Handelskammer legt Jahresbericht vor / „2016 birgt Unsicherheiten“

„Anschluss nicht verlieren“

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Harald Emigholz, Präses der Handelskammer, blättert im Jahresbericht.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Das Land Bremen ist ein starker Wirtschaftsstandort“, sagt Harald Emigholz, der neue Präses der Handelskammer. „Auch, wenn das überregional nicht immer so gesehen wird.“ Aus dieser Perspektive ist es nur folgerichtig, dass die Kammern von Bremen und Bremerhaven sich nun zusammengeschlossen haben, um „mit vereinten Kräften Projekte anzugehen“ und um – gegenüber der Politik – fortan „mit stärkerer Stimme zu sprechen“.

Mit stärkerer Stimme wurde im Haus Schütting gestern erst einmal der Kammer-Jahresbericht für 2015 vorgelegt – und das nicht ohne sorgenvolle Töne. Ja, Bremen ist ein starker Wirtschaftsstandort. Doch: „Das Bruttoinlandsprodukt unseres Bundeslandes liegt pro Kopf um 29 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Aber der Vorsprung schmilzt. Das hat vor kurzem der neue Standortindex unserer Kammer anhand von 22 Indikatoren deutlich gemacht.“ Vizepräses Christoph Weiss: „Wir brauchen ein Wachstumsressort und müssen sehen, dass wir den Anschluss nicht verlieren.“ Es gelte, Aufgaben im Bereich der Wirtschaftsinfrastruktur zu bündeln.

Nun, dennoch: Bremen kam in der ersten Jahreshälfte 2015 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von real 2,1 Prozent konjunkturell etwas besser voran als der Bund, hieß es gestern bei der Kammer. Im weiteren Verlauf des Jahres aber habe die Konjunktur „auch aufgrund weltweiter Krisen“ nachgelassen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg in Bremen um 1,7 Prozent.

Präses Emigholz: „Der Ausblick auf 2016 birgt Unsicherheiten.“ Ein Grund dafür sei der „stagnierende Welthandel“. Bremen werde den Weg der Expansion „nur abgeschwächt“ weitergehen. Im Ranking der Industriestandorte sei Bremen (wie berichtet) vom fünften auf den achten Rang zurückgefallen – trotz einer Umsatzsteigerung in der Industrie. Andere große Städte aber seien eben „noch beweglicher, innovativer und dynamischer“. Das Leitbild einer „wachsenden Stadt“ sollte das Handeln der Politik prägen, fordern die Kammer-Spitzen.

An die Aufgabe, Flüchtlinge zu integrieren, gehe die Wirtschaft unterdessen pragmatisch heran, formulierte Vizepräses Weiss. Der wichtigste Weg zur Integration sei es, „sie in Ausbildung und Arbeit zu vermitteln“. Die Bereitschaft der Unternehmen sei hoch, Angebote für Ausbildung, Einstiegsqualifizierung und Praktika zu machen. Wichtig sei es jetzt, zusammen mit den Kooperationspartnern die Plätze „passgenau“ zu vermitteln. Bremen müsse für den Ausbau der Sprachkurse – „besonders auch der höheren Niveaus“ – für Flüchtlinge sorgen.

Und: Bremen soll, so die Kammer-Forderung, eine „zentrale Stelle“ zur Bewältigung der Integrationsaufgaben einrichten. Weiss: „Es wird schwierig sein, wenn man das nicht zentralisiert. Ich persönlich sehe die Verantwortung beim Bürgermeister, das jetzt mal anzugehen.“

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