Start-up „Trusted Blogs“

Helfer in der „Blogosphäre“

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Stolz zeigen Eduard Andrae (l.) und Rüdiger Schmidt ihr Magazin. Auf dem Bildschirm sind die Verlinkungen zu Texten über vegane Turnschuhe und den Unterschied zwischen Journalisten und Bloggern zu sehen.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Irgendwie unerwartet: Beim Stichwort „Darmgesundheit“ füllt sich beim Blog-Magazin „Trusted Blogs“ der Bildschirm, und er sieht faszinierend bunt aus. Tipps zu Ernährung und Arthrose aus Tibet, dahinter ein Artikel zur Gluten-Unverträglichkeit.

Danach folgt ein Plädoyer eines ehemaligen Darmkrebspatienten für den „Stuhl-Stuhl“, einen Toilettenhocker zum Füße abstellen, der während des Geschäfts den Nutzer in die natürliche Hockhaltung bringt. Der Leser erfährt, dass er sein ganzes Leben die Toilette falsch benutzt.

Im Magazin des jungen Bremer Start-ups „Trusted Blogs“ erscheinen ausschließlich Texte von Bloggern – lebendig, ein bisschen aus dem Bauch geschrieben. Oft geht es um die Kundgabe der eigenen Meinung. Manchmal wirken die Texte wie Tagebucheinträge. Ein Suchwort eingeben – und schon erscheinen passende Texte, egal, ob sie zum Beispiel aus Essens-, Reise- oder auch Lifestyle-Blogs stammen. 

Bescheiden ist zur Zeit noch die Auswahl zum Thema „Lüneburger Heide“: nur zwei Artikel. Eine Hamburger Deern und Archäologin namens Miriam schickt einen Erlebnisbericht mit bezaubernden Fotos aus der Lüneburger Heide: Frühtau, Wald, ein schillerndes Spinnennetz. Die Autorin schreibt sehr lebendig, zitiert sogar zwei Strophen Rilke. Auch der zweite Artikel ist von Miriam: eine Sammlung ihrer Fotos aus der ersten Jahreshälfte. Hier ist die Lüneburger Heide ein Ort unter vielen.

Thema Hund ganz oben

Ergiebig ist dagegen wieder das Thema „Hund“. Ganz oben: Tipps zur Sicherheit beim Urlaub mit dem Hund. Dahinter: einige Steckbriefe zum Deutschen Jagdterrier und Deutschen Großpudel. Etwas später folgen Tipps dazu, wie man sich eine Kotbeuteltasche näht. Unter dem Stichwort „Transsexualität“ gibt es wiederum sogar Erlebnisberichte zu Geschlechtsumwandlungen.

Mittlerweile sind 4 000 Blogger mit dem Magazin verbunden, so die beiden Gründer von „Trusted Blogs“, Rüdiger Schmidt und Eduard Andrae, beide Anfang 50. Bei den Autoren handele es sich fast ausschließlich um Blogger aus Leidenschaft, die ihr Einkommen mit einem anderen Job erzielten. Nur wenige vollberufliche Blogger seien unter den gelisteten Autoren. 

„Wir wollten für die großen Kategorien je 100 Blogger haben“, sagt Andrae. „Das dauerte nicht lang. Nach drei Monaten hatten sich 2 000 Blogger registriert.“ Beide Gründer seien sehr positiv überrascht gewesen. „So ein Magazin gab es vorher ja auch nicht“, sagt Andrae. „Jeder Blogger will gelesen werden. Wir haben gesagt, meldet Euch an. Wir sorgen für Leser.“

Blog-Suchmaschine

Durch die Schlagwortsuche würden die Autoren eine gewisse Freiheit gewinnen. „Man muss sich zum Beispiel nicht als Lifestyle-Blogger outen“, sagt Andrae. „Ich schreibe meistens übers Laufen. Ich müsste mich eigentlich in einem Fitness-Blog eintragen. Das wäre nicht gut, wenn ich mal zu einem zweiten Thema bloggen möchte.“

Das Magazin ist letztlich eine Art Blog-Suchmaschine. Der Klick führt die Nutzer in einem neuen Fenster zum jeweiligen Blog. Alle zwei Stunden wird das Magazin aktualisiert. Die älteren Beiträge bleiben drin und rutschen in der Auflistung nach unten.

Die Blogger bekommen kein Geld für Texte oder Klicks. Hier setzt die zweite Idee von „Trusted Blogs“ an: Die Hobby-Blogger können für Kampagnen gebucht werden. Dafür gibt es meistens interessante Dinge wie Reisen und mitunter auch Geld. „Das soll allerdings mehr sein als eine reine Produktwerbung. Der Blogger kann über eine Marke erzählen oder über die Firmenphilosophie berichten“, sagt Andrae. Sollte die Grenze zur Werbung überschritten sein, müssten Texte auch als Werbung gekennzeichnet werden. „Wir schmeißen sonst den Blogger und auch den Kunden raus“, so Andrae.

www.trusted-blogs.com

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