Obdachlose übernachten unter freiem Himmel:

Heiße Hilfe ist gefragt

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Heiße Speisen sind bei den eisigen Temperaturen gefragt: Die Bremer „Suppenengel“ sind im Dauereinsatz.

Bremen - Von Dieter Sell. Trotz Schnee und Frost gibt es noch immer viele obdachlose Menschen, die in Niedersachsen und Bremen draußen übernachten. „Das sind unsere Sorgenkinder“, sagte gestern der Leiter der diakonischen Wohnungslosenhilfe in Bremen, Bertold Reetz, dem epd. „Da machen noch etliche Platte und kommen nachts nicht in die Notunterkünfte.“

Zusammen mit den Johannitern fährt der Verein für Innere Mission deshalb jetzt in Bremen abends täglich mit einem Bus die „Platten“ ab. Obdachlose werden dann mit heißen Getränken und bei Bedarf auch mit warmer Kleidung und Schlafsäcken versorgt.

Wer bei den vorherrschenden Minustemperaturen draußen übernachte, könne chronisch erkranken oder sogar erfrieren, warnte Reetz. Wer sich nicht überreden lasse, im Warmen zu übernachten, werde deshalb zumindest warm ausgerüstet. Auch medizinische Hilfe wird den Obdachlosen angeboten. Reetz: „Zur Not würden wir unseren Tagestreff nachts öffnen, wenn sich Leute aufwärmen wollen.“

Alle Hände voll zu tun haben derzeit auch die Bremer „Suppenengel“, die jeweils mittags mit Fahrrädern durch die Stadt fahren, um arme und obdachlose Menschen mit warmer Suppe zu versorgen, die heiß begehrt ist. „Wir kämpfen: Der Schnee ist für die Jungs auf den Rädern wie ein kostenloses Fitnessstudio“, sagte Initiatorin Zia Gabriele Hüttinger. Viele Obdachlose flüchteten vor den Temperaturen derzeit in Räume wie die Winterkirche der Liebfrauengemeinde in der Stadtmitte. „Für die Hartgesottenen, die draußen bleiben, sind das Weicheier“, berichtete Hüttinger.

Gut genutzt wird auch das Angebot der Bremer Straßenbahn AG (BSAG), die jetzt obdachlose Menschen mitsamt angeleinten Hunden kostenlos mitnimmt. „99 Prozent der anderen Fahrgäste reagieren positiv und freuen sich, dass für Wohnungslose etwas getan wird“, bilanzierte BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer. Er hoffe, dass Nahverkehrs-Unternehmen in anderen Städten dem Bremer Beispiel folgten. So hat in Hannover das Verkehrsunternehmen „Üstra“ am Stadtmittelpunkt Kröpcke die zentrale U-Bahn-Station für Wohnungslose geöffnet.

Diakonie-Referent Reetz bittet darum, genau hinzuschauen, wenn Menschen bei klirrender Kälte draußen übernachten. Besonders wenn Alkohol im Spiel sei, merkten viele Obdachlose gar nicht, wie ihr Körper auskühle und der Kältetod näherkomme. Wer sie in einer schwierigen Lage beobachte, solle versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Im Notfall könne die Polizei verständigt werden.

Viele Obdachlose wollten trotz der Minusgrade nicht in die Notunterkünfte, erläuterte Reetz. „Da spielt Angst vor Nähe eine Rolle, aber auch Stolz etwa nach dem Motto: Ich halte es auch bei dieser Kälte draußen aus.“ Andere fürchteten, dass ihnen in den Einrichtungen etwas gestohlen werde. Reetz hofft, dass sich in diesen Tagen auch die Skeptiker unter den Wohnungslosen einen Ruck geben und ein warmes Quartier beziehen: „Wir haben Platz genug.“ · epd

http://www.inneremission-bremen.de http://www.suppenengel.de http://www.bsag.de

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