Nur der Mast der Touristenattraktion „Roland von Bremen“ ist noch zu sehen / Polizei: Defekt oder Frostschaden

Die Hansekogge versinkt in der Weser

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Der Mast ragt aus dem Weserwasser, die gelbe Ölsperre der Feuerwehr lässt die Umrisse der gesunkenen Hansekogge erkennen. Am Nachmittag – bei Ebbe – waren dann auch Teile der Schiffsaufbauten zu sehen. ·

Bremen - Von Thomas KuzajBei Flut ragt nur noch der Mast aus dem Weserwasser heraus. Die Hansekogge „Roland von Bremen“ ist gestern gegen 3 Uhr an ihrem Liegeplatz am Ufer der Schlachte gesunken – und liegt nun beinahe wie das in den 60er Jahren aufgetauchte Original im Weserschlick.

Wie das Schiff leergepumpt werden kann, wann es gehoben wird und auf welche Weise – Fragen, die Harro Koebnick von der Reederei „Hal över“ gestern noch nicht beantworten konnte. Warum sank das Schiff, und das zudem offenbar sehr schnell? Auch noch nicht genau bekannt. Die Polizei ging gestern „von einem technischen Defekt aus“, möglicherweise handele es sich dabei um einen Frostschaden. „Wir haben keine Hinweise auf Fremdverschulden“, so Polizeisprecher Nils Matthiesen.

„Hal över“ gehört der Nachbau des mittelalterlichen Handelsschiffs, der im Jahr 2000 bei der BBV Bremer Bootsbau Vegesack entstanden ist. Die Kogge zählt zu den maritimen Touristenattraktionen und Wahrzeichen Bremens – 23,98 Meter lang, 7,62 Meter breit. Tiefgang: zwei Meter.

Eine wichtige Rolle spielt sie beim alljährlichen Historienspektakel zur Freimarktseröffnung, wenn der Gesandte Kaiser Konrads II., dargestellt von dem Schauspieler Erik Roßbander, an Bord der Kogge zum Martinianleger fährt, um der Stadt Bremen die Marktgerechtigkeit zu bringen.

Nachts um 3.30 Uhr hat bei ihm das Telefon geklingelt, sagt Koebnick. Am Apparat die Einsatzkräfte mit den schlechten Nachrichten von der Schlachte. Koebnick eilte sofort zum Liegeplatz der Kogge. Helfen konnte er nicht mehr. Er musste mit ansehen, dass das Schiff nicht zu retten war. „Für mich ist das ein Schock“, sagt Koebnick.

Gegen 3 Uhr in der Nacht hatte ein Zeuge der Polizei gemeldet, dass die Hansekogge sinke. Die Besatzung eines Streifenwagens forderte sofort Verstärkung durch Wasserschutzpolizei und Feuerwehr an, berichtet Polizeisprecherin Ines Roddewig. „Da sich auf dem Deck bereits Wasser befand, war den Einsatzkräften ein Betreten des Schiffes nicht mehr möglich.“ Auch die Besatzung des Einsatzboots „Bremen 1“, das Wasserschutzpolizei und Feuerwehr gemeinsam gehört, konnte nichts mehr tun, um das Sinken zu verhindern.

Die Feuerwehr, so Koebnick, legte dann eine gelbe Ölsperre. Außen Mittelalter-Look, innen moderne Technik mit windunabhängigem Motorantrieb – das ist die Kogge. Das Wasser dürfte die Technik schwerer beschädigen als das Holz. Aber vor allem: Dieseltreibstoff und Hydrauliköl sind an Bord und sollen nicht in die Weser gelangen.

Offensichtlich seien nur kleinere Mengen Öl ausgetreten, hieß es gestern. Innerhalb der Ölsperre haben Feuerwehrmänner weiße Schwimmteile („Ölschlängel“) ausgelegt, die sich mit Öl vollsaugen können – auf diese Weise soll das Wasser gereinigt werden.

In der Mittagszeit wurde neben dem Liegeplatz der Kogge ein Ponton, der einen Kran trug, mit Dalben gesichert. Anschließend brachte der Kran rund um die Kogge weitere Dalben aus, an denen das gesunkene Schiff fest vertäut wurde. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass der Schlachte-Ponton, an dem die Kogge gelegen hat, durch die Flut auf das Schiff gedrückt wird, sagt Koebnick.

Zur Ursache ermittelt jetzt die Polizei. Da die Kogge noch auf Grund lag, war es gestern nicht möglich, sie von unten zu begutachten. Die starke Strömung hätte gestern allerdings ohnehin keinen Taucher-Einsatz zugelassen, hieß es.

Etliche Schaulustige verfolgen die Arbeiten vom Schlachte-Boulevard und von der Teerhofbrücke aus. Besonders voll wurde es in der Mittagszeit. Manche der „Seh-Leute“ fühlten sich an frühere Zeiten erinnert, als das Restaurantschiff „Welle“ an der Schlachte lag – und ebenfalls sank. Das Original – die Hansekogge von 1380 – war am 8. Oktober 1962 bei Arbeiten in der Weser überraschend aufgetaucht. Der Fund galt als wissenschaftliche Sensation. Das Wrack bot erstmals die Möglichkeit, die Konstruktion von Koggen genau nachzuvollziehen. Nach einem jahrelangen Konservierungsbad ist die rekonstruierte Kogge von 1380 heute im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven zu sehen.

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