Zwei Punkte für Baugenehmigung ungeklärt

„Harms am Wall“: Zeitpunkt für Abriss völlig offen

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Gehört seit Mai 2015 zum Bremer Stadtbild: die Brandruine des Harms-Gebäudes am Wall. Ein Termin für den Abriss ist weiter offen. 

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. 6. Mai 2015, etwa 21.30 Uhr. Flammern lodern aus dem Textilhaus „Harms am Wall“. In dieser Nacht werden das historische Gebäude aus dem Jahr 1909 und zwei angrenzende Häuser durch ein Feuer vernichtet.

Ein zweistelliger Millionenschaden entsteht. Schnell ermitteln die Experten: Es war Brandstiftung. Doch wer hinter diesem Verbrechen steht, ist bis heute offen. Offen ist ebenso, wann die Ruinen aus dem Stadtbild verschwinden.

Ein Zeitpunkt für den Abriss der abgebrannten Immobilien steht weiterhin nicht fest, bestätigte der Sprecher des Bauressorts, Jens Tittmann, auf Nachfrage. Eine Abrissgenehmigung hat Eigentümer Marco Bremermann bereits seit mehr als einem halben Jahr. 

Woran hakt's dann? Ganz einfach, der Immobilienunternehmer hat noch keine Baugenehmigung für das neue, größere Gebäude. Und Abriss und Neubau sollen Hand in Hand gehen. „Zwei kleine Dinge“ sind da noch offen, sagt Tittmann. Bevor diese nicht geklärt seien, könne keine Baugenehmigung erfolgen. Dennoch betont Tittmann: „Wir sind auf der Zielgeraden.“

Beim Brandschutz muss nachgebessert werden

Bei den offenen Punkten geht es zum einen um das Brandschutzkonzept. Da nimmt es die Behörde – aus gutem Grund – sehr genau. Hier muss Bremermann nachbessern, sagt Tittmann. Hat er aber noch nicht gemacht. 

Zweiter Punkt: Zwischen der Stadt und Bremermann herrscht keine Einigung über die Museums-Passage (Durchgang vom Wall zur Museumsstraße). Der Immobilienunternehmer möchte sie abends mit Toren schließen können. Das allerdings, so Tittmann, ist im Grundbuch so nicht vorgesehen und von der Stadt auch nicht gewollt. „Es handelt sich um eine öffentliche Zuwegung. Die wollen wir, wie gehabt, offenlassen“, sagt Tittmann. 

Außerdem soll die Passage den neuen Plänen zufolge ein Stück zur Seite rücken. Dort, wo sich bisher die Harms-Passage befand, plant Bremermann das Treppenhaus. Diese Änderungen müssten mit verschiedenen Beteiligten (Anlieger, Nachbarn, Ortsamt, Behörde) diskutiert werden – was bisher nicht geschehen ist. Eine abendliche Schließung der Passage würde übrigens Bremens Plänen, die Innenstadt auch abends zu beleben, widersprechen.

Mehr Fläche durch niedrigere Geschosse

Wie im Juni berichtet, hatte sich eine Jury aus Eigentümer und Vertretern verschiedener Ressorts sowie Bauexperten bei einem Fassadenwettbewerb für die Pläne des Bremer Architekten Frank Püffel entschieden. Die Fassade soll aus Obernkirchener Sandstein bestehen. 

Im Gebäude wird Bremermann viel Fläche durch niedrigere Geschosse im Vergleich zum maroden alten Haus gewinnen. Eine Tiefgarage ist auch geplant. Ob die Ruine, wie vorgesehen, im Frühjahr abgerissen werden kann und im Sommer die ersten Arbeiten für den Neubau erfolgen, wird die Zeit zeigen.

Mietvertrag durch Zerstörung hinfällig

Mit der kompletten Zerstörung des Harms-Gebäudes wurde der Mietvertrag mit Hans Eulenbruch, dem Inhaber des Textilhauses, hinfällig. Bei einem Wiederaufbau der alten Immobilie hätte der langjährige (für Eulenbruch günstige) Vertrag Bestand gehabt. Das kam im Prozess wegen Brandstiftung gegen Eulenbruch und einen zweiten Angeklagten zur Sprache. 

Beide Männer wurden im Frühjahr freigesprochen. Mehrfach hatten Eulenbruch und sein Verteidiger Erich Joester im Prozess moniert, dass gegen den Eigentümer der Immobilie nicht ermittelt wurde. Am Brandtag hatte Eulenbruch einen Prozess gegen seinen Vermieter gewonnen. Dieser hätte 200.000 Euro für dringende Renovierungen zahlen müssen.

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