Kein „Wall-Sommer“: Händler befürchten Einbußen

Harms: Keine Chance für historische Fassade

Für die historische Harms-Fassade aus dem Jahr 1909 gibt es wohl keine Rettung. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Die historische Harms-Fassade in der Straße Am Wall ist nicht zu retten. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, das Eigentümer Bremermann in Auftrag gegeben hat. Aus diesem Grund will er die Brandruine voraussichtlich noch in diesem Sommer abreißen lassen.

Das zumindest kündigte der Unternehmer jetzt bei einem Gespräch mit den Ressorts Wirtschaft und Bau sowie Handelskammer, City-Initiative und Anliegern an. Wenn alles wie am Schnürchen laufe, könne ein aufgestockter Neubau samt Tiefgarage Mitte/Ende 2018 stehen. Das Harms-Gebäude war im Mai bei einem Großbrand vernichtet worden.

Ob das alles wirklich so kommt, wird sich zeigen. Bisher liegt der Baubehörde keine Abrissanzeige vor, ebensowenig ein Bauantrag, wie Sprecher Jens Tittmann gestern auf Nachfrage sagte. Das Gutachten, das der Eigentümer in Auftrag gegeben hat, liegt der Behörde inzwischen vor – mit dem Fazit, dass auch die historische Fassade abgerissen werden muss. Im einzelnen muss das Bauressort die Expertise noch genauer betrachten. Angesichts des gewaltigen Schadens war von Beginn an zweifelhaft, ob es eine Chance zum Erhalt des markanten Gebäudeteils geben könnte. Bei dem Großbrand am 6. Mai war das aus dem Jahr 1909 stammende Harms-Gebäude völlig vernichtet worden. Der Schaden geht in die Millionen. Die Experten fanden schnell heraus, dass das verheerende Feuer vorsätzlich gelegt worden war. Seit Mitte Dezember sitzen der Inhaber von „Harms am Wall“ (63) und ein zweiter Verdächtiger (53) in Untersuchungshaft. Ende März hat die Staatsanwaltschaft gegen sie Anklage wegen besonders schwerer Brandstiftung erhoben. Die Männer sollen einen Raub vorgetäuscht, das Feuer gelegt haben, um die Versicherungssumme zu kassieren, so jedenfalls die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Sie stützt sich dabei auf Videoaufnahmen. Inhaber Hans Eulenbruch bleibt weiter bei seiner Aussage, er sei im Textilhaus überfallen und eingesperrt worden. Er habe sich gerade noch aus dem brennenden Haus retten können.

Der Wall war nach dem Großbrand monatelang gesperrt, Stein für Stein musste ein Teil des Hauses abgetragen werden. Einvernehmlich wurde der Boulevard im Herbst zur Einbahnstraße. Schließlich baten die Einzelhändler das Bauressort, die Straße wieder zu öffnen. Das geschah rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft.

Wie der Eigentümer des Harms-Gebäudes in der Runde mit Ressorts und Institutionen sagte, plant er nach dem Abriss der Ruine ein aufgestocktes Gebäude und auch eine Tiefgarage. Fürs Erdgeschoss sind Handelsflächen vorgesehen, ansonsten seien Büros und „ein, zwei Wohnungen“ geplant.

Doch bis es so weit ist, muss das alte Haus weichen, müssen der Behörde vollständige Baunterlagen vorliegen.

Während am Sonntag, 12. Juni, das „Wall-Fest“ stattfindet, fällt der eigentlich gemeinsam von Bauressort, Handelskammer und Händlern geplante „Wall-Sommer“ (etwa Juni bis Ende der Sommerferien) aus. Dazu sollte der Wall wieder zur Fußgängerzone werden. Doch genau dadurch befürchten die Kaufleute Umsatzeinbußen und baten Bausenator Joachim Lohse (Grüne) um die Absage, obwohl das Ressort bereits Vorbereitungen getroffen hat. Nun gibt es keinen „Wall-Sommer“.

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