Ziel: Erreichbar bleiben 

Handelskammer schaltet sich in Diskussion um autofreie Innenstadt ein

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Wenn die autofreie Innenstadt kommt, dürften die Tage des Parkhauses „Katharina“ gezählt sein.

Bremen – Bis zum Jahr 2030 soll die Bremer Innenstadt weitgehend autofrei sein, so will es die rot-grün-rote Koalition. Die oppositionelle CDU verweist gar darauf, dass ihre Bürgerschaftsfraktion schon 2012 in einem Positionspapier eine autofreie Innenstadt gefordert hat.

Wie aber soll das konkret funktionieren? Wie erreichen Pendler aus dem Umland dann die Bremer City? Wie groß wird die autofreie Zone tatsächlich sein? Fragen wie diese werden gegenwärtig diskutiert. Jetzt hat sich die Handelskammer mit einem zehn Punkte umfassenden Forderungskatalog in die Diskussion eingeschaltet – gemeinsam mit der City-Initiative, dem Handelsverband Nordwest und dem Hotel- und Gaststättenverband.

Keine Autos im historischen Herz der Stadt, keine Autos zwischen Wall und Weser – das ist bislang der Tenor. Im Kammer-Papier werden nun konkrete Maßnahmen verlangt und Forderungen gestellt.

Eine der Hauptforderungen: Bremens Innenstadt muss für Menschen aus dem Umland, für Pendler und Besucher, weiter gut zu erreichen sein. „Wichtig aus Sicht der Innenstadtwirtschaft ist die grundsätzliche Erreichbarkeit der City mit allen Verkehrsträgern sowie insbesondere auch der Altstadt-Parkhäuser für auf die Nutzung des Autos angewiesene Besucher aus entfernteren Stadtteilen und dem Umland“, heißt es ganz ausdrücklich. Und weiter: „Hotellerie und Gastronomie sind auch am späten Abend auf eine solche Erreichbarkeit angewiesen.“

Ein Rückbau der Martinistraße soll den Weg zur autofreien Innenstadt frei machen. Die Kammer bringt nun wieder den Vorschlag ins Spiel, die Straßenbahn aus der Obern- in die Martinistraße zu verlegen. 

Zudem müsse an „ältere sowie mobilitätseingeschränkte Innenstadtbesucher“ gedacht werden. „Massive Anstrengungen“ seien nötig, um den „innenstadtorientierten“ öffentlichen Nahverkehr einschließlich der Regio-S-Bahn attraktiver zu machen. Im Vergleich zu Hannover zum Beispiel sei Bremen aus dem näheren Umland deutlich schlechter mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen. Die Kammer fordert zudem einen „kostenlosen Nahverkehr im gesamten Innenstadtbereich“.

Es gelte, mit Politik und Verwaltung ein „Gesamtmobilitätskonzept für die Bremer Innenstadt“ zu entwickeln – nicht zuletzt mit Blick auf Bremen als Fahrradstadt. So müsse das Konzept bessere, breitere und auch neue Radwege („Wallring“) ebenso enthalten wie unterirdische Fahrradstellplätze (Vorschläge: Domhof-Bunker, Brill-Tunnel).

Innenstadtwirtschaft: Straßenbahnen 2 und 3 verlegen

Nötig sei aber eben auch der „Bau neuer Parkgaragen am Altstadtrand“ – als Ersatz für die in einem autofreien Altstadtkern fortfallenden Parkhäuser Mitte (Abriss für die geplante „City-Galerie“ des Investors Kurt Zech) und „Katharina“.

Einmal mehr fordert die Innenstadtwirtschaft, die Straßenbahn (Linien 2 und 3) aus der Obern- in die Martinistraße zu verlegen. Die rot-grün-rote Koalition möchte die Martinistraße ohnehin „zurückbauen“, hier soll die autofreie Bremer Innenstadt praktisch auf den Weg gebracht werden.

Besserer Zugang zur Fußgängerzone gefordert

Die Kammer fordert, drei Einfallstore in die Fußgängerzone spürbar „passantenfreundlicher“ zu gestalten. Gemeint sind damit Domsheide und Balgebrückstraße, Schüsselkorb und Sögestraße sowie der Bereich Knochenhauerstraße, Wegesende und Spitzenkiel. Die Knochenhauerstraße ist de facto schon eine Fußgängerzone – nur wird das optisch so wenig deutlich, dass noch immer regelmäßig Autos durch sie hindurchfahren. Bei der Umgestaltung der Domsheide, so eine weitere Forderung, müsse die Verbindung zum Schnoor verbessert werden. Insgesamt seien „öffentliche Begleitinvestitionen“ zu den vielen privat finanzierten City-Projekten notwendig.

Erneut fordern die Kaufleute auch eine „Aufwertung des Wall-Boulevards“ samt „Umbau der Fuß- und Radwege“. Neue gastronomische Angebote direkt in den Wallanlagen sollen nach Kammer-Vorstellungen hier für weitere Impulse sorgen.

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