Häuser mit Wirkung

Bremer Architekten machen sich mit humaner Bauweise einen Namen

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Die Architekten Stefan Feldschnieders (links) und Tobias Kister erarbeiten seit 20 Jahren Architekturlösungen, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht, wie es heißt.

Bremen - Von Astrid Labbert. Mit einem cleveren Wohnkonzept für Asylunterkünfte sorgt das Architekturbüro Feldschnieders + Kister bundesweit für Aufsehen. Die Bremer Architekten stellen den Menschen in den Mittelpunkt, ganz gleich, ob es sich um das Entwerfen von Wohn-, Arbeits- oder Lernorten handelt.

Fast zwei Jahre ist es jetzt her, dass die Bremer Architekten sowohl in der Fachwelt als auch in der Öffentlichkeit mit ihren bunten Übergangswohneinrichtungen in Containerbauweise für Aufsehen sorgten. Es war damals eine Ausnahmesituation: Schnell sollte es gehen mit der Realisierung von dringend benötigten Asylunterkünften in Bremen, und es durfte nicht zu teuer sein.

Wohneinheiten bieten Platz für Begegnungen und Rückzugsorte

„Es gab keine Vorbilder oder Handlungshilfen“, erinnert sich Tobias Kister (53). Wenn er und Stefan Feldschnieders (51) heute in ihrem Büro in der Innenstadt auf diese Zeit zurückblicken, sind sie noch immer zufrieden mit ihrer architektonischen Antwort: „Die Idee trägt auch jetzt noch.“ Denn sie hatten wohnliche Containermodule entworfen, die sich clever zu Wohneinheiten kombinieren lassen und sowohl Begegnung als auch Rückzug ins Private ermöglichen. Darin spiegelt sich auch eine Haltung wider.

Bunte Wohncontainer für Asylbewerber in Findorff – auch sie stammen von den Bremer Architekten Stefan Feldschnieders und Tobias Kister.

2016 gingen ihre Entwürfe für das Übergangswohnheim „Blaues Dorf“ in die Gruppenausstellung im Deutschen Pavillon auf der 15. Architekturbiennale in Venedig unter dem Motto „Making Heimat“ ein. Es folgte eine Nominierung zum Preis für Architektur 2017 des Deutschen Architekturmuseums. „Die Flüchtlingsarchitekten“ werden sie seither manchmal genannt. Aber darauf wollen sich die Bremer nicht reduzieren lassen. „Wir finden für die jeweilige Aufgabe die richtige Lösung, die bauliche Antwort“, sagt Feldschnieders. Egal, ob Feuerwehrhaus, Industriegebäude oder Schule: „Was wollen wir für eine Architektur? Wie wollen wir leben, lernen, arbeiten?“ Es sind Fragen, die sich Feldschnieders und Kister immer wieder neu stellen. Architektur, sagt Kister, „ist ein Lebensinhalt, der in sehr viele Bereiche hineinspielt“.

„Wie schafft man Privatheit?“

Seit 20 Jahren arbeiten die beiden gemeinsam in Bremen, viel haben sie für öffentliche Auftraggeber realisiert und sich unter anderem ein Standbein in der pädagogischen Architektur aufgebaut. Diese will die räumlichen Voraussetzungen für Lernen in Schulen und Kitas schaffen, oder anders gesagt: die pädagogischen Ziele in Raumstrukturen übersetzen. Fachleute sprechen auch vom Raum als „dritten Pädagogen“ neben dem Lehrer und den Mitschülern. „Das Thema Bildung ist ein wichtiger Schwerpunkt, den wir sehr nachhaltig betreiben und mit dem wir ebenfalls Erfolg haben“, betont Kister. Derzeit scheitern vernetzte und flexible Lernformen oft an architektonisch bedingten Grenzen in Schulgebäuden, die einst für den Frontalunterricht konzipiert worden seien. Anders an der Oberschule Osterholz-Scharmbeck: Die Bremer Architekten haben dort das Vorreiterprojekt „Lernhaus“ mit offenen Räumen und Lernorten mit entworfen.

Doch zurück zu den Übergangswohneinrichtungen. „Wie schafft man Privatheit?“, war eine der Fragen, die die Architekten sich stellten – vor dem Hintergrund, dass die Asylsuchenden aus beengten Sammelunterkünften, aus Turnhallen kommen würden. Baurechtliche Gründe führten schnell zum Containermodul, davon ausgehend entstand ein kleines Quartier: Vier bis sechs Häuser rund um einen gemeinsamen Innenhof ergeben eine Einheit mit Wohnungen, Gemeinschafts- und Verwaltungshaus, alles in freundlichen Farben gestrichen. „Eigentlich ist das drittes Semester Architekturstudium und ganz einfach“, sagt Feldschnieders. „Beim Wohnen geht es um Zonierung: vom öffentlichen, über den halböffentlichen, zum privaten Raum. Dann wird Wohnen humanitär.“

Knapper Lebensraum in deutschen Städten problematisch

Die aktuelle große Herausforderung sehen die Architekten im knappen Wohnraum in deutschen Städten. Lebensweisen hätten sich verändert, darauf müsse auch der Wohnungsbau reagieren. Bezahlbares Wohnen für Ein-Eltern-Familien, für Singles: Da brauche es neue Ideen und Entwürfe.

In Hannover werden derzeit die letzten Wohneinheiten für Asylbewerber fertiggestellt. 14 Anlagen werden es am Ende in Bremen und Hannover sein, mit insgesamt 1500 bis 2000 Plätzen. „Diese Anlagen haben zu verblüffenden Reaktionen geführt“, erinnert sich Kister an die ersten Bezüge. „Es gab Bewohner, die haben geweint vor Glück, weil sie endlich einen Rückzugsort hatten.“

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