Harms-Prozess: 53-Jähriger aus Untersuchungshaft entlassen

Harms-Prozess: 53-Jähriger aus Untersuchungshaft entlassen

Der Mitangeklagte im Harms-Prozess, Thomas M. (rechts), ist seit Freitag auf freiem Fuß. Sein Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt. Für seinen Verteidiger Wilfried Behrendt (links) waren die bisherigen Indizien eh nur „Kaffeesatzleserei“, wie er sagte. Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Neue Entwicklung im Harms-Prozess: Der Mitangeklagte Thomas M. (53) ist am Mittwoch ohne Handschellen in den Landgerichtssaal gekommen: Sein Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt. Außerdem sagten im Verfahren wegen besonders schwerer Brandstiftung und Versicherungsbetrug Mitarbeiterinnen des ehemaligen Harms-Geschäftsführers, Hans Eulenbruch, aus.

Ergebnis der Aussagen: Am Tatabend war „alles normal“, die polizeilichen Ermittlungsmethoden hingegen seien „nicht sehr witzig“ gewesen. Für die Verteidigung war die Lage bereits nach dem Verhandlungstag am Freitag klar: Thomas M., der laut Staatsanwaltschaft am 6. Mai 2015 zusammen mit Eulenbruch das Geschäft „Harms am Wall“ angezündet haben soll, muss aus der Untersuchungshaft (U-Haft) entlassen werden. Und so kam es auch. Es sei „nicht verhältnismäßig“, so der Haftrichter, würde der 53-Jährige bei der zu erwartenden Prozessdauer weiter hinter Gittern bleiben, berichtete sein Verteidiger gestern.

Aktuell wird mit einem Urteil erst für Mitte Dezember gerechnet. Und noch eines spricht für die Freilassung des zweiten Angeklagten aus der U-Haft: die dünne Beweislage. Die am Freitag gehörten Gutachter, eine Lippenleserin sowie eine Gangexpertin, konnten den Verdacht gegen M. und Eulenbruch nicht erhärten (wir berichteten). Dabei gilt das Überwachungsvideo, auf dem die beiden die Tat geplant haben sollen, für die Anklagevertretung als Hauptindiz.

Und auch die am Mittwoch gehörten Mitarbeiterinnen des Textilhauses können den Verdacht gegen die Angeklagten nicht stützen. Die Prokuristin (46) sagt, am Tatabend sei „alles normal“ gewesen, als sie das Geschäft verlassen habe. Schulden als Motiv schließe sie aus, dafür seien die Bilanzen zu gut gewesen. „Die Branche ist nicht einfach, aber wir haben uns angepasst. Unterm Strich haben wir Gewinn gemacht.“ Eulenbruch selbst sei ein Mensch mit „Ecken und Kanten“ gewesen, habe aber eine „hohe Akzeptanz“ unter den Kollegen genossen.

Eine andere Mitarbeiterin (52) bestätigt diese Aussagen, auch sie habe am Tatabend „nichts Auffälliges“ an ihrem Chef bemerkt. Das Betriebsklima beschreibt sie als „familiär, angenehm, schön“. Unschön hingegen sei nicht nur der Zustand des Hauses gewesen, wegen dessen es zwischen Mieter Eulenbruch und dem Besitzer der Immobilie immer wieder Streit gegeben habe. Auch die Befragungsmethoden der Polizei kurz nach dem Brand empfanden zwei Mitarbeiterinnen als „unangenehm“. Eine Zeugin schildert, ihr sei indirekt eine Beziehung zu Eulenbruch unterstellt worden, eine andere sagt: „Ich wurde pausenlos in eine bestimmte Richtung gedrängt. Ich empfand das alles als voreingenommen.“ Als sie nach ihrer Vernehmung ihre schriftliche Aussage durchlas und anmerkte, dass die „positiven Aussagen“ über Eulenbruch weggelassen wurden, soll ihr der Polizist gesagt haben, „man würde das rausfiltern, was wichtig sei“.

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