Helfen bringt Freunde und Flüchtlingsarbeit verbindet

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Nina Christiansen steht im Türrahmen zu dem Aufenthaltsraum im Pfarrhaus im Schnoor-Viertel von Bremen. Unter dem Motto "Meet a Local" treffen sich hier Araber und Bremer in jedem Alter um persönliche Kontakte aufzubauen. Christiansen ist auch neu in der Stadt und engagiert sich seit einem Monat für Flüchtlinge.

Bremen - Von Irena Güttel. Ehrenamtliche helfen Flüchtlingen, wo sie können - selbstlos und ohne eine materielle Gegenleistung zu erwarten. Der Lohn: Anerkennung, ein gutes Gefühl und vielleicht eine Menge neuer Freunde.

Sie bringen Flüchtlingen Deutsch bei, begleiten sie aufs Amt oder spielen Fußball mit den Kindern. Wenn es an Kleidung oder Möbeln fehlt, finden sich in kurzer Zeit zahlreiche Helfer, die Lastwagen mit Spenden beladen. Tausende Freiwillige kümmern sich um die vielen Flüchtlinge in Deutschland. Dabei lernen sie Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afrika kennen, aber auch viele Ehrenamtliche aus ihrer eigenen Stadt - Kontakte, die sich auszahlen, bei der nächsten Hilfsaktion und für sie selbst.

Maja Wolff engagiert sich seit einem Jahr für Flüchtlinge in Hamburg. Seitdem ist ihr Leben ein anderes. Sie betreibt ein Nähcafé, geht mit Frauen zum Schwimmen oder veranstaltet Feste für die neuen Bewohner in ihrem Stadtteil. „Das hat mich mit Leuten zusammengebracht, die ich sonst nie getroffen hätte“, sagt die 45-Jährige. Durch ihr Engagement hat sie neue Freunde gefunden. Geflohene Familien laden sie zum Tee oder Essen ein, Nachbarn leihen ihr ganz selbstverständlich das Auto. „Es bringt einen viel näher zusammen, weil man weiß, dass man die gleichen Motive hat, dass die anderen gute Menschen sind“, sagt sie.

Kekse und Obst stehen im Pfarrheim im Bremer Schnoor-Viertel auf den Tischen. An ihnen sitzen junge Araber und Bremer in jedem Alter. Wer kann bei der Suche nach einem Job helfen? Wer ein W-Lan einrichten? Bei „Meet a Local“ treffen jede Woche Einheimische und Flüchtlinge aufeinander, neben dem Helfen geht es dabei vor allem um persönliche Kontakte. „Das ist wie ein kleiner Mikrokosmos hier“, sagt Jan Dellwisch. Die Zahl seiner Facebook-Freunde ist in den letzten Monaten stetig gewachsen. „Man hat plötzlich ein kleines Netzwerk“, sagt der 28-Jährige.

Überall in Deutschland gründen sich gerade Facebook-Gruppen, über die sich jeder an der Flüchtlingshilfe beteiligen kann. „Die sozialen Netzwerke sind ein wichtiges Vehikel“, sagt der Migrationsforscher Serhat Karakayali von der Berliner Humboldt-Universität. Seit Beginn der Syrien-Krise 2011 sei die Zahl der Freiwilligen sprunghaft gestiegen. Für eine im Frühjahr veröffentlichte Studie hat Karakayli zusammen mit einem Kollegen mehr als 460 Ehrenamtliche und 70 Organisation unter anderem zum Grund ihres Engagements befragt. Drei von vier der Befragten gaben an, dass sie etwas bewegen wollen, die Gesellschaft mitgestalten.

Viele Menschen haben im Moment das Gefühl, dass Staat und Behörden angesichts der vielen Flüchtlinge an ihre Grenzen stoßen, teilweise sogar versagen. Das bewegt auch die etwa 500 Freiwilligen des Berliner Willkommensbündnisses für Flüchtlinge. „Es ist ein Demokratieaufschrei“, erklärt Sprecher Günther Schulze die große Welle der Hilfsbereitschaft. Doch diese habe auch einen schönen Nebeneffekt: „Man lernt viele wunderbare Menschen kennen. Dass man sich gemeinsam für eine gute Sache einsetzt, schmiedet enorm zusammen.“

Für manche Freiwillige ist das sogar der Hauptgrund, sich für andere einzusetzen. In einer repräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach gaben 2013 immerhin 41 Prozent als Motivation für ihr Engagement an, dass sie Leute treffen und Kontakt zu anderen haben wollen.

Ähnlich geht es Nina Christiansen. Die 33-Jährige lebt erst seit kurzem in Bremen und kannte bisher kaum jemanden. Statt einsam zu Hause zu sitzen, wollte sie was Sinnvolles machen. Seit einem Monat kommt sie regelmäßig zu „Meet a Local“ - und hat schon erste Kontakt geknüpft. „Es findet sich schnell ein Gesprächsthema“, sagt die 33-Jährige. Einen jungen Ägypter unterstützt sie inzwischen beim Bewerbungsschreiben, mit einer anderen Freiwilligen hat sie sich angefreundet. Am nächsten Tag wollen sich die drei zum Kochen treffen. Ob daraus ein Freundeskreis entsteht, wird sich zeigen.

dpa

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