Hasardeure der Luft

Zirkus Charles Knie überzeugt mit temporeichem Programm

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Die „Messoudi-Brothers“ aus Australien zeigen kraftvolle Handstandartistik. 

Bremen - Von Viviane Reineking. „Manege frei“ auf der Bremer Bürgerweide: Eine temporeiche Mischung aus Artistik und Akrobatik, aus Clownerie, Tierdressuren, Tanz und Gesang lässt am Freitagabend nicht nur bei den kleinen Besuchern des Zirkus Charles Knie die Augen glänzen.

In der Luft des Foyerzeltes liegt der Duft nach Popcorn und gebrannten Mandeln und mischt sich mit dem Geruch der Einstreu in der Manege. Eine gemütliche Atmosphäre, die Kindheitserinnerungen weckt. Von hier aus gelangen die Zirkusbesucher in das mehr als 1400 Zuschauer fassende Hauptzelt, wo an diesem ersten Bremer Gastspiel-Abend nur wenige Plätze freigeblieben sind.

Gleich zu Beginn geht es Schlag auf Schlag: Galoppierende Kamele, springende Lamas und exotische Rinderarten mit gewaltigen Hörnern präsentiert Tierlehrer Marek Jama. Dann aber stöhnen die Zuschauer auf: Der Kontorsionist César Pindo aus Ecuador scheint aus Gummi zu sein. Kaum ein Körperteil ist bei seinen Verrenkungen noch dort, wo es hingehört, erst recht nicht, als sich der „Schlangenmensch“ vollständig in eine kleine, gläserne Box zwängt.

Ziege, Minischweine und Enten in der Manege

Zu den Stars in der Manege gehören auch die Zwei- und Vierbeiner von Tierlehrer Jochen Träger-Krenzola. Er hat nicht nur Ziege „Wolfgang“ mitgebracht, sondern auch seine niedlichen Minischweine und watschelnden Enten, die sich auf Kommando nach schwarzem und weißem Gefieder in zwei Gruppen sortieren. Anmutiger ist da schon der Auftritt der edlen Friesen- und Araberhengste von Marek Jama, der seine Freiheitsdressur präsentiert.

Während des Zirkusaufbaus hat Henry Hermandez Ayala aus Venezuela seine Artistik-Küste beim Balanceakt auf dem Zirkusdach unter Beweis gestellt. In der Manege übernimmt Henry ausschließlich die Rolle des frechen Spaßvogels. Deutsch spricht er nicht. Muss er aber auch nicht. Auch ohne viele Worte findet er schnell eine Verbindung zu den Zuschauern, die nicht immer ganz freiwillig, aber engagiert bei seinen Späßen dabei sind.

Filmklassiker als Vorlage

Zu dramatischer Musik der zirkuseigenen Live-Band schwingen sich die Luft-Hasardeure von den „Flying Wulber“ von Schaukel zu Schaukel und berühren bei ihren Sprüngen sogar die blaue Zirkuskuppel. Viele „Ohs“ und „Wows“ zeugen von der Bewunderung des Publikums. Nach der Pause zeigen die „Wulber-Brothers“ im Blues-Brothers-Stil Trampolinartistik, Clown „Henry“ mimt den Kellner mitten in der Manege. Dass sein Auftritt in einer Spaghetti-Schlacht zwischen ihm und dem Publikum ausartet, verfolgen die einen be-, die anderen eher entgeistert.

Einigkeit und anerkennende Pfiffe dann bei der hochkarätigen wie kraftvollen Handstandartistik der „Messoudi-Brothers“ – der Abschluss eines abwechslungsreichen Programms, das zweieinhalb Stunden Zirkus überraschend schnell vorübergehen lässt.

Zirkus Knie gastiert bis zum 21. Mai auf der Bürgerweide. Montags ist spielfrei.

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