Zeugin will den zweiten Angeklagten Thomas M. auf Überwachungsvideo wiedererkannt haben

Harms-Prozess: „Das ist er, definitiv“

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Thomas M. (rechts) neben seinem Anwalt Wilfried Behrendt. 

Bremen - Von Steffen Koller. Schulden, Insiderwissen, unbezahlte Rechnungen: An Tag zwölf im Harms-Prozess am Landgericht Bremen stand am Mittwoch der Mitangeklagte Thomas M. (53) im Mittelpunkt der Beweisaufnahme. Ehemalige Geschäftspartner ließen kein gutes Haar am 53-Jährigen, dem zusammen mit Hans Eulenbruch (64) unter anderem schwere Brandstiftung zur Last gelegt wird. Eine Zeugin will Thomas M. sogar auf einem Überwachungsvideo wiedererkannt haben.

Nachdem das Gericht an den vergangenen Verhandlungstagen den Fokus fast ausschließlich auf den ehemaligen Geschäftsführer des Traditionshauses „Harms am Wall“, Hans Eulenbruch, gelegt hatte, rückte nun der Mitangeklagte Thomas M. in den Blickpunkt. Welche Rolle spielte er bei dem Großfeuer im Mai 2015, bei dem das historische Gebäude vernichtet, angrenzende Häuser beschädigt wurden? Die Anklage wirft Eulenbruch, Mieter des Hauses, und M. vor, zunächst einen Raubüberfall vorgetäuscht und später das Geschäft in Brand gesteckt zu haben, um die Versicherungssumme für das Inventar zu kassieren. 

Welchen Eindruck machte M. auf die Menschen in seinem Umfeld? Aufschluss darüber sollte eine Zeugin (49) geben, die rund zehn Monate vor dem Brand zum ersten Mal Kontakt mit M. gehabt haben will. Sie schildert, dass sie als Buchhalterin in einem Restaurant in Osterholz-Scharmbeck beschäftigt war, das M. gehörte. „Fast tagtäglich“ habe man sich gesehen und über geschäftliche Angelegenheiten gesprochen. Angemeldet war die Gaststätte auf die Tochter (30) der Zeugin. 

Mittlerweile gebe es das Restaurant nicht mehr – doch Schulden seien geblieben. „Herr M. schuldet uns noch rund 20.000 Euro. Er hat sich das Geld in die eigene Tasche gesteckt“, sagt die 49-Jährige und erklärt weiter: „Er hatte nicht nur bei uns Schulden.“ M. habe Menschen „rhetorisch gut manipulieren können, doch meist steckte nicht viel dahinter“. Sie wisse von weiteren von M. geplanten Großprojekten, wie einem Bordell und dem Kauf eines Seegrundstücks samt Imbiss.

M. schüttelt den Kopf, als er hört, was die Zeugin sagt. Noch vehementer wird das Kopfschütteln, als sie behauptet, den 53-Jährigen auf dem veröffentlichen Überwachungsvideo, das einen Maskierten kurz vor dem Brand zeigt, wiederzuerkennen. „Das ist er. Ich erkenne ihn an der Oberkörperhaltung und der Statur. Definitiv.“ Mehr Anhaltspunkte liefert sie dazu nicht. Auch ihr Mann (55) sagt vor Gericht aus. Er habe zwei Tage nach dem Brand, am 8. Mai 2015, mit M. zusammengesessen und über das Geschehene gesprochen. „Er war redefreudig. Er wusste zum Beispiel, dass es fünf Brandherde gab. Das war schon komisch. Das ist doch Insiderwissen.“

Feuer in viergeschossigem Gebäudekomplex

Auf ein mögliches Alibi des Angeklagten angesprochen, sagt der 55-Jährige, eine Servicekraft habe auf seine Nachfrage hin verneint, dass M. am Tattag in seinem Restaurant gewesen sei. Der Angeklagte äußerte sich am Mittwoch nicht zu den Aussagen des Mannes. Zur Verwunderung von Prozessbeobachtern stellte das Gericht hinsichtlich des Alibis keine Nachfragen. – Der Prozess wird Freitag fortgesetzt.

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