Wall-Sperrung bis Mitte Juni

Harms-Gebäude: Der Abriss beginnt

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Das ist der 60 Tonnen schwere Bagger (hinten rechts), für den extra der Untergrund verstärkt werden musste. Mit ihm gehen die Abrissarbeiten an der Harms-Brandruine in der Innenstadt in die zweite Runde. Das neue Geschäftshaus soll 2020 fertig sein.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Besonders groß wirkt er nicht, der Bagger, der seit der Nacht vor der Brandruine von „Harms Am Wall“ steht. Aber er ist schwer, sehr schwer: satte 60 Tonnen. Mit ihm gehen die Abrissarbeiten in die zweite Phase. Und die werden ab heute, Freitag, auch sichtbar werden. Bis 2020 soll hier mit dem „Wallkontor“ ein Geschäftshaus mit Einzelhandel und Büros entstehen. Eigentümer Müller & Bremermann investiert hier einen zweistelligen Millionenbetrag.

Für den tonnenschweren Bagger war ein Spezialtransport nötig. Mitte März, so Daniel Günther, Sprecher des Investors, war dieser beantragt worden. „Erst in dieser Woche kam die Genehmigung von der Behörde, wir hatten zwei Wochen früher damit gerechnet“, so Günther. Für den Bagger musste der Weg vor der Ruine verstärkt und geteert werden. Und nun geht's richtig los mit dem sichtbaren Abriss. 

Das Schwergewicht nimmt sich den Angaben zufolge die beiden oberen Geschosse vor. Es wird Mitte Juni gegen ein kleineres Gerät ausgetauscht, das den Abriss bis zum Erdgeschoss vornimmt. Die gute Nachricht für Autofahrer: Dann soll auch die Vollsperrung der Straße Am Wall wieder aufgehoben werden – rechtzeitig vor dem „Wallfest“ am 17. Juni. Bis voraussichtlich in den November gilt eine Einbahnstraßenregelung, der Wall soll von der Bischofsnadel Richtung Herdentor befahrbar sein. Anschließend wird's, wenn der Plan aufgeht, noch besser: Trotz der Bauarbeiten für das Millionenprojekt soll der Wall für den Fahrzeugverkehr frei sein. Nur Gehweg und Parkplätze bleiben im Bereich der Ruine gesperrt.

Aufwendige Vorarbeiten nötig

Annahmen, es sei in den vergangenen Wochen in dem Gebäude eher ruhig zugegangen und nicht gearbeitet worden, widerspricht Uwe Mahnken, Projektleiter „Wallkontor“, bei Müller & Bremermann energisch: „Wir haben in den vergangenen Wochen im Inneren des Gebäudes umfangreiche Vorbereitungsmaßnahmen durchgeführt, die elementar wichtig für die Sicherheit der Bauarbeiter und für die benachbarten Gebäude sind. Das war von außen nicht immer sichtbar, aber die Kollegen haben quasi hinter den Kulissen die Vorarbeiten erledigt, die einen Abriss überhaupt erst möglich machen.“ 

Das deckt sich im Übrigen mit Beobachtungen der Redaktion. Stückchenweise sind inzwischen auch Teile abgetragen worden – per Hand, um Erschütterungen für die Nachbargebäude „möglichst gering zu halten und Schäden zu vermeiden“. Laut Mahnken gehörten zu den Vorarbeiten Versteifungen (sogenannte statische Ertüchtigungen) der ausgebrannten Gebäude, damit die Stabilität der Nachbarhäuser nicht gefährdet wird. Zudem wurden Baustoffe aus den insgesamt drei betroffenen Gebäuden gebracht, weil beispielsweise Holz, Stein und Metall vor Ort getrennt werden müssen, um sie zu entsorgen. Einige Kellerräume, so Mahnken, mussten mit einem Spezialgemisch aus Boden und Beton verfüllt werden, damit sich die Last des Abrissgutes nicht auf die Nachbargebäude überträgt und dort Schäden anrichtet. Entsorgt wurde Sondermüll wie beispielsweise ölhaltiges Löschwasser aus einem alten Öltank sowie Kühlmittel aus Klimaanlagen.

Vorbehalte gegen Abriss ausgeräumt

Geklärt sind nach Angaben von Daniel Günther inzwischen offene Fragen mit dem Nachbarn, der Basler Sachversicherung. Wie berichtet, hatte Basler vorsorglich Widerspruch gegen den Abriss eingelegt. Die Vorbehalte seien jetzt ausgeräumt, heißt es. Zum Schutz der Nachbargebäude sollen die angrenzenden Teile per Hand und „mit großer Vorsicht“ abgetragen werden. Fachfragen würden unter Einbeziehung eines Experten geklärt. Günther betont, die Arbeiten hätten sich dadurch nicht verzögert.

Das aus dem Jahr 1909 stammende Harms-Gebäude wurde am 6. Mai 2015 bei einem Großfeuer zerstört. Es entstand ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Experten stellten vorsätzliche Brandstiftung als Ursache fest. Wer das Feuer gelegt hat, ist bis heute ungeklärt. Der frühere Harms-Geschäftsführer Hans Eulenbruch, lediglich Mieter im Gebäude, wurde ebenso wie ein Mitangeklagter Ende März 2017 freigesprochen.

„Wallkontor“: Neuer Akzent 

Mit dem „Wallkontor“ will das Bremer Unternehmen Müller & Bremermann nach eigenen Angaben einen neuen Akzent in der City setzen. Bis 2020 soll das Projekt, in das ein zweistelliger Millionenbetrag fließt, fertig sein. Das Gebäude umfasst 5 500 Quadratmeter Gewerbeflächen für Einzelhandel und Büros. Der Komplex ersetzt drei durch einen Großbrand im Mai 2015 vernichtete Häuser. Die Fassade wird aus Naturstein bestehen. Architektonische Besonderheit ist die neue „Wall-Passage“, die durch das Gebäude direkt auf die dahinterliegende Museumstraße führt. Im Vergleich zur alten Passage wird die neue ein Stück versetzt. Die Planer betonen so eine verbesserte Verbindung zwischen Wall und Schüsselkorb. gn

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