Mit der Installation „Zon-Mai“ beginnt heute das Projekt „Zuhause anderswo“

Haus der tanzenden Bilder

Nach außen gekehrt – die Installation „Zon-Mai“ im früheren Postamt 5. ·
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Nach außen gekehrt – die Installation „Zon-Mai“ im früheren Postamt 5. ·

Bremen - Von Thomas KuzajHeute Mittag um 13 Uhr eröffnet Frankreichs Botschafter Maurice Gourdault-Montagne das Bremer Kulturprojekt „Zuhause anderswo“, das sich in den nächsten Monaten mit den Themen Migration und Integration beschäftigt. Die Bremer Shakespeare-Company, der Verein Quartier, das „Steptext Dance Project“ und das Institut Français kooperieren dafür mit dem Pariser Museum für Migration („Cité nationale de l‘histoire de l‘immigration“, kurz: „Cité“).

Erstes Herzstück des Projekts ist ein Kunstwerk, das die Cité selbst – sozusagen als Museumsbotschafter – auf Tournee schickt, und nun eben nach Bremen. Ein Haus, das nun im früheren Postamt 5 (An der Weide) steht, wo „Zuhause anderswo“ heute auch eröffnet wird. Ein Haus, das künstlerische Disziplinen wie Tanz, Architektur und Film mit einander verbindet. Ein Haus, das so etwas wie eine Metapher der Migration sein soll.

„In diesem Haus ist alles umgekehrt, es ist von innen nach außen gekehrt“, sagt Dr. Nadège Le Lan, Direktorin des Institut Français. Das beginnt schon beim Namen. Er ist dem französischen Jugend-Slang „Verlan“ entlehnt, in dem die Silben der Wörter umgestellt werden. So wird aus „maison“, was „Haus“ bedeutet, in leicht abgewandelter Schreibweise nun der Titel „Zon-Mai“. Bis zum 12. Mai ist die „Zon-Mai“ in einem der riesigen und dunklen Räume des früheren Postamts zu sehen.

Ein Anblick, der sich lohnt. Das nach außen gekehrte Haus kann nicht betreten werden, der Besucher kommt nicht hinein in das Haus der Migration – bildhafter geht‘s kaum. Apropos Bild: Natürlich gibt es etwas zu betrachten. Auf die Außenwände projiziert werden Filme, in denen 21 Tänzer mit eigener Migrationserfahrung ihre Migrationsgeschichten in einzelnen Choreographien darstellen – getanztes Leben, oft ernst und eindringlich, auch schonungslos und offen. Alles wird nach außen gekehrt. An die Fassade, aufs Dach. Alle Filme zusammen dauern eine Stunde und 20 Minuten. Le Lan beschreibt sie als „mal sehr klar, mal eher skurril“.

„Zon-Mai“ ist eine Arbeit des Tänzers und Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui und des Film- und Videokünstlers Gilles Delmas. Sie filmten ihre 21 Hausbewohner in deren Wohnungen. Auf diese Weise bekommt die „Zon-Mai“ Bäder und Küchen, Wohnzimmer und Bibliotheken. Die Ausnahme ist ein Tänzer, der sagte, er habe kein Zuhause. Seine Choreographie wurde in der „Cité“ aufgenommen.

Das Museum selbst übrigens hat in seiner Geschichte auch eine Umkehrung erlebt, wie Le Lan berichtet. Gegründet wurde es in den 30er Jahren nämlich als Museum der französischen Kolonien. Heute beschäftigt es sich „mit dem Beitrag der Migration zur Geschichte Frankreichs“.

Die Präsentation der „Zon-Mai“ soll, so die Intention, Ausgangspunkt und Inspirationsquelle weiterer künstlerischer Arbeit sein. Dazu gibt es bis Mai ein Programm mit Podiumsdiskussionen und Workshops, Lesungen, Symposien und Ausstellungen. All das soll einfließen in ein „Zuhause-anderswo“-Festival, das vom 20. bis zum 30. September dauert. Bereits heute diskutieren der Bremer Uni-Dozent Dr. Stefan Luft und „Cité“-Direktor Luc Gruson im Postamt 5 über die „Form des interkulturellen Dialogs für die Gesellschaft von morgen“ (14.30 Uhr).

· Nach der Eröffnung heute ist „Zon-Mai“ vom 15. April bis 12. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 15 bis 19 Uhr, Sonnabend und Sonntag, 11 bis 19 Uhr. Eintritt: fünf Euro, Familienkarte: zehn Euro. Führungen gibt es in deutscher, englischer und französischer Sprache. Anmeldung bei Kerstin Witges unter 0421/339 44 13.

http://www.zuhauseanderswo.com

http://www.histoire-immigration.fr

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