Bandenkriminalität: Festnahmen in Berlin

Polizei legt professionellen Betrügern das Handwerk

Bremen - Sie operieren mit sogenannten Mediatoren, Logistikern, Fahrern und Abholern – nein, keine Speditionen, sondern kriminelle Banden, die alte Menschen um Geld und Schmuck bringen. Jetzt hat die Polizei in Bremen und Oldenburg mit Unterstützung der Polizei in Berlin einer mutmaßlichen professionellen Betrügerbande das Handwerk gelegt. Nach Angaben von Polizeisprecherin Franka Haedke wurden insgesamt vier Männer (18, 19, 20 und 29 Jahre alt) mit türkisch-libanesischen Wurzeln festgenommen. Zwei sitzen nun hinter Gittern.

Wochenlang, so Haedke, blieb die gemeinsame Ermittlungsgruppe aus Oldenburg und Bremen an den Verdächtigen dran. Den Angaben zufolge sollen diese Teil einer Bande sein, in denen Mitglieder Senioren bestehlen, indem sie sich als angebliche Polizeibeamte ausgeben. Die Sprecherin: „Die hochgradig organisierten und skrupellosen Täter rufen aus der Türkei mit verfälschten Rufnummern bei älteren Menschen an und geben sich dort als Polizeibeamte aus.“ 

Diese „Mediatoren“ bauen bei den alten Leuten eine Legende auf, erklären den Senioren, ihr Hab und Gut sei zu Hause und auch beim Geldinstitut nicht mehr sicher. Durch geschickte Gesprächsführung schaffen sie es der (echten) Polizei zufolge immer wieder, die Senioren dazu zu überreden, ihr Vermögen zusammenzupacken, hohe Summen vom Konto abzugeben und alles der „Polizei“ zu übergeben.

Nun, so die Sprecherin, kommen die Logistiker ins Spiel. Sie organisieren einen Fahrer und einen Abholer. Diese fahren dann zum Übergabeort und nehmen als „Polizeibeamte“ Schmuck, Geld und anderes Wertvolles in Empfang.

Über Wochen wesentliche Erkenntnisse gewonnen

In den wochenlangen Ermittlungen sei es gelungen, wesentliche Erkenntnisse zum „arbeitsteiligen und konspirativen Vorgehen“ der in Bremen agierenden Bande und ihrer Struktur zu erlangen, sagte Haedke. Speziell gerieten die vier Männer ins Visier der Ermittlungsbehörden, zu denen auch die Staatsanwaltschaft Bremen gehört. Die Polizisten fanden den Angaben zufolge heraus, dass eine ältere Berlinerin um mehrere Goldbarren gebracht werden sollte. Der 29-Jährige und der 20-Jährige wurden laut Haedke von Bremen nach Berlin geschickt, um als „Polizisten“ die Beute in Empfang zu nehmen. „Die Seniorin erhielt unterdessen am Handy per Standleitung laufend Anweisungen von den Mediatoren aus der Türkei.

Bei der Übergabe der Tasche klickten dann beim 29-Jährigen aus Bremen die Handschellen. Spezialkräfte der Berliner Polizei übernahmen diesen Part. Der Mann kam ebenso in Untersuchungshaft wie der mitgereiste 20-Jährige.

Durchsuchungen in Bremen

Unterdessen liefen in Bremen Durchsuchungen, wie Haedke weiter berichtete. Die 18 und 19 Jahre alten Verdächtigen wurden dabei vorläufig festgenommen. Die Polizei stellte Beweismittel sicher, wie es heißt.

Mehr als 800 Straftaten, die auf diese und ähnliche Weise gegen ältere Menschen begangen wurden, notierte die Polizei 2016 für Bremen. 60 Prozent scheiterten laut Franka Haedke im Versuch. In diesem Jahr wurden bis Mitte Oktober 1123 Taten angezeigt, davon blieben gut 800 im Versuch stecken, berichtete sie weiter.

gn

Tipps der Polizei, um sich vor Betrügern zu schützen:

  • Die Polizei fragt Sie am Telefon nicht nach Sicherheitsvorkehrungen am Haus, nach Bankdaten oder Wertsachen aus. Falschgeldprüfer schickt sie Ihnen auch nicht ins Haus.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, egal wer Anrufer ist, vertrauen Sie nicht einer auf dem Display Ihres Telefons angezeigten Rufnummer. Es gibt Möglichkeiten, diese zu manipulieren. Beenden Sie das Gespräch und rufen Sie die Polizei selbst zurück.
  • Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis. Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen. Auf keinen Fall den Familienschmuck und große Bargeldbeträge zu Hause lagern, auch wenn sie vermeintlich noch so gut versteckt sind. Sichere Unterbringung in einem Bankschließfach ist ratsam!

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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