Handelskammer Bremen und IHK Bremerhaven legen Jahresbericht vor

„Deutliches Warnsignal“

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Bremerhaven ist der europaweit umschlagstärkste Hafen für Kraftfahrzeuge. Per Bahn werden die Autos dann an ihre Bestimmungsorte im Binnenland gebracht.

Bremen - Von Ralf Sussek. Die Konjunktur im kleinsten Bundesland ist nur langsam vorangekommen. Zu langsam, finden die Handelskammer Bremen und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bremerhaven. Sie haben gestern ihren Statistischen Jahresbericht für 2014 vorgelegt.

Die bremische Wirtschaftsleistung ist 2014 deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt gestiegen: preisbereinigt um 0,7 Prozent. „Langsam und moderat“ nannte gestern Dr. Matthias Fonger, der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, die Wirtschaftsentwicklung. Bundesweit lag der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei 1,6 Prozent.

Hans-Christoph Seewald, Präsident der IHK Bremerhaven, bekräftigte: „Die zweitschlechteste Wachstumsrate unter allen Bundesländern ist ein deutliches Warnsignal. Es muss alles getan werden, damit sich unser Bundesland nicht weiter vom bundesdeutschen Trend abkoppelt.“ Dennoch stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land Bremen um 1,7 Prozent. „Die Unternehmen in Bremen und Bremerhaven haben im vergangenen Jahr 5000 sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen“, lobte Fonger.

Das allerdings kam der Arbeitslosenquote im Zwei-Städte-Staat kaum zugute; die sank nur um 0,2 Prozentpunkte auf 10,9 Prozent. Fonger führt das auf eine viele „Einpendler“ aus dem niedersächsischen Umland zurück.

„Enorme Chancen“ sieht er in der Exportquote von 57,5 Prozent, der höchsten aller Länder. Der Güterumschlag in den Bremischen Häfen in Höhe von insgesamt 78,2 Millionen Tonnen liegt zwar knapp unter dem von 2013 (78,7 Millionen Tonnen), aber der Automobilumschlag stieg auf knapp 2,3 Millionen – das macht Bremerhaven zum größten europäischen Umschlagplatz für Fahrzeuge, sagte Seewald.

Als Risiko für eine stetige Aufwärtsentwicklung nannte Fonger weltpolitische Entwicklungen (unter anderem Russland-Embargo und die Gefahr einer Blase in China) sowie die finanzielle Situation des Haushaltsnotlagelandes. „Bremen kann nur wenig Geld ausgeben“, bedauerte er, aber Bremen könne deshalb eben auch „wenig Impulse setzen“. Seewald und Fonger forderten eine „intelligente Strategie für die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte“. Dazu zählte ein Strukturumbau in der öffentlichen Verwaltung und die langfristige Stärkung des Landes durch wirtschaftliches Wachstum. „Neue Jobs sind die beste Wirtschafts- und Sozialpolitik, die man sich denken kann“, sagte Fonger. Den Koalitionsvertrag der nächsten rot-grünen Regierung sehen die Spitzen der Kammern nach dem, was bisher bekannt wurde, mit gemischten Gefühlen. Als positiv wurden der Bau des Offshore-Terminals Bremerhaven, die Ankündigungen zur Weservertiefung und zur Verwaltungsreform (Abschaffung von Doppelstrukturen) bezeichnet. Die Kammern vermissten allerdings konkrete Aussagen zur Ausweisung von Wohngebieten (Brokhuchting, Osterholzer Feldmark) und die von ihnen vorgeschlagenen Zusammenlegung der Senatsressorts Wirtschaft und Verkehr zu einem Ressort „Wachstum“.

Apropos Wachstum: Für das Jahr 2015 zeichne sich nur ein moderates Wirtschaftswachstum in Bremen ab, hieß es. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für Deutschland mit einem Wachstum von 1,8 Prozent.

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