Handelskammer und HWWI: Wirtschaftliche Entwicklung unterdurchschnittlich

Bremen steigt ab

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Bremen - Von Viviane Reineking. Bremen ist der Handelskammer zufolge ein starker Wirtschaftsstandort, befindet sich aber laut Prof. Dr. Henning Vöpel im nationalen Vergleich „auf dem absteigenden Ast“. Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) machte auf einer Veranstaltung der Kammer gestern Nachmittag im Schütting einen kaum wahrnehmbaren, aber „schleichenden Bedeutungsverlust“ aus.

Platz 21 von 30 belegt die Hansestadt im aktuellen Städteranking des HWWI. Die Entwicklung ist eindeutig: War es 2008 noch der 16. Rang, ging es in den Folgejahren immer weiter bergab. Nun also führt Bremen das letzte Drittel an – um es positiv auszudrücken. Doch in allen drei untersuchten Teilindizes – dem Trend-, Demografie- und Standortindex –, die die Zukunftsfähigkeit der Städte beleuchten sollen, schneide Bremen unter- bis durchschnittlich ab, so Vöpel. Bremen entwickelt sich zum Beispiel dynamisch, aber eben unterdurchschnittlich. Es gibt einen Bevölkerungszuwachs, aber eben nur einen kleinen. Im Wettbewerb der Regionen, in dem diese auch um Fachkräfte konkurrierten, ziehen Städte wie Dresden mit ihren Lebensbedingungen die Bevölkerung an, Bremen liegt im Bundesdurchschnitt. Während attraktive Städte bei der Prognose für 2030 Einwohner hinzugewinnen, stagniert das Bevölkerungsniveau in Bremen. Bei Bildung und Innovationsfähigkeit liegt Bremen im unteren Mittelfeld, nur etwa jeder vierte Beschäftigte arbeitet in einem wissensintensiven Wirtschaftszweig. Besser sieht es bei der Internationalisierung aus. Insgesamt liege Bremen beim Standortindex immerhin im guten Mittelfeld. Man müsse versuchen, die Dynamik neu zu entfachen, so der Experte, die Bedingungen dafür seien eigentlich ganz gut. Diese müssten auch nach außen transportiert, die Wahrnehmbarkeit erhöht werden, denn „wichtige Standortentscheidungen werden auch außerhalb Bremens getroffen“. Wichtig sei es, eine digitale Infrastruktur bereitszustellen, denn die „Digitalisierung führt zu einer völligen Neuvermessung der Welt“. Die Karten der Wettbewerbsfähigkeit würden komplett neu gemischt, so Vöpel. Außerdem sei es wichtig, die Lebensqualität für Fachkräfte und Familien zu erhöhen.

Zum ersten Mal präsentierte Hauptgeschäftsführer Matthias Fonger gestern mit dem „Handelskammer-Monitor Wirtschaftsstandort Bremen“ ein eigenes Analyseinstrument zur detaillierteren wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt anhand von 22 Einzelindikatoren im Bundesvergleich. Untersucht wurden etwa das Wirtschaftswachstum (hier vergrößert sich die Lücke zum Bundesdurchschnitt seit 2013), die öffentliche Investitionsquote (seit 2007 unterdurchschnittlich) und die Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter (mit 5000 neuen Stellen zwar gewachsen, aber vergleichsweise wenig).

„Größte Schwäche“ ist Fonger zufolge aber die Arbeitslosenquote, die in Bremen seit 2009 nur vergleichsweise leicht zurückgegangen sei. „Im Umland dagegen sinkt sie sehr stark.“ Bei den 22 Einzelindikatoren habe die Stadt eine „besorgniserregende Entwicklung“ genommen, liege 2014 insgesamt „deutlich unter dem Durchschnitt“.

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