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Handelskammer Bremen befürchtet Einbußen durch Krieg in der Ukraine

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Von: Thomas Kuzaj

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Für die Bremer Innenstadt (hier ein Blick in Richtung Obernstraße) wünscht die Handelskammer sich eine „Initialzündung“ – und blickt in die Seestadt: Bremerhaven sei auf einem „sehr guten Weg, den Innenstadt-Wandel zu nutzen“, heißt es im Haus Schütting.
Für die Bremer Innenstadt (hier ein Blick in Richtung Obernstraße) wünscht die Handelskammer sich eine „Initialzündung“ – und blickt in die Seestadt: Bremerhaven sei auf einem „sehr guten Weg, den Innenstadt-Wandel zu nutzen“, heißt es im Haus Schütting. © Kuzaj

Bremen – Eigentlich hätte das Thema „Corona“ am Dienstag die Präsentation der Handelskammer-Jahresbilanz beherrscht. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aber war der Krieg das dominierende Thema. Er trifft auch die Wirtschaft – und er verstärkt einige der „Wirtschaftshemmnisse“ (Kammer-O-Ton), die Corona ausgelöst hat. Stichworte: Materialmangel, Preissteigerungen, gestörte Lieferketten.

„Der russische Einmarsch in die Ukraine ist absolut verantwortungslos und verstößt eklatant gegen das Völkerrecht“, erklärte Handelskammer-Präses Eduard Dubbers-Albrecht erneut. „Wir fühlen eine sehr intensive Solidarität mit den Menschen in der Ukraine.“ Die wirtschaftlichen Folgen der russischen Invasion seien insgesamt noch nicht absehbar, doch: „Auch wir hier in Bremen sind nicht ganz unbetroffen.“ Und, so der Präses weiter: „Probleme werden sich in der Energieversorgung, durch Sanktionsrückwirkungen von Lieferkettenunterbrechungen oder durch den Ausfall von Produktionsstätten ergeben.“ Um wirksame Wirtschaftssanktionen werde die internationale Staatengemeinschaft nicht herumkommen; die Sanktionen würden aber auch in Deutschland – und eben: in Bremen – „einigen wehtun“. Doch: „Wir müssen bereit sein, mit den Sanktionen zu leben.“

Aus Russland wurden im vergangenen Jahr Waren und Güter im Wert von gut einer Milliarde Euro nach Bremen importiert – darunter auch Kohle für das Bremer Stahlwerk von Arcelor-Mittal. Apropos Energie: „Die aktuelle Krise in der Ukraine führt uns deutlich vor Augen, dass wirtschaftliche Stabilität und sichere Energieversorgung in der kommenden Zeit maßgeblich sein werden für die Zukunft unseres Landes“, so Präses Dubbers-Albrecht.

Bremische Wirtschaft erholt sich leicht

Zurück nach Bremen, zurück zur Bilanz. Im vergangenen Jahr habe sich die Wirtschaft im Land Bremen nach dem coronabedingten Einbruch im Jahr 2020 nur langsam wieder erholt, hieß es am Dienstag bei der Handelskammer im Haus Schütting. In der ersten Jahreshälfte 2021 stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Bremen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent. Damit sei die wirtschaftliche Dynamik im Land Bremen „deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt“ (plus 2,9 Prozent) ausgefallen.

Zu den wirtschaftlichen Hemmnissen zählt die Kammer neben einem „immer größeren Fachkräftemangel“ beispielsweise „Belastungen durch stark steigende Energie- und Rohstoffpreise, unverändert gestörte Lieferketten und immer höhere Transportkosten – Probleme, die durch die aktuelle Ukraine-Krise mit Sicherheit spürbar verschärft werden.“ Der von Russland entfesselte Krieg in der Ukraine werde erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen nach sich ziehen, so der Präses. „Rasant steigende“ Energie- und Rohstoffpreise bekämen durch den Krieg einen „Schub“.

Handelskammer-Präses Eduard Dubbers-Albrecht am Dienstag im Haus Schütting.
Handelskammer-Präses Eduard Dubbers-Albrecht am Dienstag im Haus Schütting. © Kuzaj

Handelkammer wünscht sich Schub für die Bremer Innenstadt

Einen Schub im positiven Sinne bräuchte unterdessen die Bremer Innenstadt, so die Haltung der Handelskammer. Beinahe neidvoll blickt man dabei aus dem Schütting nach Bremerhaven, wo es rund um den früheren Karstadt-Standort einen richtigen City-Neustart geben soll. Bremerhaven sei auf einem „sehr guten Weg, den Innenstadt-Wandel zu nutzen“, so Dubbers-Albrecht. „Dort ist man sich einig, was das Ziel angeht.“ Da könne Bremen von Bremerhaven lernen. Mit Blick etwa auf Innenstadt, Domsheide und Glocke war es in Bremen zum offenen Streit zwischen Handelskammer und dem Bau- und Verkehrsressort von Senatorin Maike Schaefer (Grüne) gekommen – keine Spur von einem „sehr guten“ gemeinsamen Weg.

Dubbers-Albrecht mit hanseatisch durchwirkter Leidenschaft: „Die Bremer Innenstadt hat das Potenzial, eine der tollsten Innenstädte in Deutschland zu sein.“ Aber: „Es passiert zu wenig. Es fehlt uns die Initialzündung. Es wird eher auf Sicherheit gespielt in der Politik, man zögert zu sehr. Es fehlt uns das große Gesamtbild.“ Als Oberzentrum müsse Bremen auch darauf achten, dass seine Innenstadt erreichbar bleibe.

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