Ohne ihn geht nichts

Der Herr der Schienen: Uwe Hoberg ist Eisenbahnbetriebsleiter im Mercedes-Werk

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Seit April Chef über Gleisanlagen und Weichen: Uwe Hoberg ist Eisenbahnbetriebsleiter am Mercedes-Werk in Bremen. Ohne ihn würden die mehreren hundertausend Fahrzeuge pro Jahr nicht an ihr Ziel kommen.

Bremen - Von Steffen Koller. Ohne ihn geht nichts: Uwe Hoberg ist Eisenbahnbetriebsleiter im Bremer Mercedes-Werk in Sebaldsbrück, seit April dirigiert der 55-Jährige die Geschicke rund um die Gleise auf dem riesigen Areal.

Transportierten vor rund zehn Jahren nur Lastwagen Autos und Waren von einer Halle zur nächsten und dann in alle Welt, ist „die Bahn heute ein entscheidender Baustein“, sagt Hoberg. Stoppen die Züge, stoppt auch die Produktion – mit fatalen Folgen.

Vor Tor 8 des Mercedes-Werks reiht sich Lkw an Lkw. Sie bringen Motoren, Getriebe, verschiedene Ersatzteile aller Art. Andere verlassen das Areal, wieder andere warten auf ihren nächsten Auftrag. Ein Hupkonzert begleitet das Kommen und Gehen, Staugefahr liegt in der Luft. Was im normalen Straßenverkehr schon zum guten Ton gehört, hätte auf dem Produktionsgelände im Osten Bremens gravierende Folgen. Stoppen die Bahnen, stoppt im schlimmsten Fall die ganze Produktion. Millionenverluste wären die Folge.

Dass genau dieser „worst case“ nicht eintritt, dafür ist Uwe Hoberg verantwortlich. Er ist Eisenbahnbetriebsleiter am Werk, ist zuständig für rund 1,9 Kilometer Schienennetz, 22 Weichen, sieben Teilzüge mit jeweils 250 Metern Länge und mehrere hundert Mitarbeiter. Kurzum: Er ist der Herr der Schienen. Die einzelnen Hallen könnten noch so viele Autos produzieren, wenn am Ende niemand da ist, der sie abholt, käme es zu „gravierenden Störungen“, berichtet Hoberg. 

Kontrolle des Gleisnetzes

Im Klartext: „Alles würde zum Stehen kommen.“ Damit nichts zum Stehen kommt und alles im Fluss bleibt, inspiziert der 55-Jährige, der in Schwarme lebt, das gesamte Gleisnetz, passt auf, dass der Verkehr auf den Schienen perfekt läuft. Zusätzlich müssen die sogenannten Zweiwegefahrzeuge – Vehikel, die sowohl auf Straßen als auch auf Schienen fahren können und die bis zu 800 Tonnen schweren Teilzüge bewegen – gewartet werden. Mehrere zentrale Anlaufpunkte fahren die Zweiwegefahrzeuge an. 

Unter anderem die Stationen für die Teileanlieferungen, vorwiegend Motoren und Getriebe, aber auch Schrott aus dem Presswerk wird von den Zugmaschinen abtransportiert. Entscheidend ist und bleibt aber das Endprodukt, also fertige Fahrzeuge. Mehr als 420.000 hat das Bremer Mercedes-Werk nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr produziert, grob überschlagen ergibt das täglich 1.150 Autos, die vom Band fahren. „Die müssen alle raus“, so Hoberg kurz und knapp.

Man müsse sich einen Fluss vorstellen, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker, der bereits 1986 zum Mercedes-Werk kam: Er fließt und fließt, wenn am Ende aber ein großes Stück Holz den Weg versperre, fließe das Wasser zwar weiter, aber nicht dahin, wo es letztlich soll. So in etwa sei es auch in der Produktion. „Der Fluss wird am Ende gestoppt. Das hätte gravierende Folgen.“ 16 Stunden am Tag rollen die Züge. Endet das Areal, übernehmen andere Firmen den Weitertransport. Viele Autos gehen nach Bremerhaven und von da aus über den Seeweg nach China, in die USA, Italien und nach Großbritannien.

Auch für die Verladung zuständig

Zusätzlich zu seinem Job als Eisenbahnbetriebsleiter war und ist Hoberg seit Jahren für die Verladung von Fahrzeugen zuständig. Im Rahmen dieser Arbeit kam der Vater von zwei Kindern schon früh in Kontakt mit den sogenannten Rangierern. Mehrere Lehrgänge folgten, Home Office, um „Paragraphen zu pauken“, ein Coach wurde ihm an die Seite gestellt. „Ich habe bei Null angefangen“, sagt er. Dann die entscheidende Prüfung bei der Landeseisenbahnaufsicht in Hannover. „Eine Stunde Volldampf“, erinnert sich Hoberg an die vielen Prüfungsfragen. Dann hatte Hoberg die Ernennung im Briefkasten – „ein toller Moment“, erinnert er sich.

Ob ihm bald ein Stellvertreter zur Seite gestellt wird, solle intern geklärt werden. Aktuell ist er Einzelkämpfer – gegen Zuwachs hätte er aber auch nichts einzuwenden.

Das Werk: 420.000 Auto pro Jahr

Das Mercedes-Benz-Werk in Bremen gilt mit mehr als 12.500 Beschäftigen als größter privater Arbeitgeber in der Hansestadt. Auf einem Fabrikgelände von etwa 146 Hektar – davon rund 58 Hektar reine Produktionsfläche – fuhren 2017 nach eigenen Angaben mehr als 420.000 Fahrzeuge vom Band. 

2011 waren es mit knapp 315.000 Autos noch mehr als 100.000 weniger. Aktuell produziert das Werk in Sebaldsbrück zehn Modelle, darunter Cabrios, Limousinen und Coupés. Der jetzige Standort war 1938 ursprünglich von Borgward als Stammwerk gebaut worden. 

Als Borgward in den 60er Jahren die Produktion einstellen musste, übernahm zunächst die Hannoversche Maschinenbau AG (Hanomag) das Werk, ehe Daimler-Benz kurze Zeit später das Werk wiederum von Hanomag übernahm. Seitdem ist das Werk in den Händen des Daimler-Benz-Konzerns. Standortleiter ist noch Peter Theurer, Markus Keicher löst ihn im September ab.

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