Im Harms-Prozess bröckelt die Anklage: BKA-Gutachter entkräften die Aussage einer Gang-Expertin

Beweisaufnahme im Harms-Prozess beendet

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Dem Angeklagte Hans Eulenbruch, ehemaliger Inhaber des Bremer Traditionskaufhauses Harms am Wall, wird Brandstiftung und versuchter Versicherungsbetrug vorgeworfen.

Bremen - Von Ralf Sussek. Der Prozess um den Brand des Modehauses Harms nähert sich dem Ende. Die Vorsitzende Richterin erklärte am Freitag jedenfalls: „Die Kammer ist mit der Beweisaufnahme durch.“

Was heißt: Es muss nur noch über einen Antrag der Staatsanwaltschaft auf Vernehmung von Zeugen entschieden werden; bei Ablehnung des Antrags könnte nach Einschätzung der Verteidiger bereits plädiert werden.

Gegen den früheren Geschäftsführer von „Harms am Wall“, Hans Eulenbruch, und seinen Bekannten Thomas M. wird seit Anfang August des vergangenen Jahres verhandelt. Den beiden Männern wird unter anderem schwere Brandstiftung und Versicherungsbetrug vorgeworfen. Sie sollen am 6. Mai 2015 einen Raubüberfall vorgetäuscht und das Gebäude in Brand gesetzt haben, um Geld für zerstörtes Inventar zu kassieren.

Keine Feststellung, dass Verdächtiger auf dem Video zu sehen ist

Das ist das Motiv, das die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift formuliert haben dürfte. Indizien oder gar Beweise für die Tatbeteiligung der Angeklagten sind in den mehr als 20 Verhandlungstagen Stück für Stück weggebrochen. Das zweite, diesmal wissenschaftlich fundierte Bewegungsgutachten ergab zwar, dass bei vier Kriterien eine Täterschaft von Thomas M. nicht ausgeschlossen werden kann. Aber was die Expertise nicht ergab (und auch gar nicht hätte ergeben können): Die positive Feststellung, dass Thomas M. der Mann auf dem Tätervideo ist.

Genau zu dieser Aussage („mit 95 bis 100 Prozent Sicherheit“) hatte sich eine von der Anklagebehörde benannte Sportwissenschaftlerin mit Erfahrung in Gangbildern verstiegen. Sie hatte ebenfalls anhand von Videos Bewegungen des Täters mit denen des Tatverdächtigen verglichen. Ein „Gangbild“ zu beurteilen, entspreche „nicht mehr dem Stand der Forschung“, sagt dagegen am Freitag der Biologe Dr. Oliver Ludwig, der sich schon in seiner Promotion mit der visuellen Ganganalyse beschäftigte und ein Buch darüber verfasst hat. Zu subjektiv, zu unsicher ist demnach diese Methode.

Ganganalyse per Video

Wissenschaftlich dezidiert dagegen die Expertise von Ludwig und Dr. Steffen Dillinger vom Bundeskriminalamt (BKA). Anhand der Außenrotation des Fußes, der Streckung und Rotation des Kniegelenks, Parametern von Sprunggelenk, Rumpf und Becken suchten sie nach Bewegungen außerhalb des Normbereichs. Nur die können verglichen werden. Bei vier von 15 Parametern kommen die Biologen zum Ergebnis, dass die Bewegungen auf dem Täter- und dem Vergleichsvideo „außerhalb der Norm“ sind. Deshalb kann hier eine Identität von Täter und Tatverdächtigem nicht ausgeschlossen werden. Sie ist eben aber auch nicht zwingend vorhanden.

Das scheint alles zu sein, was von der Anklage übrig geblieben ist. Dennoch lehnt der Staatsanwalt es ab, einer von den Verteidigern beantragten Aufhebung der Haftbefehle zuzustimmen. Da muss selbst ein Beisitzender Richter nachfragen. Bei der Begründung gerät der Staatsanwalt auch juristisch ins Stammeln. Er spricht weiterhin von dringendem Tatverdacht und Verdunkelungsgefahr. Letztlich erklärt er nichts anderes, als dass die Haftbefehle bereits außer Vollzug gesetzt seien – und deshalb aufrechterhalten bleiben könnten. Der Prozess wird am 29. März fortgesetzt.

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