Wirtschaftsprüfer nennt Geschäftszahlen „positiv“ 

Harms: Keine Hinweise auf Schulden

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Hans Eulenbruch (links) und sein Verteidiger Erich Joester im Landgericht. 

Bremen - Von Steffen Koller. Seit Prozessbeginn gegen den ehemaligen Geschäftsführer von „Harms am Wall“, Hans Eulenbruch (64), gelten für die Staatsanwaltschaft finanzielle Schwierigkeiten als Hauptmotiv für den Großbrand im Mai vergangenen Jahres. Dafür gibt es allerdings keine Anhaltspunkte. Das zumindest geht aus den Schilderungen eines vom Gericht beauftragten Wirtschaftsprüfers am Dienstag vor dem Landgericht hervor. Beide ehemals vom 64-Jährigen geführten Läden liefen gut und schrieben positive Zahlen, so der Finanzexperte.

Acht dicke Ordner stapeln sich auf den Tischen im Landgericht, der abschließende Bericht des Wirtschaftsprüfers umfasst 126 Seiten. 126 Seiten, die nach Angaben des Sachverständigen keine Hinweise darauf geben, dass Eulenbruch oder seine Geschäfte zwischen 2011 und unmittelbar vor dem verheerenden Feuer in irgendwelchen finanziellen Schwierigkeiten gesteckt hätten. 

Eulenbruch hatte das Finanzgutachten noch während seiner Untersuchungshaft beantragt. Der 73-jährige Experte für Unternehmensbewertung forstete sich durch die Zahlen der beiden Geschäfte F.H. Harms und Milani Moden.

Jetzt gab es das Ergebnis. Ein Ergebnis, das Zweifel an der Theorie von Staatsanwalt Jan Möhle aufkommen lässt, der Eulenbruch und dem Mitangeklagten Thomas M. (53) vorwirft, aufgrund von Schulden erst einen Überfall vorgetäuscht und dann das Haus angezündet zu haben. Eulenbruch, so die Anklagevertretung, sei auf das Geld für vernichtetes Inventar aus gewesen. Beide sind wegen Versicherungsbetrugs, Vortäuschens einer Straftat und schwerer Brandstiftung angeklagt.

Mehrere Gründe sprechen gegen finanzielle Engpässe

Für den Wirtschaftsprüfer, so fasst er es in einem Vorab-Statement zusammen, sprechen drei Hauptgründe gegen finanzielle Engpässe. Eulenbruch habe von der Sparkasse kurz vor dem Brand einen Kredit über 500.000 Euro bewilligt bekommen. „Das macht keine Bank, wenn der Kunde pleite ist“, sagt der Gutachter. Anderseits sei der damalige Räumungsverkauf sehr gut angelaufen, was zusätzlich Geld gebracht hätte. Und letztlich spricht der Gutachter den gewonnenen Gerichtsstreit Eulenbruchs mit seinem Vermieter an, wodurch Eulenbruch 220.000 Euro für notwendige Renovierungsarbeiten sicher gewesen wären.

Doch wie sahen die Zahlen der Geschäfte im Detail aus? Der Experte führt aus, dass „Harms am Wall“ nach Abzug aller Kosten und Steuern zwischen 2011 und 2014 jährlich 84.000 Euro Reingewinn erwirtschaftet hätte, mit Abschluss des Jahres 2014 waren es sogar 88.000 Euro. „Insgesamt ergibt sich ein positives Ergebnis in der Fi-nanz-, Ertrags- und Vermögensentwicklung“, fasst er zusammen. Auch beim Schwesterunternehmen Milani Moden würden die Zahlen eine „unauffällige Ertragslage“ sowie eine „geordnete Vermögenslage“ zeigen.

Was die damals potenzielle Zukunft der beiden Geschäfte angehe, habe sich ebenfalls ein „positives“ Bild ergeben. Auf Grundlage der Unterlagen wäre für 2015 ein Ertrag von rund 400.000 Euro „denkbar“ gewesen, die Planzahlen bis 2017 erschienen „nicht unplausibel“.

Mit Blick auf Bonitätsprüfungen hätten die Läden „ein besseres Rating als der Branchenschnitt“ gehabt, was bedeute, dass Eulenbruch zum Beispiel Lieferanten immer pünktlich bezahlt habe. Zum Zeitpunkt des Brandes soll lediglich eine Rechnung von 53.000 Euro offen gewesen sein, die aber umgehend bezahlt wurde, so der Gutachter.

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