hochbegabt. Ein Reizthema, schon in Rütters Welpengruppe. „Da bringt eine Frau ihren ein Monate alten Jack-Russell-Terrier und erzählt mir, der ist so intelligent, der hebt schon sein Bein. Ich sag‘ dann nur, in einem Monat rammelt der eine Oma“, sagt Rütter. „Dann kommt, der zeigt sogar schon den Postboten an. Ich sage darauf, in einem Monat bringt der den an.“ Das sitzt und bringt Lacher und Applaus.

Tipps für Vier- und Zweibeiner

Wenn beim Hund schon Macken da sind, hat Rütter natürlich passende Erziehungstipps, die mal einfach und mal kompliziert sind. Rütter behauptet, Hundebesitzer im Schwimmbad zu erkennen, denn ein Arm sei schlaff, der andere wie bei „Popeye“. Der Grund: Der Hund zieht an der Leine. Was tun? „Sie lassen ihn ziehen und tun gar nichts. Er steckt fest. Irgendwann guckt er zu ihnen. Sie gehen drei Schritte in die andere Richtung. Das machen Sie sechsmal“, sagt Rütter. „Wenn der Hund drei Schritte in Ihrem Tempo läuft, kriegt er eine Belohnung.“

Bei trägen und unmotivierten Hunden empfiehlt Rütter eine Auffrischung der Beziehung durchs Spielen. „Packen Sie Ihr altes Spielzeug in eine Tüte und spenden Sie es dem Tierheim. Dann kaufen Sie ein neues Spielzeug und legen es so ins Regal, dass der Hund es sehen kann“, sagt der Hundeprofi.

„Dann muss das Frauchen abends dreimal aufspringen, zum Spielzeug laufen und ,oooh‘ rufen. Ab dem vierten Tag ist das Herrchen dran.“ Ab dem siebten Tag soll das Herrchen dem Frauchen das Spielzeug zuwerfen. Erst nach zehn Tagen soll der Hund ins Spiel kommen. „Binden Sie das Spielzeug an eine Schnur und lassen es vor dem Hund fallen. Er wird es in Sicherheit bringen. Sie gehen hinterher“, sagt Rütter. Dann könne man das Spielzeug wegziehen und etwas raufen. „Nach drei Wochen werden Sie sehen, die Beziehung zu Ihrem Hund ändert sich.“

Anita Hartwig aus Ritterhude ist begeistert. „Ich habe seit 14 Jahren einen Australian Shepherd. Das mit dem Spielen will ich unbedingt noch mit ihm ausprobieren“, sagt sie.

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