Sparkasse und Handwerkskammer zeichnen zukunftsweisende Betriebe aus

Hartnäckig und regional

Steffen Röhrs hat alle Arbeitsprozesse in seinem Betrieb digitalisiert. Foto: RÖHRS

Bremen - Von Viviane Reineking. Mit Kampfgeist und Hartnäckigkeit hat Alesya Fox den Sprung in die Selbstständigkeit geschafft. Die Augenoptikerin mit eigenem Geschäft in Horn ist eine von drei Preisträgern „Innovatives Handwerk 2019“. Die Sparkasse Bremen und die Handwerkskammer haben die Auszeichnung am Mittwochabend beim 53. „Mahl des Handwerks“ vor rund 250 Gästen im Finanzcentrum der Sparkasse am Brill verliehen.

Für zukunftsweisende Ideen im Bremer Handwerk stehen die drei geehrten Betriebe. „Sie zeigen die Vielfalt unserer Handwerksberufe“, so Handwerkskammer-Präses Thomas Kurzke. Der mit insgesamt 6 000 Euro dotierte Preis fördert nach Angaben der Sparkasse „innovative und nachhaltige Ansätze, die wertvolle Impulse für das Handwerk, die Wirtschaft und den Handel in Bremen liefern“.

Alesya Fox hat ihre Auszeichnung in der Kategorie „Existenzgründung“ erhalten. Dabei hat sie einen wechselvollen beruflichen Weg hinter sich: Gebürtig aus der Ukraine, studierte die heute 41-Jährige in der Heimat Veterinärmedizin und arbeitete als Tierärztin. Die schwierige Arbeitslage führte sie zu einem Praktikum nach Deutschland, wo sie ihren ersten Mann kennenlernte. Ihr Studium aber wurde hier nicht anerkannt, die Ehe zerbrach, die alleinerziehende Mutter eines kleinen Sohnes ging putzen. Eine Umschulung lehnte die Agentur für Arbeit ab. Fox blieb hartnäckig, machte dennoch eine Ausbildung zur Augenoptikerin. Neben der Meisterschule schmiedete sie gemeinsam mit ihrem zweiten Mann Pläne für ihr eigenes Geschäft „Fox Optik“.

Ihre Überzeugung: das klassische inhabergeführte Geschäft kann auch heute noch am Markt erfolgreich sein. Ihre rund 500 Kunden berät Fox seit dem vergangenen Jahr in ihrem Geschäft ebenso wie bei Hausbesuchen – etwa in Altenheimen. Außerdem setzt sie auf modernste Technik, darunter ein spezielles Messgerät, das auch bei Kindern und Demenzkranken zum Einsatz kommt.

„Joona’s Brotbude“ lautet der Name der Backmanufaktur von Joona Hellweg in Bremen-Nord, Preisträger in der Kategorie „Gesellschaftliche Verantwortung“. Früher sauste er auf dem Bobby-Car durch Vaters Backstube, seit Dezember 2018 ist der 24-Jährige selbstständiger Bäckermeister. Gebacken werden hier je zehn Sorten Brot und Brötchen, aber kein Kuchen: „Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenz“, sagt Hellweg. Statt auf Tütenmehl und Mischprodukte setze er auf „einfachste regionale Zutaten, mit denen man wunderschönes Brot backen kann“. Mitarbeiterfreundliche Öffnungszeiten und Mitspracherechte seiner Angestellten etwa bei Neuseinstellungen gehörten ebenso zu seiner „Brotbuden“-Philosophie. Wesentlich teurer als die Konkurrenz sei er damit aber nicht, so Jungunternehmer.

Preisträger in der Kategorie „Technologie“ ist der Heizungs- und Sanitärbetrieb Uwe Röhrs, den Steffen Röhrs vor vier Jahren von seinem Vater übernommen hat. Die Jury aus Experten der Handwerkskammer lobt die „planvolle und konsequente Digitalisierung der Arbeitsprozesse“ des Familienbetriebs. So sind die 29 Mitarbeiter des Unternehmens aus der Neustadt etwa mit einem Tablet ausgestattet, über das sie alle Informationen zu Aufträgen, Arbeitsanleitungen und Baupläne einsehen können. Standard-Ersatzteile werden automatisch vom System nachbestellt. Große Herausforderung sei nach wie vor die Mitarbeiter-Rekrutierung, sagte Sparkassen-Vorstand Heiko Staroßom. „Digital gut aufgestellte Betriebe sprechen Nachwuchskräfte besser an und erhalten mehr qualifizierte Bewerber.“

Digitale Prozesse spielten auch im Handwerk eine immer größere Rolle. Beispiel „Mixed Reality“: So könne ein Tischler etwa anhand eines 3D-Modells im realen Wohnzimmer des Kunden veranschaulichen, wie das neue Möbelstück vor Ort aussehe.

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