Junge Männer zunächst auf freiem Fuß

Landgericht verurteilt Angeklagte: Haftstrafen für Steineleger

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Sebastian R. (25, r.) und Nils L. (24) kurz vor dem Urteil. Sie verließen den Gerichtssaal wenig später auf freiem Fuß. Erst wenn das Urteil rechtskräftig ist, müssen sie in Haft.

Bremen - Von Steffen Koller. Sie provozierten Unfälle, sie nahmen Verletzungen in Kauf, doch töten wollten sie nicht. Das Landgericht Bremen hat am Dienstag zwei Männer schuldig gesprochen, die in mehreren Fällen Hindernisse auf Autobahnzubringer oder Bundesstraßen gelegt haben. Nils L. (24) und Sebastian R. (25) wurden unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Den Gerichtssaal verließen sie dennoch auf freiem Fuß.

Das Muster war immer gleich. In den Sommermonaten 2017, immer zur Nachtzeit, kundschafteten Nils L. und sein Kumpel Sebastian R. Straßen im Bremer Süden oder dem Umland aus. Sie besorgten sich Steine, bauten Nagelbretter oder nahmen Beschwerungsplatten für Baustellenschilder (29 Kilo schwer). Dann legten sie die Gegenstände auf die Fahrbahn. Ob sie die Unfälle beobachteten, konnte das Gericht unter Vorsitz von Richter Jürgen Seifert nicht abschließend klären. Die Kammer geht aber davon aus. Nachweisen ließ sich das aber nicht. Was nachweisbar war, sind insgesamt zwölf Taten, für die Nils L. schuldig gesprochen wurde. 13 Taten sind es bei Sebastian R., L. muss für drei Jahre in Haft, R. für drei Jahre und vier Monate.

Beide haben sich des schweren Eingriffs in den Straßenverkehr, der gefährlichen Körperverletzung und der versuchten Körperverletzung sowie Sachbeschädigung schuldig gemacht, erläuterte Jürgen Seifert in der Urteilsbegründung. Zudem wurden den jungen Männern noch im Gerichtssaal die Führerscheine entzogen. Frühestens drei Jahre nach Absitzen ihrer Haftstrafe dürfen sie einen neuen beantragen. Weihnachten können die Männer zu Hause verbringen, Seifert hob kurz nach dem Urteil die Haftbefehle gegen die Angeklagten auf. Erst wenn das Urteil rechtskräftig ist, müssen sie in Haft.

Zu rechnen war mit diesem Urteil nicht unbedingt, schließlich hatte Staatsanwältin Wiebke Kaiser noch am Montag sechs Jahre Haft für Nils L. und sieben Jahre für Sebastian R. gefordert. Ihrer Ansicht nach sind die Taten als versuchter Mord einzustufen gewesen. Ob die Anklage Revision gegen das Urteil einlegen wird, war am Dienstag nicht bekannt.

„Fürchterliche Vorgehensweise“

Das Treiben der beiden Männer soll bereits 2015 begonnen haben. Drei Taten, die in diesen Zeitraum fielen, konnte ihnen das Gericht trotz gefundener DNA-Spuren aber nicht nachweisen. Dafür gab es letztlich „keine ausreichenden Hinweise“, sagte Seifert. Dennoch könne der erste provozierte Unfall im September 2015 „die Grundlage“ für die weiteren Taten gewesen sein. Allein 2017, davon ist die Kammer überzeugt, legten die Angeklagten 13 Mal verschiedene Hindernisse auf Straßen. In einigen Fällen kam es zu Blechschäden, in einem Fall wurde eine Frau leicht verletzt. Von einem Tötungsvorsatz ging die Kammer jedoch nicht aus. Dagegen spreche unter anderem, dass die Männer die Gegenstände zum Teil auf Straßen mit niedrigem Verkehrsaufkommen, auf beleuchtete Straßen und auf solche mit Tempolimit platzierten.

Die Angeklagten hätten trotz geringen Schadens in „einer fürchterlichen Vorgehensweise“ gehandelt. „Objektiv“ seien alle Taten „gefährlich“ gewesen, sagt Siefert. Bis zuletzt hatten die geständigen Männer keine Angaben zu ihrem Motiv gemacht. „Ob es für Sie ein Spiel war, bleibt wohl Ihr Geheimnis“, sagte der Vorsitzende Richter.

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