Angeklagter muss wegen Messerangriffs auf Radler ins Gefängnis

Bremen: Haftstrafe für Porschefahrer

Hofften auf Bewährung: Verteidiger Carsten Scheuchzer (r.) plädierte für seinen Mandanten (Mitte) auf eine Bewährungsstrafe, das Gericht verurteilte ihn jedoch zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft.
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Hofften auf Bewährung: Verteidiger Carsten Scheuchzer (r.) plädierte für seinen Mandanten (Mitte) auf eine Bewährungsstrafe, das Gericht verurteilte ihn jedoch zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft.

Eine Porschefahrer rastet aus und attackiert einen Radfahrer - der Prozess endete jetzt vor dem Bremer Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung mit einer Haftstrafe für den Angeklagten.

Bremen – Eine Bewährungsstrafe stand im Raum, doch diese wollte das Bremer Landgericht dem Angeklagten nicht gewähren. Stattdessen wurde der 33-jährige Porschefahrer, der im August 2020 mit einem Teppichmesser auf einen Radfahrer eingestochen hatte, am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Zuvor hatte sein Verteidiger plädiert und gefordert, den Haftbefehl gegen seinen Mandaten außer Vollzug zu setzen, vergebens. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte nach einem Streit mit einem 39 Jahre alten Radfahrer auf diesen eingestochen hatte.

Auch einen dem Radler zur Hilfe eilenden Polizeischüler griff der 33-Jährige nach Überzeugung des Gerichts an. Beide wurden leicht verletzt.

Kein versuchter Totschlag

Der Vorwurf des versuchten Totschlags erhärtete sich im Laufe der Beweisaufnahme nicht. Den dafür erforderlichen bedingten Tötungsvorsatz erkannte weder die Anklage noch das Gericht. Dabei kam dem Mann wohl zugute, so formulierte es Staatsanwältin Claudia Kück, dass das vom Angeklagten eingesetzte Cuttermesser von minderer Qualität war und so vermutlich bereits nach den ersten Stichen auf den Fahrradhelm des Opfers zerbrach.

Mit dem Urteil blieb die Kammer unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf drei Jahre und vier Monate Gefängnis plädiert hatte (wir berichteten) – jedoch in einem entscheidenden Punkt auch über dem Antrag von Verteidiger Carsten Scheuchzer. Dieser hatte noch am Dienstag eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten für seinen Mandanten gefordert. Eine Entlassung des Mannes aus der Haft sei verantwortbar, meinte Scheuchzer. Der 33-Jährige bedaure und bereue „zutiefst“, zudem bestehe aufgrund einer gutachterlich festgestellten posttraumatischen Belastungsstörung des Angeklagten „besondere Haftempfindlichkeit“.

Diese Störung war wohl auch Mitauslöser, als es im Steintorviertel zur Tat kam. Aufgrund von Kriegserlebnisse während des Kosovo-Konflikts, die der Mann erlitten haben soll, habe er ein Trauma entwickelt. Das habe seine Schuldfähigkeit zwar eingeschränkt, attestierte ein Sachverständiger im Prozess. Strafschärfend müsse jedoch betrachtet werden, dass der Angriff im öffentlichen Raum und unter laufender Bewährung stattgefunden habe, argumentierte der Vorsitzende Richter Björn Kemper. Da der Mann weder Familie noch Job in Deutschland habe, bestehe eine zu große Fluchtgefahr.

Therapeutische Hilfe aus der Haft heraus

Der Haftbefehl gegen den 33-Jährigen blieb somit bestehen. „Sie morgen wieder auf die Straße zu lassen, da haben wir schon Bedenken“, sagte Richter Kemper. Der Angeklagte solle aus der Haft heraus therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, ein offener Vollzug wäre im Anschluss denkbar.

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