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„Heimspiel“: Sarah Connors umjubelter Tour-Auftakt in der Bremer Stadthalle

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Von: Martin Kowalewski

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„Peace“-Schriftzug und Friedenszeichen: Sängerin Sarah Connor (und ihr Pianist) in der Bremer Stadthalle.
„Peace“-Schriftzug und Friedenszeichen: Sängerin Sarah Connor (und ihr Pianist) in der Bremer Stadthalle. © Kowalewski

Bremen – Nach langer Bühnenabstinenz wird sie sofort mit begeistertem Applaus empfangen. Knapp 7 000 Menschen bejubeln Sarah Connor, die mit ihrem Programm „Herzkraftwerke“ in der Bremer Stadthalle (ÖVB-Arena) auftritt. Der offizielle Tourstart in Bremen (nach einem „Warm up“ in Kiel am Tag zuvor) wird am Wochenende zu einem Stimmungsfeuerwerk.

„Ich brauch Euch nicht zu sagen, dass es ein Heimspiel ist“, sagt Connor. Auch ihre ganze Familie soll da sein. „Willkommen in meiner Glücksblase“, sagt die Sängerin und führt ihr Publikum in eine energiespendende Auszeit. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Flucht oder ein Vergessen. Denn Connor, die dem Publikum zwischen den Songs in einem wunderbar natürlichen und freundlichen Plauderton begegnet, thematisiert Krieg und Menschenfeindlichkeit durchaus, und ihre Songs haben schon etwas Befreiendes. Sie tritt zunächst mit dem Schriftzug „Peace“ auf dem Shirt auf. Ein Friedenszeichen prangt auf dem Piano.

Auch ältere Connor-Songs passen perfekt in unsere krisengeschüttelten Tage. „Ruiniert“ reißt die Menschen mit, lässt sie ihre Handys zücken und schwenken. Ebenso perfekt passt der Song „Augen auf“, schon vor 2015 aus der Perspektive einer Mutter von vier Kindern geschrieben. Connor legt beeindruckend viel Gefühl und Kraft in ihre Stimme. Sie ist mit ihrem Songs nah bei den Menschen – und die schwingen mit. „Tolle Stimme, tolle Frau“, sagt etwa Tanja Wallischek (35), die mit ihrer Mutter Susanne Wallischek (63) aus Wildeshausen gekommen ist. „Sie hat zur aktuellen Situation in der Welt eine tolle Botschaft.“ Auch Mutter sagt: „Ihre Botschaft kommt an.“

Atemberaubende Atmosphärenwechsel

Connors deutschsprachige Texte gehen immer wieder nahe. Bei der Ankündigung von „Das Leben ist schön“ spricht sie von vielen Briefen, die sie zu diesem Song bekommen habe. Er soll wohl sogar auf Beerdigungen gespielt worden sein. Connors gefühlvolle Stimme und zarte Gitarrengänge ergeben eine Gänsehaut-Mischung. Die Sängerin hat eine große und klangstarke Band dabei; mit vielen Background-Sängerinnen und -Sängern und einem Percussionisten neben dem Schlagzeuger.

Die Sängerin Elzbieta „Ela“ Steinmetz ist polnisch-ukrainischer Herkunft und bestritt in der Stadthalle das Vorprogramm für Sarah Connor. Vor dem Hintergrund des Krieges rief sie zum Zusammenhalt auf.
Die Sängerin Elzbieta „Ela“ Steinmetz ist polnisch-ukrainischer Herkunft und bestritt in der Stadthalle das Vorprogramm für Sarah Connor. Vor dem Hintergrund des Krieges rief sie zum Zusammenhalt auf. © dpa/Bahlo

Connor und ihre Band zeigen ein beeindruckendes Geschick darin, leicht und mitunter in atemberaubendem Tempo die Klangatmosphäre zu wechseln. „From Sarah With Love“ beginnt zart und filigran, in einem spontan und frei anmutenden Zwiegespräch zwischen Connor und einem ihrer beiden Gitarristen. Ein paar Shaker kommen hinzu und seicht angespielte Becken. Schlagartig und massiver Wirkung des Schlagzeugs ändert sich das musikalische Geschehen. Der Song erklingt nun als satte, druckvolle Pop-Ballade. Sehr gekonnt gemacht. Connor geht mit ihrer Stimme in weite Höhen. Sie singt ein Medley mit englischsprachigen Songs, eine Zeitreise. Alte Hits kommen nun im Stil der Soul- und Pop-Sängerin von heute.

Später am Abend wird noch einmal deutlich, dass es ein „Heimspiel“ ist. Ein kaum verständlicher Zwischenruf kommt aus dem Publikum. Connor fragt nach, aber es bleibt kaum verständlich. Dann wird klar, es geht um ihre alte Heimat Delmenhorst. Doch ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Connor sagt, sie wurde in Delmenhorst geboren, sei aber in Hamburg aufgewachsen, bis sie neun war. Dann ging es nach Delmenhorst. Sie sei aber viel in Bremen gewesen und bereits mit 16 ausgezogen.

Nachdem „Vincent“ als letztes Lied des regulären Sets verklungen ist, nimmt der Applaus kein Ende. Lautstarkes Trampeln ist von den Sitzplätzen zu hören. Die Tribüne vibriert. Dreimal ist Bremer Recht. Und nach drei weiteren Songs ist der Applaus einfach außergewöhnlich und unglaublich kräftig. Mit dem Programm dürften „Auswärtsspiele“ wohl ähnlich ankommen. . .

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