Haptischer Genuss

„Mein Kunst-Stück“ mit Karla Hüneke und ihrem „Schälchen Monochrom“

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Karla Hüneke ist freie Künstlerin, Töpferin und damit die Mutter vieler Schalen, Schälchen, Teller und Gefäße aus Porzellan. Für unsere Serie präsentiert sie ihr Objekt „Schälchen Monochrom“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Schälchen Monochrom“ heißt Karla Hünekes Objekt, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Genaugenommen, ist es eine Designserie von diversen Objekten. Jedes Teil ist handgefertigt und zugleich für den Gebrauch entworfen.

Das „Schälchen Monochrom“ stellt sie in unserer Serie vor, weil es optimal in der Hand liege und damit sein Gebrauch zum haptischen Genuss werde. Der Schwerpunkt liegt tief und gibt dem Gefäß trotz der nach unten verjüngten Form Stabilität. Die Gefäßwand ist zart, leicht und öffnet sich nach oben hin. „Das entspricht einem Prinzip des Qigong. Obwohl ich das, als ich diese Form vor über 20 Jahren entwarf, noch nicht wusste“, sagt Hüneke. Sie ist freie Künstlerin, Töpferin und die Mutter vieler Schalen, Schälchen, Teller und Gefäße. 

Alle Objekte aus Porzellan dreht die Künstlerin auf der Töpferscheibe. Einen Tag trocknen ihre Schälchen auf der Scheibe. Am darauffolgenden Tag sind sie wie Lederhaut. Dann beginnt die Künstlerin, den Boden nachzuarbeiten. Im Gegensatz zu vielen anderen Porzellangefäßen werden Hünekes Werke auch auf der Innenseite geformt und gestaltet. Wenn sie das Porzellan von der Scheibe trennt, lässt sie genügend Material, um unten einen Schwerpunkt zu setzen.

Flüssiges Porzellan sorgt für die Farbe

Die Farbe wird in Form mehrerer Anstriche aus flüssigem Porzellan aufgetragen. In diese Schicht kratzt Hüneke elliptische Linien. Die Formen ziehen sich über den Rand hinweg. Die entstandenen Rillen füllt sie anschließend mit einer anderen Farbe flüssigen Porzellans wieder auf. Damit das französische „Limoge-Porzellan“ ein warmes Weiß bekommt, brennt Hüneke ihre Objekte im Elektro- statt im Gas-Ofen.

Neben Schälchen, Becher, Teller, Vasen und Schalen, zählen auch Kunstschalen zu Hünekes Werksammlung. Die meisten besitzen einen senkrechten Rand und sind außen, wie innen bemalt. Die Bilder erzählen eine kleine Geschichte die passenderweise innen und außen spielt.

Hüneke war schon früh kreativ. Nach ihren Schülerpraktika im Grafikbüro und in einer Töpferei lernte sie Scheibentöpferin. Dann folgte das Fachabitur für Gestaltung. Ihr Studium der freien Kunst führte die Bremerin an die Hochschule für Kunst und Design in Kassel. In alter Bauhaus-Tradition war dort angewandte Kunst, wie beispielsweise Design, nicht von der freien oder bildendenden Kunst abgekoppelt.

Heute arbeitet Hüneke regelmäßig und meist vormittags. Nebenbei arbeitet sie für ein regelmäßiges Einkommen. Die Herausforderung des Künstlerlebens sieht sie darin, sich die Freiheit zu erhalten, ihre künstlerische Arbeit machen zu können und dabei den Mut zu behalten, diese weiterzumachen.

„Kunst hat etwas Verbindendes“

Ob wir Kunst brauchen? – „Ja, gerade in Zeiten wie heute“, ist Hüneke überzeugt. „Denn Kunst hat etwas Verbindendes, weil sie nonverbal ist. Das setzt sich über Grenzen von Kultur und Sprache hinweg. Außerdem bildet Kunst den Geschmack der Menschen aus.“

Zu den Künstlern, die für Hüneke besonders bedeutend sind, zählen der zeitgenössische US-Amerikaner Robert Mangold und der Spanier Pablo Picasso (1881 bis 1973).

Mangolds Ellipsen auf pudrigen Pigmentbildern inspirierten Hüneke zu ihren Keramiken. Pablo Picasso findet sie einfach genial. Der habe auch tolle Keramiken geschaffen und beispielsweise mit einer Stierkampf-Arena bemalt.

Wenn Hüneke jemandem ein Objekt als Botschaft schicken sollte, dann ginge die vorgestellte Lieblingsschale in kräftigem Rot an die Senatorin für Bildung Claudia Bogedan (SPD): „Um mit diesem rundherum einnehmenden und überzeugenden handgefertigten Gefäß für mehr praktischen Unterricht an den Bremer Schulen zu plädieren.“ Das könne freie oder angewandte Kunst, Handwerken, Gärtnern, Kochen oder was auch immer sein, was Kinder mit allen Sinnen fordert. „Ich glaube, in diesem Sinne ausgebildete junge Menschen sind für die Gesellschaft eine wahre Bereicherung.“

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