Hass-Liebe

Corona in Bremen: Maßnahmen treffen Security- und Cateringfirmen unterschiedlich

Die große Küche bleibt kalt: Der Caterer „Geschmackslabor“ hat für die meisten seiner 60 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Foto: GESCHMACKSLABOR
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Die große Küche bleibt kalt: Der Caterer „Geschmackslabor“ hat für die meisten seiner 60 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Sven Budelmann spricht von einer Hass-Liebe, die ihn mit der Corona-Krise verbinde. Er ist Geschäftsführer des CSS Sicherheitsdienstes. Das Unternehmen bewältigt die Krise dank neu entstandener Geschäftsfelder „hervorragend“. Doch andernorts sieht es im Security-Bereich durch den Wegfall von Veranstaltungen ernst aus, auch Catering-Dienste und Veranstaltungstechniker trifft die Krise hart.

Normalerweise widmen sich die etwa 80 Mitarbeiter des CSS Sicherheitsdienstes vor allem dem Objektschutz. Unter anderem gehören Hotels und Bildungszentren zu den Kunden. Allerdings fallen diese beiden Einsatzbereiche unter den aktuellen Sicherheitsbestimmungen weg. Außerdem sichert die Firma auch Veranstaltungen, darunter Festivals im Sommer.

Trotz Corona-Krise haben die Mitarbeiter gut zu tun. Sie haben jetzt Zutrittskontrollen in Krankenhäusern in Bremen und Delmenhorst übernommen, sagt Budelmann. „Es kommen nur ernste Fälle in das Krankenhaus. Die Sicherheitskräfte achten auch darauf, dass die Gänge frei bleiben und sich draußen keine größeren Personengruppen bilden.“

Auch die Uni Bremen hat den Sicherheitsdienst gebucht, um den Einlass zu regeln. „Die Uni ist zur Zeit geschlossen, nur wenige Personen, wie Zulieferer und Reinigungspersonal, haben Zutritt“, sagt Budelmann. Die neuen Kunden seien auf das Unternehmen zugekommen. „Es war immer die Frage: ,Ab wann können Sie uns unterstützen?' Wären wir in fünf Minuten gekommen, hätten die sich gefreut“, sagt Budelmann. Insbesondere die Krankenhäuser seien für jede Hilfe dankbar gewesen.

Für ein Sicherheitsunternehmen, das nicht namentlich genannt werden will, werden mit März und April sehr wichtige Geschäftsmonate getroffen. Das auf Konzerte spezialisierte Unternehmen setzt aber überwiegend Kräfte ein, die einen weiteren Job haben. Deshalb musste keine Kurzarbeit beantragt werden, so die Geschäftsführung. Ein anderer Sicherheitsdienst will sich angesichts der unsicheren Stimmung unter den Beschäftigten nicht äußern.

Der Caterer „Geschmackslabor“ hat Kurzarbeit für die meisten der etwa 60 Mitarbeiter umgesetzt. Normalerweise versorgt das Team Messen (unter anderem die Messe Bremen), Firmen-Events, Festivals sowie Konzerte und beliefert auch Kitas und Schulen mit Essen, aber auch Privatfeiern. Die Corona-Schutzmaßnahmen betreffen all diese Bereiche. Die Stornierungen würden bis Ende Mai gehen. „Die Auftragslage ist null, und das wird sich wohl auch noch so weiterziehen“, sagt Projektleiter Felix Wiegand (27).

Im Außer-Haus-Verkauf sieht Wiegand keine praktikable Alternative. „Wir würden nicht auf die Masse kommen, damit sich die Personalkosten rechnen würden“, sagt er. „Ich kann mir vorstellen, dass es da ein Überangebot gibt.“

Er vermutet, dass das Event-Geschäft, das den größeren Anteil am Geschäftsaufkommen habe, nach den Ausgangsbeschränkungen erst langsam wieder anlaufen wird, erst mit den kleinen, dann mit den großen Veranstaltungen. Das Unternehmen versorge Veranstaltungen von etwa 20 bis hin zu mehreren tausend Besuchern. Wenn dagegen die Schulen und Kitas wieder öffneten, sei dieser Geschäftszweig wieder voll da.

Die Schadensgröße kann Wiegand nicht abschätzen. Aber die Arbeitsplätze seien zur Zeit nicht in Gefahr.

Das Bremer Unternehmen für Veranstaltungstechnik „Active Blue“ mit 25 Mitarbeitern, aktiv auf Firmenevents und gelegentlich auch Messen, hat vor Ausbruch der Corona-Krise am oberen Ende der Kapazität gearbeitet, so Tobias Kirchherr (39) aus der Verwaltung des Unternehmens. „Wir haben drei bis vier Veranstaltungen pro Tag gemacht, von Kleinveranstaltungen bis zu solchen, für die man mehrere Sattelzüge für Ausrüstung braucht.“

Viele aktuelle Veranstaltungen würden jetzt in den Herbst verlegt, aber auch für Juni kämen schon Absagen herein. Er hat Zweifel, ob der Ausfall durch Nachholeffekte ausgeglichen werden kann. „Wir sind kein produzierendes Gewerbe, wo man das einfach aufholen kann.“

Das Unternehmen habe zunächst Kurzarbeit angemeldet, einige Kosten, wie die Miete, liefen weiter. Kirchherrs Einschätzung: „Es wird mehrere Jahre dauern, das wieder reinzuholen. Es ist jetzt schon abzusehen, dass die Einschränkungen nicht nur einen Monat dauern.“ Die Margen in der Branche seien klein.

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