Sphärisches Zwiegespräch

Musik von Hans Zimmer: Gänsehaut beim „König der Löwen“

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Chor, Orchester und drei Soul-Solisten. 80 Musiker sorgten am Montagabend im Bremer Metropol-Theater mit der Musik von „Zwei Welten“ für anrührenden Musikgenuss. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein Medley, drei Helden: Superman, Spiderman und Batman. Laser entfalten Fächer im Nebel. Aufbruchstimmung, gefolgt von Orchesterklängen, schwer wie die Aufgaben der Helden. 500 Zuschauer erleben am Montagabend gut zweieinhalb Stunden „The Music of Hans Zimmer & Others“ – gespielt von dem Staatlichen Akademischen Symphonieorchester und dem Chor der Republik Weißrussland.

Eigentlich war Schauspieler Uwe Ochsenknecht als Moderator angekündigt. Da er krank geworden ist, führt Sängerin und Moderatorin Evelyn Fischer, Jahrgang 1964, unter anderem bekannt durch das Fernsehmagazin „Titel, Thesen, Temperamente“, durch den Abend. „Ich stehe hier, denn ich habe die gleiche Stimme wie Uwe Ochsenknecht, und ich sehe auch so aus“, scherzt sie. Fischer, bekleidet mit einem funkelnden Silberkleid, moderiert recht locker und weiß viel über den Ausnahmekomponisten und die eine oder andere Geschichte hinter den Kompositionen zu erzählen.

So etwa über den Durchbruch des 1957 in Frankfurt geborenen Zimmer Ende der 80er in Amerika mit der Musik zu dem Film „Rain Man“. Zimmer bekam den Auftrag durch die Einwirkung von Barry Levinsons Frau, seines Zeichens Regisseur. Sie hatte Zimmers Komposition zu dem Anti-Apartheitsfilm „Zwei Welten“ gehört. Letztere wird gespielt. Drei Soul-Solisten aus den USA treten dazu auf. Orchestraler Bombast, satte Percussion durchmischen sich mit afrikanischem Gesang und ergeben ein eindrucksvolles Ganzes.

Ebenfalls ein besonderer Auftritt: Sopranistin Johanna Krumin erklimmt in der Musik zu „Gladiator“ mit äußerster Eleganz die hohen Lagen. Im Hintergrund: Filmszenen.

Nur eine Woche Klavierunterricht

Fischer erzählt, dass Zimmer nur eine Woche Klavierunterricht über sich ergehen ließ. Sie erinnert auch an eine ganz frühe Komposition, bei der Zimmer an den Tasten saß, den Popsong „Video killed the radio star“ von den „Buggles“ Ende der 70er, lange bevor er ein großer Komponist in der Filmwelt wurde. Sie singt den Song an und verwickelt das Publikum in eine Art musikalischen Dialog. Ansonsten singen die Besucher gemischten Alters nicht. Vielmehr blicken sie gebannt auf das Konzertgeschehen, spenden aber immer wieder ordentlich Applaus. Es ist ein Abend für stille Genießer. Am Ende stehen die Besucher dreimal auf. Ein Stimmungshöhepunkt ist die Filmmusik zu „König der Löwen“. Der Chor wiegt sich elegant hin und her, während er afrikanische Songelemente singt. Die drei Soul-Solisten entfalten ihre Stimmen und erzählen zwischendurch einiges zu der Musik. Etwa, dass Zimmer im afrikanischen Text eine Botschaft untergebracht hat. Bei Disney sagte er, es gehe um Schmetterlinge. Auch „Circle of life“, bekannt durch Elton John, erklingt. Alles zusammen sorgt für Gänsehaut. Für Ralf Bihler aus Achim ist das die Nummer des Abends. „Das war besonders gut“, sagt Bihler, dem es insgesamt auch gut gefällt. „Die meisten Stücke kennt man.“

Mehr als 80 Musiker befinden sich auf der Bühne. Der Ton wird technisch verstärkt. Das Ergebnis erinnert an typischen Kinosound. Besonders die Perkussionsinstrumente donnern gewaltig. Einige Nuancen gehen leider etwas unter.

„Interstellar“-Musik entfaltet kalte Atmosphäre

Sphärisch und experimentell ist die Musik zu dem Science-Fiction-Film „Interstellar“. Sie wirkt eher kalt, entfaltet aber eine beeindruckende Atmosphäre. Auf der Leinwand: Landschaften, Weltraumaufnahmen, paranormale Raumgebilde, sogar Treppen in unmöglicher Anordnung. Einen ruhigen, neugierig-futuristischen Teil wiederholt das Orchester in der Zugabe. Im Chor werden Lampen gezückt. Die Zuschauer greifen zu ihren Handys, lassen sie leuchten. Ein sphärisches Zwiegespräch mit kosmischer Aura zu später Stunde.

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